Tiefe Bindungen

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Internationale Musik mit Bandleader Rechungpa, Ustad Hanif Khan an den Tablas und Afshin Ghavami mit seiner Flamenco-Gitarre. Foto: Bangert
 
„Werden hilft“-Vorsitzende Ulla Lötzer bringt das Tablett mit den geschnittenen Melonen. Foto: Bangert

Das Sommerfest im Flüchtlingsdorf Am Volkswald begeisterte mit Musik, leckerem Essen, Zaubertricks, Sport und purer Lebensfreude


Im Zeltdorf Am Volkswald brummte es. Betreiber European Homecare und Verein „Werden Hilft“ hatten gemeinsam zum Sommerfest eingeladen. Es wurde ein richtig fröhlicher Abend, mit toller Musik, leckerem Essen, guten Gesprächen, sportlichem Ehrgeiz und jeder Menge Spaß.

Ulla Lötzer ist neue Vorsitzende von „Werden hilft“, folgte auf Andreas Brinck und Stefan Dormann. Beide müssen inzwischen aus beruflichen Gründen kürzer treten, Lötzer wurde als Nachfolgerin gewählt: „Der Verein wurde ja eigentlich für die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Fischlaken gegründet, da war vom Volkswald noch gar keine Rede. Hier sind wir direkt in die Praxis geschubst worden. Es war in großen Zügen eine tolle Zeit, wir haben viele nette Menschen kennengelernt. Nun wollen wir hier ein letztes Mal gemeinsam feiern und viel Spaß haben. Ich danke EHC für die Zusammenarbeit, ich danke Mohamed und seinen Mitarbeitern, wir haben immer Unterstützung für unsere Arbeit bekommen.
Hier sind wunderbare Freundschaften entstanden, auch mit den Familien, die zunächst hier untergebracht waren. Doch auch die jungen Männer sind uns ans Herz gewachsen. Wir freuen uns, dass die Zelte bald abgebaut werden, damit sie in bessere Unterkünfte kommen mit höheren Standards und deutlich mehr Privatsphäre.“

Faszinierte Zuhörer

Der gebürtige Tunesier Mohamed Fakraoui ist Einrichtungsleiter von EHC, begrüßte auch auf Arabisch und machte keinen Hehl aus seiner Begeisterung über die Verhältnisse in Heidhausen: „Unsere Notunterkunft ist ausgelegt für 196 Personen, im Schnitt war sie mit 160 belegt. Wir hatten aber bis zu 350 Ehrenamtliche hier, die geholfen haben. So etwas habe ich in den anderen Unterkünften nicht einmal annähernd erlebt. Die Zusammenarbeit von EHC und Ehrenamtlichen ist sehr gut, ich bin stolz, hier arbeiten zu dürfen.“
Das Konzert von „The Positive Creative World Ensemble“ sorgte für erstaunliche Vielfalt. Beginnend mit jazzigen Klängen, bot die interkulturelle Gruppe um Bandleader Rechungpa eine große Bandbreite internationaler Musik: Dinesh Mischra entlockte seinen indischen Flöten hauchzarte Töne, Afshin Ghavami zauberte mit der Flamenco-Gitarre, Jim Galakti gab alles auf der Trompete, dazu der wummernde Bass von Jens Pollheide. Besonders fasziniert waren die Zuhörer vom Klang der Tablas, die von Ustad Hanif Khan aus Rajastan heftig geschlagen und zärtlich gestreichelt wurden.

Zaubertricks

Die Attraktionen gaben sich die Hand, als Zauberkünstler Nici auftrat, der verblüffende Seiltrick funktionierende erst, als eine junge Frau kurz das Ende berührte: „Herzlichen Applaus für meine reizende Assistentin!“ Auch Clownerien hatte Nici im Programm, er ist Angestellter beim EHC, beeindruckte mit geschickter Jonglage. Die Gäste ließen es sich an den festlich geschmückten langen Tischen schmecken, in rege Diskussionen vertieft. Durch Patenschaften sind hier tiefe Bindungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen entstanden. Alfred Höltgen und Uli Tonder luden zu Torschuss, Dribbelslalom und Zielwerfen auf den Basketballkorb. Umrahmt wurde das sportliche Geschehen von Dame mit seiner Gitarre, der Mazedonier spielte mit Schwung und wohltönender Stimme bekannte Hits. Natürlich wurde hinterher im Zelt noch getanzt.

Ein neues Leben

Ulla Lötzer war begeistert von der friedlich-fröhlichen Atmosphäre des Festes: „Ich möchte mich bei den Flüchtlingen bedanken. Alle haben einen schweren Weg hinter sich gebracht, um hier ein neues Leben zu beginnen. Wir haben nicht alle Hürden beseitigen können, es gab auch Enttäuschungen. Aber ich wünsche ihnen einen erfolgreichen Start in ein friedliches Leben hier in Deutschland!“ Auch appellierte Lötzer an die Werdener, sich einzubringen: „Ohne Ehrenamtliche geht es nicht, wir brauchen noch mehr helfende Hände. Die Flüchtlinge möchten einfach nur in Frieden leben. Man muss diesen Menschen doch helfen.“

Werden hilft

Der Verein „Werden hilft“ ist eine überparteiliche und überkonfessionelle Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, die sich für Flüchtlinge einsetzt. Er wird von Ulla Lötzer und Jochen Müller geführt, mit im Vorstand sitzen Nora Freier, Heidi Trappmann-Klönne, Doris Wattad, Peter Bruckmann und Christos Dimkos. In Arbeitskreisen wie Integration, Kommunikation, Netzwerk/Spenden, Sprache oder Kleiderkammer wird die inhaltliche Arbeit geleistet. Ullrich Indersmitten kümmert sich um die Homepage, sammelt auf „werdenhilft.de“ Infos und Neues rund um die Flüchtlingshilfe.
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