汉语桥 Patrick Martin bei den „Weltmeisterschaften in Chinesisch“

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Josefine Dittmar und Patrick Martin. Die Beiden, zwei „Ersatzspieler“, ein Betreuer und ein Volunteer bildeten die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde um den Weltmeistertitel in China.
 
Die Teilnehmer auf einen Blick - 76 Länder waren vertreten.

Es war einfach zu viel des Guten. Patrick Martin war schon 30 Stunden auf den Beinen, wankte in die große Halle des Pekinger Flughafens. Doch dann…er bekommt noch heute Gänsehaut: „Wir wollten uns nur noch registrieren lassen und dann ab ins Bett. Aber plötzlich stürmten Presse und Fernsehen auf uns zu!“

Der 18-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die waren rattenscharf auf uns Ausländer, wir sollten direkt ausführliche Interviews geben. Irgendwann durfte ich endlich todmüde versuchen, in den Schlaf zu kommen…“ Ein erster Vorgeschmack auf einen fast schon surreal wirkenden Trip der besonderen Art.
Patrick Martin, Zwölftklässler aus Heidhausen, hatte das deutsche „Chinese Bridge“-Finale gewonnen. Die Bildungsabteilung der chinesischen Botschaft prüfe die 14 besten Schüler Deutschlands auf ihre chinesischen Sprach- und Kulturkenntnisse. Die Sieger waren Josefine Dittmar aus Starnberg und Patrick Martin. Die Beiden, zwei „Ersatzspieler“, ein Betreuer und ein Volunteer bildeten dann die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde um den Weltmeistertitel in China.

Extrem anstrengend

Die ersten Tage waren extrem anstrengend, immer wieder gab es Fotoshootings und Interviews: „Die haben uns nicht in Ruhe gelassen.“ Die Chinesen machten ein riesiges Fass auf, der Wettbewerb hat hohes Prestige im Land, dementsprechend war der Aufwand. Das Programm hatte es in sich, die Große Mauer, der Zoo, die verbotene Stadt mit angeblich 9.999 Zimmern, ein Besuch im Hauptquartier des Konfuzius-Institutes, ein Festmahl mit traditioneller Pekingente…

Mediterranes Klima

Dann ging es mit dem Flugzeug über 2.000 Kilometer quer durchs Land bis nach Yúnnán. Diese chinesische Provinz ist so groß wie Deutschland und Holland zusammen, grenzt an Tibet, Viêt Nam, Laos und Myanmar. Ihre Hauptstadt Kunming liegt auf 2.000 Metern, hat über 7 Millionen Einwohner. Und inzwischen einen großen Fan: Patrick Martin!
Begeistert teilt er seine Eindrücke mit: „Dort herrscht mediterranes Klima, ewiger Frühling, für chinesische Verhältnisse gute Luft, kein Smog wie sonst in den Metropolen.“
Der Hotelzimmer-Nachbar war ein Kolumbianer, Patrick spricht fließend Spanisch, das passte. Überhaupt war der unvergessliche Trip eine Multi-Kulti-Veranstaltung: „Man geht nach China und trifft die Welt - 76 Länder waren vertreten, ich durfte viele Kulturen und tolle neue Freunde kennenlernen.“

Riesentrara

Schon bei der Eröffnungsveranstaltung wurde ein Riesentrara gemacht: „Viele hohe Tiere waren anwesend, der Bildungsminister, die Bürgermeisterin, gleich zehn Fernsehsender waren vor Ort.“ Am fünften Tag begannen die Prüfungen, ein Computertest mit 50 Fragen, die es auf Chinesisch zu verstehen und zu beantworten gab: Politisches, Kulturelles, auch die Notrufnummer der Feuerwehr.
Eifrig übten Josefine und Patrick für ihren Vortrag, irritierender Weise wurden zwischendrin öfters die Bedingungen geändert. Dann hieß es, nach nur zehn Minuten der Vorbereitung sich kurz vorzustellen, eine Debatte zu halten und ein kleines Schauspiel aufzuführen. Alles auf Chinesisch, versteht sich. Damit es „stilechter“ wirkte, trat das deutsche Team übrigens in bayerischer Tracht an - was tut man nicht alles...
Der krönende Abschluss war der kulturelle Vortrag, Patrick am Piano, Josefine sang zwei klassische Volkslieder: „Plätschernder Bach“ und eine traditionelle Weise einer ethnischen Minderheit. Durch das intensive Üben waren die „Nationalspieler“ angeschlagen: „Ihre Stimme war kaputt, meine Hände waren kaputt, der Rücken schmerzte - aber es lohnte sich. Und abends gingen wir zur Belohnung Schwimmen.“

„Dann begann der lustige Teil“

Deutschland war Titelverteidiger, schaffte es diesmal aber nicht unter die 17 Besten: „Das war aber überhaupt nicht schlimm, denn danach begann der lustige Teil!“ Befreit vom Wettkampfstress, schlichen sich die Deutschen einfach davon, entgingen der aus Sicherheitsgründen von den Behörden angeordneten „Kasernierung“. Was für ein Zufall: „Unser Lehrer Yungang Zhang stammt aus Kunming, zeigte uns seine Heimat. Wir machten Sightseeing, trafen uns mit interessanten und sehr gastfreundlichen Leuten, abends gingen wir raus, speisten leckere Spezialitäten, schauten lange Filmnächte, es war einfach toll!“
Das Finale wurde live im Fernsehen übertragen, aus einem riesigen Studio. Die Zuschauertribünen waren bis zum geht nicht mehr gefüllt, die USA, Thailand und Russland kämpften um den Titel. Unter den Augen einer gestrengen Jury „wie bei DSDS“ setzte sich letztlich Thailand durch. Es folgte eine Riesenparty, die Nacht wurde durchgemacht, alle feierten wie die Wilden und stellten fest: „Die Chinesen können zwar keine Milch und kein Bier vertragen, aber in rauen Mengen Schnaps trinken!“

Jetlag

Nach tränenreichem Abschied flog Patrick 27 Stunden lang heim, landete morgens um sechs und saß pünktlich um 8 Uhr in der Schule: „Der Physiklehrer hat mich dann aber heimgeschickt.“ Mit Jetlag und erkältet, aber glücklich, lag der 18-Jährige anschließend im Bett: „Das war eine Supererfahrung. Eine Geschichte, die ich niemals vergessen werde!“
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