"Wir standen am Todesabgrund"

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Der stille Killer...Eine Frohnhauser Mutter und ihre zwei Kinder erlebten Höllenangst...Fotos: Schattberg
 
Kohlenmonoxid-Vergiftung: Wie konnte das nur geschehen? Manuele Jagelki ist gezeichnet von der Todesangst; auch um das Leben ihrer Herzenskinder. Foto: Schattberg
Der unsichtbare Killer! Mutter und ihre Kinder schwebten in Todesgefahr!

Manuela Jagelki steht pure Angst in den Augen. Das Gesicht ist aschfahl. Ihr Blick läuft in die Weite. Das Horror-Szenario vor Augen: Der Rettungswagen zischt mit Martinshorn in die Düsseldorfer Klinik - mit ihren Herzenskindern und ihr. Immer wieder reißt sie mühsam die Augen auf. Nicht einschlafen!! Lieber Gott, lass uns nicht sterben…! Es geht um Minuten…Was sie in hastigen Sätzen erzählt, heißt: Zweites Leben.

Die 45-Jährige lebt! Dem Himmel sei Dank – und ihre zwei Kinder, 13 und 14. Die schlanke Manuela Jagelki weist wie abwesend auf den Ofen. Nagelneu! Glänzt. Strahlt. „Der alte Kachelofen hatte ausgedient. Am 1. Februar wurde der ausgebaut; ein neuer eingebaut. Alles lief über den Vermieter, eine Fachfirma wurde beauftragte….

Die Frohnhauserin rückblickend: „Die Firma sagte, dass der Ofen Probelaufen muss – heißt, wenn er runter gebrannt ist, mehr Kohlen drauflegen oder Holz. Es gibt mehrere Möglichkeiten.“

Mittwochabend. „Der Bedienungszettel erklärt, wie die Regler eingestellt werden. Bevor wir schlafen gingen, legte ich noch zwei Briketts rein, stellte ihn ein, wie vorgeschrieben. Auch sagte der Ofenbauer, dass die Farbe vom Ofenrohr sich erst einbrennen muss. Dass ich lüften muss, um die Ausgasung der Schutzfarbe zu ermöglichen. Also, den Heizkamineinsatz drei Stunden mit Höchstleistung betreiben soll.“ Alles befolgt. „Dann öffnete ich die Fenster weit, damit der Qualm schnell aus der Wohnung zieht.“

Sicher ist sicher. „Um 22 Uhr lüftete ich wiederum einmal quer die Wohnung. Die Kinder schliefen. Ich ging ins Bett.“

3 Uhr: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl. Liegt es an den Ausdünstungen des Ofens? Die Mutter steht auf. Lüftet wiederholt die Wohnung, öffnet weit Fenster, Türen. Bei Minusgraden außen schloss sie danach die Fenster…

„Gott sei Dank stand ich um 6.30 Uhr auf. Die Kinder mussten zur Schule. Noch immer Kopfschmerzen, Schwindel. Ich weckte meine Tochter, die über Kopfweh klagte. Den Grund dazu vermutete ich bei einer Erkältung, die sie zwei Tage vorher quälte. Jasmin ging aber zur Schule.“

Sohnemann Dominik wurde geweckt, er ging ins Badezimmer. „Als ich aus dem Wohnzimmer kam, sah ich, wie er wankte. Ich konnte ihn noch soeben auffangen, bevor er auf den Boden fiel. Ohnmächtig. Nicht ansprechbar. Geschüttelt. Er wurde wach, kalkweiß. Panik!“

Anruf 110! Der Notarzt kam nach fünf Minuten. Als der Rettungssanitäter an unserer Eingangstür stand, schlug sein CO-Warner Alarm. „Raus!“ Alle Fenster wurden aufgerissen. Bereits im Krankenwagen wurden Manuela und Sohn Dominik Sauerstoff zugeführt. Tochter Jasmin aus der Schule mit dem Rettungswagen geholt. Die Drei ins Elisabeth-Krankenhaus eingeliefert - mit megahohen CO-Werten im Blut. Höchste Alarmstufe! Sofort nach Düsseldorf in die Druckkammer: Zwei Mal, je zwei Stunden. Alle …

„Eine halbe Stunde später, wir hätten nicht mehr gelebt. Wir hatten wahnsinniges Glück. Drei Schutzengel!“ Ja, das giftige Kohlenmonoxid ist ein unsichtbarer Killer. Es riecht nicht, man sieht es nicht, schläft ein, wacht nie mehr auf…

In der Wohnung, jetzt CO-frei, wurden vom Vermieter sofort CO Warngeräte in jeden Raum installiert. Nicht zu verwechseln mit Rauchmeldern, die ebenfalls lebensrettend sind.

Die Ursache der Vergiftung ist ungeklärt…Der neue Ofen bleibt kalt. Bis zur endgültigen Feststellung schlafen die drei ins Leben zurückgeholten „Glückskinder“ bei lieben Bekannten.
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8 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 10.02.2017 | 13:36  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 10.02.2017 | 13:37  
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Luzie Schröter aus Fröndenberg/Ruhr | 10.02.2017 | 13:47  
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Ingrid Schattberg aus Essen-West | 10.02.2017 | 13:49  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 10.02.2017 | 13:56  
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Annegret Freiberger aus Menden (Sauerland) | 10.02.2017 | 18:01  
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Hanni Borzel aus Arnsberg | 10.02.2017 | 18:30  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 10.02.2017 | 19:49  
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