Hoffnung auf ein Leben in Frieden

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Im Lager wird fließig abgehakt, was benötigt wird, damit am Ende auch wieder genug nachbestellt wird, von den Kollegen der Beschaffung. Foto: Gerd Kaemper
 
Daniela Sandhöfer und Thomas Kirchmann - Zwei, die sich auch ohne viele Worte verstehen und ihre Freude an der Arbeit spüren lassen. Fotos: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Turnhalle Breddestraße |

An der Berichterstattung über die Flüchtlingswelle und die damit verbundene Problematik kommt man auch in Gelsenkirchen seit geraumer Zeit einfach nicht mehr vorbei. Spätestens seit im August die ersten Flüchtlinge in der ehemaligen Hauptschule an der Mehringstraße, die zur Erstaufnahmestelle des Landes NRW umfunktioniert wurde, angekommen sind, sind sie das Gesprächsthema.

In Gelsenkirchen funktioniert es, dann eines tollen Teams


In Gelsenkirchen ist die Stabsstelle Flüchtlinge des Referat Soziales der Stadt Gelsenkirchen zuständig, wenn es um die Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten, die Versorgung der Flüchtlinge und auch die Zuweisung von Wohnungen und deren Einrichtungen geht.

Daniela Sandhöfer und Thomas Kirchmann "die guten Seelen" der Breddehalle


Der Stadtspiegel traf stellvertretend für das ganze Team die Sozialamtsmitarbeiter Daniela Sandhöfer und Thomas Kirchmann. Das Duo betreut derzeit die Gelsenkirchener zugewiesenen Flüchtlinge in der Sporthalle Breddestraße, richtet Wohnungen ein und begleitet die ersten Schritte der „Neu-Gelsenkirchener“.
An der Breddestraße fährt Thomas Kirchmann mit dem Lkw vor und verkündet, dass er Helfer braucht, um Waren aus dem Lager am Nordring abzuholen und damit freie Projektwohnungen zu bestücken. Neun Männer bräuchte der Beamte, mehr als 20 laufen sofort zusammen und möchten gern zum Einsatz kommen.
Der Beamte weiß auch warum: „Die haben alle Bock was zu tun, damit sie mal aus dem Camp herauskommen. Einfach mal anpacken und was sinnvolles tun, das ist für sie eine große Abwechslung.“ Und weil immer was los ist, wenn Daniela Sandhöfer und Thomas Kirchmann in die Breddehalle kommen, werden sie von den dort untergebrachten Menschen mit strahlenden Gesichtern empfangen. „Das geht durch bis ins Herz“, freut sich Daniela Sandhöfer.

Von der Gemeinschaftsunterkunft in die Wohnung


„Wir richten heute neun Wohnungen ein, die mit 30 Personen belegt werden. Darum laden wir 30 Matratzen, Bettbezüge, Kissen und Klappstühle auf. Außerdem nehmen wir für jede Wohnung einen Herd, einen Kühlschrank und ein Waschmaschine mit. Jede Wohnung wird so mit einer Basisausstattung eingerichtet. Für die weiteren Anschaffungen gibt es Geld, damit sich die Familien Töpfe, Pfannen und mehr anschaffen können“, erklärt Kirchmann.
Und man merkt ihm dabei an, wie zufrieden ihn diese Arbeit macht. So erklärt er nicht ohne Stolz: „Wir richten am Montag noch mal sieben bis acht Wohnungen ein. Eine davon sogar für eine Großfamilie mit acht Personen.“

Mit einem guten Team im Hintergrund läuft es besser


Dabei ist Daniela Sandhöfer und Thomas Kirchmann klar, dass ihre Arbeit nur so gut funktionieren kann, weil die anderen Mitarbeiter im Team ebenfalls hervorragende Arbeit leisten. „Zwischendurch gab es keine Betten mehr. Aber unser Team in der Beschaffung hat auch hier alles beschafft. Und die sorgen auch für Gas-Wasser-Installateure und Elektriker, die die Anschlüsse in den Wohnungen in die Hand nehmen. Wären nicht alle in unserem Team so gut und mit so viel Herz und Einsatz dabei, dann würde es in Gelsenkirchen bei weitem nicht so gut laufen“, weiß der 48-Jährige, der sich auch nicht scheut nach einem zehn- bis elf Stunden-Tag noch privat Hilfsmittel zu sammeln.

Kleine Hilfen zur Selbsthilfe


„Wir konnten durch Spenden zum Beispiel Werkzeugkästen anschaffen. Die werden den Leuten immer für ein paar Tage zur Verfügung gestellt, wenn sie eine Wohnung beziehen, damit sie sich selbst helfen können“, freut sich Kirchmann, der täglich erlebt, wie sehr die Flüchtlinge darauf warten, endlich etwas tun zu können.
„Ich werde auch häufig gefragt, wo man was günstig kaufen kann und gebe dann meine Erfahrungen weiter“, lacht Daniela Sandhöfer, der der Stress in keinster Weise anzumerken ist. Die stets gute gelaunte Beamtin ist der Liebling in der Breddehalle, weil sei immer einen lockeren Spruch parat hat, wenn sie zum Beispiel die Menschen mit einem freundlichen „Hoppi Galoppi“ antreibt, ein wenig schneller zu sein.

Eine Wohnung bedeutet endlich wieder Privatsphäre nach Monaten auf der Flucht


„Für die Menschen ist es unglaublich wichtig, wenn sie durch eine Wohnung wieder Privatsphäre bekommen. Man darf nicht vergessen, dass sie eine lange Flucht hinter sich haben und dann auch hier in Deutschland meist mehrere Standorte durchlaufen haben, ehe sie einer Kommune zugewiesen werden. Man kann davon ausgehen, dass diese Menschen auch alle einen guten finanziellen Backround haben, sonst hätten sie die Flucht gar nicht bezahlen können. Darum muss man sich auch nicht wundern, wenn sie alle mit einem Smartphone ‚bewaffnet‘ sind. Ich sage immer, das Smartphone war für sie auf der Flucht wichtiger als ein Schweizer Messer, weil es ihnen Orientierung gab, Kontakt zu den zurückgelassenen Verwandten und den Schleusern und auch Hilfe bei Sprachproblemen“, erklärt Daniela Sandhöfer.

Und weil Hoppi Galoppi so lieb ist, gibt es Blumen


Auch die junge Beamtin ist in ihrer Freizeit aktiv für die Flüchtlinge im Einsatz und sammelt zum Beispiel Kleidung oder Ausstattungsartikel über facebook.
„Die Menschen tun einem Leid, das ist aber kein Mitleid, sondern Mitgefühl. Die Leute sind alle nett, aufgeschlossen und dankbar für jede Hilfe. Neulich kam sogar ein kleiner Bangladeschi aus der Westerholter Straße und schenkte mir ein paar Röschen“, strahlt die junge Frau und zeigt auch gleich das Erinnerungsfoto auf ihrem Handy.
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2 Kommentare
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Jürgen Hansen aus Gelsenkirchen | 05.11.2015 | 00:10  
silke sobotta aus Gelsenkirchen | 05.11.2015 | 10:07  
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