Der ambulante Schlachthof

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Bucheinband: http://www.westendverlag.de/buecher-themen/program... (Foto: Umschlag Buchgut, Berlin)
Essen: Medienakademie Ruhr |

Der ehemalige Spiegel-Journalist Dirk Koch, der die Flick-Affäre aufdeckte, plaudert aus dem Nähkästchen und liest seinen heutigen Kollegen die Leviten. Das Buch erscheint zur richtigen Zeit nicht nur als Lese- sondern auch als Lehrbuch für die Medienakademie Ruhr. Wer den Roten Faden sucht, erkennt die Gratwanderung zwischen Hintergrundwissen und Öffentlichkeit. Der Spannungsbogen und Ehrenkodex, sich mit Personen nicht gemein zu machen, zieht sich durch.

Der Leser hat in 21 abgeschlossenen Kurzgeschichten die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung vom Journalistencodex des Autors zu bilden.

Die zeitgeschichtlichen Begebenheiten zeigen Hintergründe und nicht veröffentlichte Situationen auf. In nicht mehr gewohnter „Spiegelmanier“ leben Begebenheiten der Bonner Republik auf. Wird heute zu wenig und zu oberflächlich recherchiert? Fehlt die Nähe zu den handelnden Personen, fehlt die Ausdauer für einen Überraschungscoup?

Oder liegt es an der Staatsmacht, die ihre lästigen Kontrolleure, die Journalisten, in Schach hält:
- Durch Gesetze, wie das Informationsfreiheitsgesetz, gesicherte Informationszugang verspricht.
- Unter Vorwänden die Presseleute und erst recht ihre Informanten in Regierungen, Behörden und Parlamenten mit Gefängnisstrafen einschüchtert.

Man denkt unwillkürlich an die Spiegel-¬Affäre 1962 wegen angeblichen Landesverrats.

Journalisten sind geschwächt; es gibt weniger eigenständige Zeitungshäuser. Redaktionen werden verkleinert, Zeitungstitel aufgekauft. Sinken die Auflagen und Zuschauerzahlen allein wegen des veränderten Medienkonsums, insbesondere jüngerer Leute oder tragen auch Journalisten Mitschuld am Niedergang des Gewerbes? Das vom Informationseinheitsbrei übersättigte Publikum wäre wieder zu locken, könnten die Blätter mit echten exklusiven Enthüllungen aus der Politik aufwarten. Das Argument, aus Kosten- und Zeitgründen kann zu wenig und zu wenig gut recherchiert werden, steigert nicht die Auflage.

Durch Gesetzesänderungen weiter eingeschnürrt, wird vergeblich auf Insiderinformanten, auf Whistleblower gewartet werden können. Ausgelöst durch die Snowdenpapiere, bildet die Zusammenarbeit von NDR/WDR und Süddeutscher Zeitung, wie auch der gemeinnützige Verein CORRECT!V, einen Lichtblick.

Der Autor legt ein Geschichts- und Geschichten Buch über Schmidt, Brandt, Augstein, Prinz Charles, Lambsdorff, Strauß, Barzel und Co vor. Das Buch zeigt die Arbeitsweise eines anerkannten Journalisten im vormals geteilten Deutschland auf. Ob der Untertitel: „Die letzten Geheimnisse der Bundesrepublik“ trägt, kann nur der Leser beantworten. Vielleicht sind in der zweiten Auflage Schwärzungen.

Das Buch erscheint am 2.2.2016 (Lichtmess) im Westendverlag unter ISBN 978-3-86489-124-3 mit 192 Seiten.
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Bernhard Ternes aus Marl | 01.02.2016 | 17:19  
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