Frühschicht im Hafen | Unterwegs mit der Diesellok von Gelsen-Log

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Lok Zwei der Gelsen-Log zieht Kesselwagen mit Benzin aus dem Güterbahnhof Bismarck. Foto: Wolf
 
Der Güterzug in voller Fahrt. Foto: Wolf
Das Unternehmen Gelsen-Log betreibt den schienengebundenen Gütertransport innerhalb des Stadthafens in zwei Schichten. Die Frühschicht wurde vom Stadtspiegel begleitet.

von Marco Wolf

GE. Montag, 4 Uhr morgens. Es ist stockfinster und die Straßen sind erfreulich frei. Noch ist die Stadt nicht erwacht. Auch der Hafen ruht, als ich meine beiden heutigen Kollegen, die Lokführer Kai Grewe und Uwe Boyarzyn an der Geschäftstelle von Gelsen-Log, der Gelsenkirchener Logistik-, Hafen- und Servicegesellschaft, an der Straße "Am Stadthafen" treffe.
Wir begrüßen den Disponenten im ersten Obergeschoss und gehen zur Lok, einer DHG 700 C aus den Henschel-Werken in Kassel, Baujahr 1987, die Grewe bereits überprüft und aus dem Schuppen gefahren hat.
Der erste Auftrag folgt direkt. Mehrere Kesselwagen müssen im BP-Tanklager mit Treibstoff befüllt werden. Die Gefahrguttransporte werden dabei nach der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) durchgeführt.
Die Lok setzt sich in Bewegung, wir fahren mit rund 20 Sachen zu den leeren Güterwagen. Boyarzyn steigt aus und weist Grewe ein. Er ist heute Lokrangierführer, darf morgen die Lok fahren. Dann übernimmt Grewe die Rangierarbeiten. Jeden Tag im Wechsel, um personellem Verschleiß vorzubeugen.
Wir nähern uns den Kesselwagen, immer langsamer wird die Lok. Dann ein kurzer Ruck, Boyarzyn verbindet die Bremsleitung der Kesselwagen mit der Lok und die Fahrt zum Tanklager beginnt.
Am Bahnübergang, den wir kreuzen müssen, ist keine Absicherung durch Schranken vorhanden. Lediglich Andreaskreuze und Blinkleuchten warnen vor dem tonnenschweren Gefährt, das anrollt. Grewe gibt einen kurzen Warnton ab. Das ist Pflicht, wie eine Pfeiftafel mit einem großen „P“ angibt. Denn auch wenn es noch ruhig im Hafen ist, lassen sich nicht alle Stellen einsehen.
Boyarzyn gibt über Funk weitere Anweisungen: „Zwo, sechs Längen, zwo, drei Längen, zwo, eine Länge, zwo Achtung!, Halt!“. Die Zwei steht hierbei für die Loknummer, die Längen für den Weg, den Grewe noch fahren muss. Dieser wird in Kesselwagen-Längen gemessen.
Die Weiche wird umgestellt, umgekehrt geht es weiter in das Tanklager. Auch hier folgen wieder Funkanweisungen, bis die Wagen alle passend unter der Befüllstation stehen.
Die Lok wird von den Wagen getrennt und wir verlassen das Tanklager in Richtung Hafenimbiss. Mittlerweile ist es 5 Uhr. Eine kurze Abmeldung über Funk und die beiden Kollegen kaufen sich einen kleinen Kaffee und holen ihr Frühstück ab. Nach rund fünf Minuten geht es weiter, der Disponent hat bereits einen neuen Auftrag.
Es soll zum Güterbahnhof Bismarck gehen. Dort stehen Kesselwagen mit Benzin, die in den Hafen gebracht werden müssen. Den Transport zwischen Bismarck und dem Hafen führt die Gelsen-Log erst seit zwei Jahren durch. Um das Hafengelände mit der Lok zum Bahnhof verlassen zu dürfen, ist ebenfalls eine weitere Zusatzausbildung nötig, da es sich nicht mehr um das Betriebsgelände handelt.
Am Ausgang des Hafens in Richtung Bismarck müssen wir kurz warten, ein „Pz“, Personenzug, hat Vorrang. Dann erlaubt das Signal die Weiterfahrt, wir fahren los, überqueren die Uechtingstraße und treffen im Bahnhof ein. Langsam geht die Sonne auf und die sich füllende Autobahn neben den Gleisen zeugt vom Beginn des Tages.
Auch hier kuppeln wir wieder die Wagen an und verlassen nach etwas längerer Wartezeit für vorbeifahrende Züge der Deutschen Bahn den Bahnhof mit Kurs Stadthafen.
Das Unternehmen Gelsen-Log beschäftigt 13 Mitarbeiter im Hafen, davon 10 Lokführer und Lokrangierführer. Zudem sind alle Mitarbeiter im Eisenbahnbetriebsdienst einsetzbar. Die Frühschicht arbeitet von 4 Uhr bis 12.30 Uhr, die Spätschicht von 12.30 bis 21 Uhr. Auch eine 6-Uhr-Schicht transportiert die verschiedenen Güter im Hafen.
Als wir zurückkommen, ist Bewegung in den Hafen gekommen. Schwere Lastkraftwagen transportieren Güter, höchste Aufmerksamkeit ist an allen Überwegen gefragt. Die restliche Schicht über arbeiten die Kollegen dauerhaft weitere Aufträge ab. So werden auch rote Kesselwagen, mit Benzol befüllt, im Stadthafen transportiert.
Erst gegen 11.30 Uhr ist ein kurzer Auftrags-Stopp zu verzeichnen. Die Lok kehrt zum Lokschuppen zurück und wird gegen Lok Nummer Drei getauscht, weil der Tank nur noch 800 Liter Diesel enthält. „Der Treibstoff, den wir jetzt bestellen, ist erst in drei Tagen hier. Von daher lohnt es sich eher, die Spätschicht jetzt mit der anderen Lok weiterfahren zu lassen, damit dann beide Loks direkt vollgetankt werden können“, sagt Frank Ogrzall, Eisenbahnbetriebsleiter bei Gelsen-Log.
Dafür ist nun die große Inspektion an Lok Zwei angesagt. Sämtliche Öle, darunter 150 Liter Motoröl und 90 Liter Getriebeöl, werden abgelassen, erneuert, und die gesamte Technik wird überprüft. Diese Inspektion findet circa einmal im Jahr statt und wird von den Mitarbeitern selbst durchgeführt.
Mittlerweile ist es 12.30 Uhr und die Schicht vorbei. Ich verabschiede mich von den Kollegen und trete den Heimweg an, während die neue Besatzung bei strahlendem Sonnenschein zum nächsten Auftrag startet.
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