Wenn der Fußabstreifer twistet

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„Ich bin stark“, sagt Rasul. „Und wir sind fröhlich“, stimmen Sama, Ginan, Jukta und Mona ein.
 
Die Schauspielerin Margot Müller zeigt den Wiehagen-Schülern schon seit acht Jahren, wie Theaterspielen geht.
Schüler der GGS Wiehagen proben ihre „Kleine Gedichteshow“ für die Schülertheatertage

Wer kennt das nicht: Da wartet man an der Haltestelle auf den Bus und der kommt einfach nicht. Der Autor Erwin Grosche schrieb dazu ein Gedicht und 42 Kinder der Wiehagenschule probten in ihrer Generalprobe am Consol-Theater die Wut. Die „Kleine Gedichteshow“ ist ihr Beitrag zu den Gelsenkirchener Schultheatertagen.

Neustadt. Die Bühne ist noch ohne Bühnenbild. Doch die kleinen Theatereleven der Wiehagen-Schule haben schon ihre Kostüme übergestreift, und so gibt es doch einige neongrüne, orangene, rosa und Kinderkleidung-bunte Farbtupfer zwischen den schwarzen Vorhängen. Besonders die Mädchen mit ihren Riesenschleifen fallen ins Auge. Sama, Ginan, Jukta und Mona sind die Lalas und stehen bereit, den fröhlichen Ratten-Matten-Twist zu tanzen. Alle sind ausgelassen, fröhlich und neugierig. Schließlich spielt sich Schule nicht jedem Tag in einem „richtigen Theater“ ab.

Theater fördert die Sprache

Mindestens genauso aufgeregt wie die Schüler sind die beiden Lehrerinnen und die Mütter, die die Rasselbande versuchen, in Schach zu halten. Ganz ruhig dagegen scheint Margot Müller, die diese Theaterwerkstatt leitet.
Die Schauspielerin ist bereits seit acht Jahren mit der Wiehagen-Schule verbunden. Theaterspielen fördert die Sprache, und Sprachförderung ist an einer Schule wie die GGS Wiehagen besonders wichtig.
„Ich habe auch Schüler in der Gruppe, die noch nicht lesen können“, berichtet Margot Müller. „Aber das ist gar kein Problem.“ Die Kinder würden sehr stark vom Vorbild lernen. Das Vorbild ist in diesem Fall die Schauspielerin, die ihnen die Szenen vorspielt oder die Gedichte rezitiert. Das sei aber lediglich eine Orientierung, wie man die Texte interpretieren kann. „Ich lebe die Theaterregeln vor“, erklärt Margot Müller, „und die Kinder machen dann schnell etwas Eigenes daraus“. Das sei für sie sehr faszinierend.

Erlebnis Schultheatertage auf Consol

Die kleinen Schauspieler proben für die Theatertage erst seit dem 8. Januar. Denn das Angebot, sich für die Schultheatertage zu bewerben, kam sehr überraschend. Umso erfreulicher auch für für Schulleiterin Martina Sundheim, dass die Schule den Zuschlag bekam und die Kinder gegen alle Vorurteile, mit denen eine Schule mit internationalen Förderklassen nun einmal konfrontiert ist, zeigen können, was in ihnen steckt.
Und das zeigen Sameth und Leon, Lukas Resul und Nicki und ihre Schulkameraden ohne Angst und mit viel Spaß und sichtlich mit sich zufrieden. Nur die Erwachsenen haben immer noch das eine oder andere zu bekritteln und deshalb wird die Ratten-Matten-Twist-Szene zur Sicherheit noch einmal geprobt. Auch wenn es zu den Schultheatertagen, anders als in den Vorjahren, keinen Preis gibt und der Druck, der Beste zu sein, damit von den Kindern genommen wird, schürt die Aussicht auf einen öffentlichen Auftritt den Ehrgeiz der Kinder (und möglicherweise noch ein bisschen mehr den der Erwachsenen...)

Sie sollen zeigen, was sie können

„Mir ist wichtig, dass die Kinder so gut sind, dass sie vor anderen Schülern spielen können“, sagt Margot Müller und zeigt auf ihre Zöglinge: „Schauen Sie, was sie sich trauen! Die Schüler können stolz auf sich sein.“
Was Margot Müller am Projekt überrascht? „Dass die Kinder vom Theaterspiel so begeistert sind. Es ist verblüffend, wie schnell sie die Grosche-Texte und Texte von Margot Müller selbst zu ihren eigenen gemacht haben. „Dabei haben wir den Zugang über Klänge und traditionelle Lieder gefunden.“ Genauso bringen die Kinder eigene Ideen für ihre Kostüme und für das Bühnenbild mit ein.
Die SchülerInnen merken natürlich, dass ihre Anleiterin mit dem Interview beschäftigt ist und nutzen die Gelegenheit – Kinder eben – für ein bisschen Bewegung. Sie laufen auf der Bühne durcheinander und zwischen den Sitzen entlang. Für Margot Müller kein Problem. Sie nutzt das Herumgewusele zwischen den Zuschauerrängen, um es in eine Anweisung umzuwandeln: „Ja. Schaut euch ruhig an, wie weit weg die Bühne ist. Es macht immer Sinn, Dinge auch aus einer anderen Perspektive zu betrachten.“
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