Akwaaba - Katja geht nach Ghana

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  Europäer haben Uhren, Afrikaner haben Zeit

Was ich als Erstes gelernt habe, ist, dass in Ghana Zeit keine Rolle spielt und dass Pläne selten bis nie eingehalten werden. Gemütlichkeit und viel freie Zeit sind hier typisch – und zwar in jeder Lebenslage. Für die Tro-Tros (Kleinbusse) gibt es zwar Haltestellen, aber keine Fahrpläne. Geduld ist hier lernbar.

Zehn Wochen sind bis jetzt vergangen und jeder Tag ist sein ganz eigenes Abenteuer. Man trifft täglich hunderte von Menschen auf Accras Straßen und sieht Dinge, die man weder mit Worten ausreichend beschreiben, noch auf Fotos richtig festhalten kann. Wer hier nicht absolut offen für Neues und Unerwartetes ist, hat schon verloren, bevor es richtig los geht...

Ich fühle mich pudelwohl hier.

Ich arbeite im Compassion Rehab Center in Achimota, einer ausschließlich durch Spenden finanzierten Einrichtung für Drogensüchtige. Ich liebe es, mit den Männern und Frauen zu reden, ihnen zuzuhören, herum zu albern, zu kochen und Fußball zu spielen. Es gibt allerdings auch bewegende und schockierende Momente: In den täglichen Bible Studies kommen oftmals Geschichten und Gefühle zum Vorschein, die man so nicht erwartet hätte. Und zwei Mal in der Woche fahren wir ins Ghetto, auf der Suche nach Menschen, die bereit sind ihr altes Leben aufzugeben und ihre Sucht zu bekämpfen. Die Zustände dort sind oftmals katastrophal und viele der Menschen haben ALLES verloren – einschließlich ihrer Hoffnung. Das ist nicht immer leicht mit anzusehen...

Dafür ist die Freizeit in Ghana umso lustiger: Ob man in Kaneshie Stoffe kauft oder auf einem kleinen Markt Geschenke für die Liebsten – die Menschen schaffen es, einem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und jede Minute zu genießen. Die Strände sind unheimlich schön und die Wellen riesig. Am Wochenende kann man sehr gut feiern, das Essen schmeckt trotz – oder vielleicht gerade wegen der Schärfe unheimlich gut und langweilig wird es hier garantiert nie.

Hier lernt man, das Leben mit kleinen Dingen zu genießen und schnell schätzt man, was man zu Hause als selbstverständlich angesehen hat: Zum Beispiel eine Dusche, denn in der Gastfamilie heißt es täglich Eimer schleppen! Auch der tägliche Stromausfall ist inzwischen Selbstverständlichkeit. Mama Sofia, meine Gastmutter, ihr Mann, vier Enkelkinder, zwei Hausmädchen und drei deutsche Gastschwestern füllen das große Haus aus, es ist also immer was los.

Umso mehr freue ich mich auf den nächsten Ausflug: Busua Beach – vier Tage surfen, entspannen und frisch gepressten Saft trinken, bevor es dann wieder an die Arbeit geht und „der Alltag“ (wenn man das eher planlose Leben hier so nennen kann) von Neuem beginnt.

Was ich jetzt schon sagen kann: Ghana raubt mir fast täglich den Atem. Was ich hier sehe, ist so großartig und bewegend, so spannend und verrückt, dass ich mich sehr auf die nächsten acht Wochen freue und mir jetzt schon nicht mehr vorstellen kann, wie es sein wird, wieder nach Hause zu kommen...

Aus dem sonnigen Accra schicke ich ganz, ganz viele liebe Grüße in die Heimat!
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