Klartext eines Markthändlers

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Wolfgang Dotten - immer mit Herzblut, Leidenschaft seit 60 Jahren auf dem Markt - spricht seine ernsten Gedanken offen aus... Foto: Gohl
Der Unterschied bei städtischen und privaten Märkten – Wochenmärkte früher – heute!

Wolfgang Dotten ist Markt-Urgestein. Bekannt wie ein bunter Hund. Der 70-jährige Kartoffelhändler kennt Markt aus dem Effeff. „60 Jahre, seit meiner Kindheit. 44 Jahre bin ich selbständig; 15 Jahre Obmann auf dem Frohnhauser Markt.“ Er ist mit allen Wettern „gewaschen“. Spricht nicht „vernebelt“ sondern Klartext mit dem West Anzeiger.

Gibt es einen Unterschied zwischen Markt früher und heute?
Wolfgang Dotten: „Absolut. Früher war er leichter, heute ist er schwerer geworden durch starke Konkurrenz der Supermärkte.“

Das Publikum – früher und heute?
„Früher blieben die meisten Frauen Zuhause bei den Kindern. Heute gehen viele Frauen arbeiten; Kinder besuchen Horte.“

Die Ware – früher und heute?
„Die heutige ist besser, weil sie ganz anders sortiert wird.“

War die Zahl der Marktstände früher noch höher?
„Total. Vor 40 Jahren war sie bedeutend höher an allen drei Markttagen als heute. Das Marktsortiment ist größten Teils geblieben.“

Der Marktkampf wird heutzutage schwieriger. Steht im Stadt-Focus. Was ärgert Sie?
„Das Aussagen und Vorschläge gemacht werden, die gar nicht erfüllbar sind.“

Beispiele?
„Hochgelobt werden in letzter Zeit Feierabend-Märkte. Die aber alle zeitlich begrenzt sind – auf den Sommer. Oder Märkte, die von Privatleuten finanziert werden – „verschönt“ mit Musik, Hüpfburg und kleineren Events; ebenfalls alle zeitlich begrenzt. Der 104-jährige Frohnhauser Markt ist städtisch, heißt, wir – alle meine Berufskollegen – wissen, dass wir nur durch stets gute Bedienung Stammkunden behalten können. Und das bei Wind und Wetter, Hitze, Kälte, Sturm. Man kann einen Drei-Tage-Markt nicht mit anderen Märkten vergleichen, die lediglich einmal wöchentlich stattfinden.“

Gibt es außer Frohnhausen noch einen Dreitagemarkt?
„In Steele. Drei Markttage in der heutigen Zeit sind Schwerstarbeit.“

Flanieren mit Flair auf Märkten in anderen Städten – keine Vorbilder?
„Das wurde alles in Frohnhausen bereits praktiziert mit Händlern, die u. a. Kerzendrehen, Kunstschmiede zeigen, Marmeladen-, Honig verkaufen. Doch auf einem großen Wochenmarkt, der dreimal öffnet, halten sich diese Anbieter alle nicht lange. Gucken ist schön, doch davon kann auf Dauer keiner leben. Die Händler kommen auf keinen grünen Zweig. Der Ast bricht spätestens nach einem Monat ab…“
Motto: Gell, Geiz ist geil!
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1 Kommentar
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 16.10.2016 | 22:41  
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