Hattinger bei Jugend musiziert: „Musik ist Persönlichkeitsbildung“

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Das Foto zeigt (v.l.) Musikschulleiter Peter Brand, Sarah Klose, Torsten Grabinski (Sparkasse Hattingen, hinten), Helena Happich und Anny Chen. Foto: Kosjak
Hattingen: Stadtmuseum Hattingen | (von Dino Kosjak)

Am 52. Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ haben Schülerinnen der Musikschule Hattingen erfolgreich teilgenommen. Eine von ihnen ist Sarah Klose. Die 21-jährige hat für die Region Westfalen-West den dritten Platz in der Erwachsenengruppe belegt. Dieser Tage präsentierten sich die Gewinnerinnen vor kleinerem Publikum in der Musikschule.

Sarah Klose blickt konzentriert auf das Notenblatt, setzt die Querflöte an und beginnt zu spielen. Ihr Atem klingt mit in den kräftigen Tönen des Instruments. Sie spielt „Syrinx“, ein Solo des französischen Komponisten Claude Debussy. Es erzählt von der Nymphe Syrinx, die sich in ein Schilfrohr verwandelte als sie vor Pan floh, dem bocksbeinigen Gott. In seiner Trauer schuf der Gott aus dem Schilfrohr die nach ihm benannte Panflöte. Sarah Klose wiegt ihren Oberkörper zu den Klängen. Gebundene Melodien und hohe Triller wechseln einander ab und gehen über in eine tiefe, lauernde Passage. Mit einem Hauchen klingt das Stück aus.
Als nächstes treten Helena Happich und Anny Chen nach vorne, die elfjährige Helena an der Geige, die zehnjährige Anny am Klavier. Die beiden werfen sich einen kurzen Blick zu. Im nächsten Moment erklingt Mozart. Über flinken Klavierläufen erhebt sich eine ruhige Geigenmelodie. Dann lässt Anny ihre Finger sparsamer über die Tasten gleiten und Helenas Geige übernimmt die Führung. Beide steigern die Lautstärke und finden einen gemeinsamen Abschluss.
Dann setzen sie wieder ein, diesmal mit einer modernen Komposition der polnischen Komponistin Grayna Bacewicz. Der Stilwechsel ist unverkennbar: Abgehackte Stakkati spielen sich unerwartet in den Vordergrund, Laut und Leise wechseln abrupt einander ab. Eine verträumte Passage unterbricht das Chaos und fröhlich, wenn nicht gar ironisch geht es weiter. Zum Ende klingen schrille und tiefe Töne durcheinander.

Nervosität ist "ein Fremdwort"

Helena und Anny setzen sich wieder ins Publikum – ohne Anzeichen von Nervosität. „Das ist außergewöhnlich“, sagt Musikschulleiter Peter Brand, „in so jungen Jahren diese Atmosphäre überzeugend einzufangen“.
Zur Bekräftigung blickt er in die Gesichter der Besucher. Die beiden Mädchen haben mit ihrem Vortrag die höchste Punktzahl beim Wettbewerb erreicht. „Eine Eins mit Auszeichnung, sozusagen“, freut sich Peter Brand. Er betont den Aufwand, der hinter solchen Erfolgen steht: „Es braucht Zeit, Hingabe und auch mal Verzicht. Nicht zuletzt müssen die Eltern mitspielen.“
Insgesamt seien sinkende Teilnehmerzahlen bei „Jugend musiziert“ zu beklagen. Das habe allerhand Ursachen, sagt Peter Brand. „Mehr Schulstress spielt sicher eine Rolle, zum Beispiel durch die verkürzte Oberstufe.“
Die Mühe aber lohne sich, sagt Sarah Klose. Als Fünfjährige begann sie, Blockflöte zu spielen. Heute widmet sie sich der Musik neben ihrem Studium, etwa im Vorstand der Jungen Hattinger Sinfoniker. An „Jugend musiziert“ hat sie schon vor drei Jahren teilgenommen. „Musik macht an sich schon Spaß“, sagt sie, „aber die Vorbereitung auf so einen Wettbewerb verlangt einem viel mehr ab als der musikalische Alltag. Man will es möglichst perfekt haben.“ Ein Dreivierteljahr hat sie sich vorbereitet.
Und Helena und Anny? Die beiden schütteln die Köpfe. Ganz so lange habe es nicht gedauert. „Mozart ging ziemlich schnell“, sagt Helena. Sie überlegt kurz. „Und ­Bacewicz eigentlich auch.“
Helena und Anny haben ebenfalls als Kleinkinder mit der Musik begonnen. Dass den beiden der Vortrag besonders leicht falle, habe gute Gründe, erläutert Peter Brand: Sie besuchen Förderklassen. Hier wird eine größeres Repertoire eingeübt, regelmäßig stehen Musiktheorie und Gehörbildung auf dem Übungsplan. Anny wohnt in Oberhausen und besucht die Folkwang Musikschule in Essen. Es sei schlicht hinzunehmen, dass besonders talentierte Schüler ihre Musikschule irgendwann verlassen, um sich bei ausgewählten Lehrern weiterzubilden. „Wir sind dafür da, Grundlagen zu schaffen“, sagt Peter Brand, „toll, wenn das so gut gelingt.“

Sparkasse unterstützt „Jugend musiziert“

Seit jeher unterstützt die Sparkasse „Jugend musiziert“. Als Vertreter der Sparkasse Hattingen ist Torsten Grabinski vor Ort. Ein wenig neidisch sei er schon, wenn er das Gebotene sehe und höre. „Ich weiß nicht mehr, was ich als Kleinkind gemacht habe“, sagt er, „jedenfalls keine Musik“. Es sei toll zu sehen, wie junge Künstler nachwachsen.
„Es geht nicht darum, Kinder unter Druck zu setzen“, sagt Almut Klose, Sarahs Mutter. „Ob sie nun Profis werden oder die Instrumente irgendwann ruhen lassen, das ist ihre Entscheidung.“ Doch musikalische Bildung bringe so viel, und wer weiß: Mancher entdecke seine Leidenschaft erst in späteren Jahren. Da sei eine gewisse Vorbildung eine großer Gewinn.
Susanne Happich, Helenas Mutter, fügt hinzu: „Die Kinder lernen hier auch, dass es sich lohnt, an einer Sache dran zu bleiben. Musik ist Persönlichkeitsbildung.“
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