Windstärke mit ungeahntem Ausmaß

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"Ein Wind kommt selten allein" - tja, wie weckt Allround-Talent Matthias Rietschel, studierter Cellist, Theologe und freischaffender Pädagoge des Folkwang Kammerorchesters die Begeisterung der Kinder Postreitweg...Fotos: Debus-Gohl
 
Was machen die denn da? Konzert vorbei - dann Amen? Nö, jetzt bringt Matthias Rietschel, freischafender Pädagoge des Folkwang-Kammerorchesters, Fünf-Jährigen Fans das Spielen der Instrumente ganz liebevoll nahe...
Beifallsturm fegte durch Kirche...

Der Wetterbericht vergaß die plötzliche „Windstärke“ tatsächlich zu erwähnen! Doch die Flüsterpropaganda kursierte schon wochenlang. Insider ahnten, Eltern hofften auf starken Sturm. Und tatsächlich: 30 Kinder sorgten Samstagnachmittag für mächtig viel Wirbel. Im Unschuldsalter von fünf Jahren! Sie brachten die „andächtige Ruhe“ der Apostelkirche mächtig durcheinander…

Gemach! Die Einladung säuselt knapp „Ein Wind kommt selten allein“. Was steckt dahinter? Menschen. Das Folkwang Kammerorchester Essen, mit Matthias Rietschel. Apropos Rietschel: Der studierte Cellist, Sozialpädagoge und Theologe "servierte" mit 30 KiTa-Kindern am Postreitweg ein Konzert, das vor Originalität, Ideenvielfalt, Großartigkeit berauschte! Nicht zum ersten Mal!

Rietschel ist ein Genie! Und Martina Sonnenberg, Leiterin KiTa Postreitweg, ist ihm quasi „verfallen“. „Die Zusammenarbeit mit ihm ist herrlich.“ Die Lütten der Ev. Kindertagesstätte & Familienzentrum Postreitweg des Diakoniewerks Essen sind mit dem Kulturbüro ein eingeschworenes Team. Die Stadt Essen sponsert das Konzert. Ja, ohne Moos nix los.

Die Kinder probten einen Monat in der Kita, dann mit dem Quartett Folkwang und einer Generalprobe. „Der gemeinsame Einsatz mehrerer Instrumente, von Stimmen, das Singen macht Spaß, glücklich. Der Sinn, das Hören, wird angesprochen – und das im ganzen Körper“, strahlt Sonnenberg.

Wie schafft Rietschel die Magie? „Kinder brauchen eine Geschichte. Wind ist etwas, womit jedes Kind Erfahrung hat. Die Musiker ziehen die Kleinen bei dem Stück mit hinein. Wichtig finde ich, dass Kinder von klein an Erfahrung machen mit dem Wissen, mit professionellen Musiken zu arbeiten. Mit Profis, keinen Studenten, mit einem einmalig einzigartigen Institut, das wir in Essen haben. Im Zusammenspiel mit den Profis lernen Fünf-, Sechs-Jährige live Musik; Unterschied zwischen live und Konserve. Wir wollen das Projekt unbedingt weitermachen. Unser großer Förderer ist das Kulturbüro.“

Rietschel steht vor den Kindern. Er hält die Hand am Ohr. „Ich höre keinen Wind! Ich sehe keinen Wind. Ihr müsst leise sein.“ Stille. „Mich friertst. Meine Zehen ziehen sich zusammen. Meine Haare stehen hoch. Ich höre einen kalten Wind.“ Julia Sarang Kim mit der Violine streicht den hellenTon.

„Irgendwie brauchen wir noch einen Wind, der etwas Stimmung macht.“ Dafür sorgen Beril Sun, Violine; Zsuzsanne Liptak-PikóViola sowie Daniel Acebes Pardo, Violoncello schaffen das einladend mit tiefen, dunklen Tönen. Kalte, warme, heiße Winde – bis zum Sturm, Orkan.

Rietschel zittert. „Ich habe Gänsehaut.“ Das Quartett gibt Gas. Die Töne schwellen wuchtig an aus dem Quartett Nr. 8 von Dmitri Schostakowitsch.
„In jeder Kirche gibt es Mäuse. Mäuse machen immer Geräusche…“ Doch der Ton der Geige befriedigt ihn nicht. „Klingt wie eine Ratte!“ Ludwig van Beethoven aus Streichquartett Nr. 10, sorgt für die perfekten Töne. Schnell, temporeich, erfrischend reißerisch.

Kalt? Rietschel reibt sich die Hände. Die Kinder auch. „Der Wind hat seine Tücken.“ Thomas Bracht heizt an mit „Der Wind, der Wind saust geschwind“ mit höchsten, tiefsten Tönen.

Haste Töne! Der Wind Rap mit dem Lied „Hejo, spann den Wagen an“ bringt allen das Blut in Wallung. Die Kleinen haben Lust auf mehr. Mit Zeitungsfetzen spielen sie die „Blättersonate“. Schaffen mit Gesang für stürmischen Orkan-Beifall des Publikums.


Stimmen
Jomma und Mia, 6:
„Wir freuen uns, dass Mama, Papa, Oma, Opa, Freundin, Schwestern, Nachbarn uns beim Singen gehört haben. Der Applaus war schön.
Ulrike Vatter, Kulturbüro Stadt Essen: „Ich wünsche mit, dass wir damit das zarte Pflänzchen Kultur im Essener Westen mit solcher Veranstaltungen nachhaltig verstärken.“

Jutta Pentoch, Ratsfrau: „Ich wünsche mir für Frohnhausen mehr dieser tollen Projekte, denn die Musik und Kunst Kindern näher zu bringen, ist so wichtig und pädagogische Arbeit in der Erziehung. Ich bin von der tollen Aufführung begeistert.“

Klaus Persch, Bezirksbürgermeister: „Wie leicht spielerisch man Kinder und Erwachsene doch für Musik begeistern kann. Ein Projekt, was unserer aller Unterstützung bedarf.“
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2 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 07.03.2017 | 10:45  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 07.03.2017 | 12:30  
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