Ein Besuch in schwerer Zeit

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Im Ratsaal wurde die Delegation aus Büyükcekmece durch Oberbürgermeister Frank Baranowski empfangen. Foto: Gerd Kaemper
 
Natürlich tauschten die Stadtoberhäupter auch Geschenke aus. Während Dr. Hasan Akgün einen Druck von Prof. Werner Ruhnau mit dem Gelsenkirchener Blau in Anlehnung an die Kunstwerke von Yves Klein im Musiktheater im Revier erhielt, bekam Frank Baranowski eine handgefertigte Karaffe aus Kupfer als Gastgeschenk. Im Hintergrund ist Erkan Akyollu zu sehen, der als Dolmetscher fungierte. Foto: Dieter Grundmann
Gelsenkirchen: Hans Sachs Haus |

Fünf Tage lang war eine Delegation aus der türkischen Partnerstadt Büyükcekmece zu Gast in Gelsenkirchen. Keine Selbstverständlichkeit in der besonderen Zeit, die die Türkei gerade durchlebt.

Regelmäßiger Austausch zwischen Gelsenkirchen und Büyükcekmece


Der Besuch der Delegation aus Büyükcekmece stand schon lange vor dem Putschversuch, den die Türkei im Juli erleben musste, fest. Denn der Austausch zwischen den beiden Partnerstädten findet regelmäßig statt und in diesem Jahr stand der Besuch aus der Türkei an.
Entsprechend schwierig gestaltete sich auch die Vorbereitung des Besuches für den Förderverein der Städtepartnerschaft Gelsenkirchen-Büyükcekmece. So war nicht sicher, ob die Delegation überhaupt kommt, ob alle angemeldeten Teilnehmer auch wirklich in Gelsenkirchen eintreffen würden und natürlich auch, in welcher emotionalen Verfassung sie sich befinden werden.

Ende gut - alle gut


Doch wie geplant traf die 30-köpfige Delegation mit Bürgermeister Dr. Hasan Akgün, dem Vorsitzenden des Fördervereins der Städtepartnerschaft auf türkischer Seite Erkan Akyollu und einem der Väter der Städtepartnerschaft, Adem Cukur, ein. Beim Empfang durch Oberbürgermeister Frank Baranowski im Ratsaal im Hans-Sachs-Haus zeigte sich Dr. Hasan Akgün hoch erfreut über die Willkommenskultur, die der Delegation von Seiten der Stadtverwaltung und des Fördervereins entgegengebracht wurde.

Möglichst viele Eindrücke von der Partnerstadt in kurzer Zeit


Dabei hatte die Delegation ein straffes Programm, um in den fünf Tagen möglichst viel von Gelsenkirchen und der Umgebung kennen zu lernen. So standen neben den Begegnungen mit den Mitgliedern des hiesigen Fördervereins und dem Empfang durch den Oberbürgermeister auch ein Besuch im Schloss Horst mit einer Führung durch das Museum an, die Besichtigung des Nordsternturms mit einem Blick über die Stadt und das Ruhrgebiet, ein Stadtgang zu Projekten des Stadtumbaus und die Teilnahme an der Nacht des Pferdes auf der Trabrennbahn auf dem Programm.

Die Attraktion: Das Schloss Horst


Die Gäste aus Büyükcekmece zeigten sich beeindruckt vom Renaissance-Schloss in Horst und dem Museum, das das Leben und Arbeiten auf der Schlossbaustelle zeigt und hielten ihre Eindrücke in unzähligen Fotos fest. Dabei stammen sie aus einer Stadt, in der es viele Relikte aus vergangenen Zeiten gibt, wie die alte Karawanserei aus Zeiten, als die Seidenstraße noch existierte, ein altes Amphitheater und natürlich die Brücke, die sich auch im Stadtwappen wiederfindet.

Es hat sich etwas verändert im Miteinander der Kulturen


Beeindruckend ist aber für alle, wie leicht der Umgang der Gäste und Gastgeber miteinander fällt. Es wird miteinander diskutiert, gefachsimpelt und auch gefeiert und getanzt über alle Sprachbarrieren und kulturellen Unterschiede hinweg.
Das sieht Dr. Hasan als eine der Folgen der funktionierenden Städtepartnerschaft, denn er sagte: „Bei meinen frühen Besuchen in Gelsenkirchen um das Jahr 1996 herum zu Hochzeiten oder dem Austausch mit Organisationen traf ich nur sehr wenige Deutsche unter den Gästen. Das hat sich nicht zuletzt dank der Städtepartnerschaft deutlich verändert. Darauf kann man stolz sein.“

Eine verwurzelte und stabile Städtepartnerschaft


Das sieht Oberbürgermeister Frank Baranowski ähnlich: „Dass Sie in diesen nicht eben einfachen Wochen zu uns kommen, ist nicht gerade selbstverständlich. Das drückt zum einen aus, wie etabliert, wie verwurzelt diese Städtepartnerschaft inzwischen ist. Und dahinter steht sicher auch die Überzeugung, dass sich gerade in schwierigen Zeiten der Wert einer Freundschaft erweist. Dass die Städtepartnerschaft zwischen Büyükcekmece und Gelsenkirchen eine stabile ist, das ist eine gute Nachricht in diesen Tagen. Und das wollen wir auch so fortführen und weiter entwickeln.“

Der Putschversuch und der Laizismus


Dem steht wohl auch von Seiten Büyükcekmeces nichts im Wege. Denn Dr. Akgün betätigte, dass die beiden Stadtoberhäupter wissen, wie wichtig diese Partnerschaft der Städte ist. Der Bürgermeister dankte Frank Baranowski auch ausdrücklich dafür, dass er nur friedlich Worte über den Putschversuch in der Türkei gefunden hat. Er skizzierte für die Anwesenden das Geschehen um den Putschversuch als Terror und machte deutlich, dass die Türkei seit 1923 an der Trennung von Staat und Religion festhält und das auch so bleiben soll.

Viele Freundschaften sind entstanden

Oberbürgermeister Frank Baranowski gab sich hoffnungsvoll: „Unsere Städtepartnerschaft hat viele Menschen bereichert, sie hat vielen wertvolle Erfahrungen geschenkt, sie hat beruflichen Austausch ermöglicht und persönliche Freundschaften gestiftet. Und genau das wollen wir fortführen, im Interesse gerade der jungen Menschen in Büyükcekmece und Gelsenkirchen, zum Wohl unserer Städte.“
Nach unterhaltsamen, spannenden und auch lehrreichen Tagen hat sich die Delegation inzwischen wieder auf den Weg zurück nach Istanbul und von dort nach Büyükcekmece gemacht. Zurück bleiben schöne Erinnerungen, viele Fotos und die Aussicht darauf, dass es im nächsten Jahr einen Gegenbesuch von Gelsenkirchenern in der Stadt am Marmarameer geben wird.
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