Auf den Spuren der Beginen oder: 10 Jahre InGe

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Rita Nehling-Krüger (Stadt Hamminkeln), Inge Lubawski (Bewohnerin Inge-Haus), Hanne Eckhardt (Vorsitzende InGe), Stefanie Werner (Stadt Hamminkeln)
 
InGe-Haus in Hamminkeln
Unter einem Dach leben, sich gegenseitig helfen, was gemeinsam unternehmen, dabei den nötigen Freiraum behalten, alles können, nichts müssen. Das ist InGe. Seit zehn Jahren gibt es diesen Verein und seit 2015 ihr Wohnprojekt in Hamminkeln.

Die Anfänge des Vereins „In Gemeinschaft leben und wohnen am Niederrhein e. V.“, kurz: InGe, liegen begründet in der Gleichstellungsarbeit der Stadt Hamminkeln. „Im Rahmen der Frauenförderung haben wir damals eine Fahrt nach Brügge zu einem Beginen-Hof unternommen“, erinnert sich die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte Rita Nehling-Krüger. „Wir wollten uns historisch mit dem Thema beschäftigen, warum es Frauengemeinschaften gibt.“ Die Beginen – es gab übrigens auch männliche Vertreter, die Begarden – hatten Anfang des 13. Jahrhunderts eine für ihre Zeit neue Lebensform gebildet: Sie lebten in einer christlichen Gemeinschaft, legten aber keine Ordensgelübde ab oder lebten in Klausur. „Nach dem Besuch des Beginen-Hofes sagte eine Teilnehmerin, dass sie, wenn es heute so was gäbe, auch in solch einer Gemeinschaft leben wolle. Das war der Anfang“, sagt Nehling-Krüger. Es gab ein nachträgliches Treffen im Hamminkelner Rathaus, zu dem mehr Weselerinnen kamen und es war klar: „Wir müssen das regional betrachten, gemeinschaftliches Leben für Frauen hinzubekommen.“ Und zudem wurde klar, dass ein Verein gegründet werden musste. Acht Frauen im Alter ab 55 gründeten 2007 InGe mit dem Ziel des gemeinschaftlichen Lebens und Wohnens – generationenübergreifend, ein Miteinander für Familien und Alleinstehende.

Das erste InGe-Haus steht in Hamminkeln. „Wir wollten ein Abbild der Gesellschaft“, sagt Hanne Eckhardt, die Vorsitzende des Vereins. „Ganz wichtig war uns, Gemeinschaftsräume zu haben und die Möglichkeit des Wohnens mit Wohnberechtigungsschein.“ Es gibt 16 Einheiten mit unterschiedlich großen Wohnungen von 45 bis über 100 Quadratmeter. „Alle Wohnungen sind belegt, aber leider sind keine jungen Leute dabei“, bedauert Eckhardt. „Bei uns wohnte mal eine Studentin und eine alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern. Schade, dass sie weggezogen sind.“ Aber Lebensumstände ändern sich. „Unsere Mieter lassen sich ein auf mehr Nähe, sie helfen sich, wenn mal Not am Mann ist und verabreden sich für gemeinsame Aktivitäten. Sie gehen Eis essen, machen Ausflüge oder kochen, grillen und treffen sich im Gemeinschaftsraum“, weiß Eckhardt. Sechs Paare und alleinstehende Frauen wohnen im Haus. Viele, die ihr Eigenheim verkauft haben, haben sich verkleinert. Aber: Wenn sie mal Besuch bekommen, den sie in ihrer eigenen Wohnung nicht unterbringen können, steht ein Gästezimmer mit Bad zur Verfügung. „Besonders das gefällt mir so an diesem Haus“, sagt Stefanie Werner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hamminkeln. „Es gibt einen Belegungsplan und die Möglichkeit wird auch wirklich genutzt.“

InGe hat 45 Mitglieder, zwölf davon leben im InGe-Haus, und feiert am siebten Juli 10-jähriges Bestehen. Der Verein möchte weitere Projekte anstoßen und ein Mehrgenerationenhaus auch in Wesel verwirklichen. So freut sich InGe über weitere interessierte Bewohner, Eigentümer, Ideenträger, Investoren.
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