Dieter Kleffener: Blind, Krebs, aber ganz viel Lebensmut

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Der 55jährige Dieter Kleffner lebt in Niederwenigern und hat jetzt sein erstes Buch veröffentlicht. Es hat sein Leben mit all seinen Schicksalsschlägen zum Thema.
 
Das Cover von Dieter Kleffners Erstlingswerk.

Sich als Sehender vorzu­stellen, für immer blind zu sein, ist schon schlimm genug. Kommt noch eine Krankheit wie Krebs dazu, dann verlässt viele der Lebensmut. Dieter Kleffner nicht. Er hat ein Buch darüber geschrieben.

„Im Testprogramm des Schicksals“ heißt es und ist eine Autobiografie mit 312 spannenden, humorvollen und informativen Buchseiten.
Was den Hattinger dazu gebracht hat, sein Leben aufzuschreiben, beschreibt er selbst so: „Die Zeiten, in denen Behinderte auf dem Marktplatz ausgestellt wurden, sind vorbei. Da aber auch heutzutage noch vielen Gesunden beim Anblick eines Schwerbehinderten die Kinnlade auf die Brust fällt, haben Behinderte normalerweise kein Interesse daran, sich ins Rampenlicht zu stellen. Sie treten erst dann hinein, wenn sie einen Sinn darin erkennen, dass anderen Behinderten und deren Angehörigen damit geholfen wird oder dass die Gesellschaft durch Aufklärung mehr zusammenwächst und die Schranken der Entfremdung endlich alle fallen. Meine Autobiografie ist die Stimme eines behinderten Menschen, den das Schicksal zum Schreiben geführt hat und nicht der Beruf..“
Mit seinem Buch möchte der 55jährige durch klare Offenheit Entfremdungen abbauen und Menschen verbinden: „Es soll zeigen, dass eine Behinderung den Betroffenen zu einem Strategen machen kann, der plötzlich bei sich ganz verborgene Talente entdeckt. Der mit seiner aus der Behinderung gewonnenen Erfahrung und einem Schuss Humor eine gesunde Distanz zur Bewältigung riesiger Schicksalsschläge entwickelt, die manchem Nichtbehinderten unüberwindbar erscheinen.“
Die angesprochenen Schicksalsschläge begannen bei Dieter Kleffner mit seiner Geburt im Jahre 1957, als er mit einem „Grünen Star“ auf die Welt kam und noch im Säuglingsalter an beiden Augen operiert werden musste.
Mit einem Sehvermögen von knapp 50 Prozent auf dem besseren Auge und „Glasbausteinen“ in der Brille hörte er im Kindergarten die ersten dummen Sprüche seiner Altersgenossen.
Während der Schulzeit erging es ihm so: „Die Benutzung eines Opernglases zum Lesen der Schultafel machte mich auf der Spottliste zur Nummer eins. Ich kompensierte den gesellschaftlichen Druck als Klassenclown und erntete bald die Anerkennung meiner normalsehenden Mitschüler und ärgerliche Klassenbucheinträge bei den Lehrern.“
Das Sehen wurde bei Dieter Kleffner noch schlechter, aber dennoch machte er an der Rehabilitationsstätte für Sehbehinderte und Blinde in Mainz eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister. Rückblickend sagt er: „Dort fühlte ich mich unter ähnlich Betroffenen zum ersten Mal richtig anerkannt und absolvierte mit Freude mein Examen.“
Nach der Ausbildung bekam er eine Anstellung in einer Hattinger Klinik, heiratete und gründete eine Familie, hat inzwischen zwei erwachsene Kinder. Das Glück oder besser das Leben schien es also doch gut mit ihm zu meinen.
Aber dann wurde der „Grüne Star“ wieder aktiv. Mit zwölf (!) weiteren drucksenkenden Augenoperationen „flüchtete“ Dieter Kleffner jahrelang vor dem weißen Stock – letztlich aber vergebens: Trotz größter Bemühungen der Ärzte erblindete er vollständig.
Dieter Kleffner: „Alle Gegenstände begannen mit mir zu sprechen. Das waren die Uhr, die Waage, der Taschenrechner, das Vorlesesystem, die Hörbücher und so weiter. Selbst mit dem weißen Stock hatte ich endlich Freundschaft geschlossen und inneren Frieden gefunden. Meiner Meinung nach hatte ich mein Testprogramm des Lebens bestanden.“
Das allerdings stellte sich als großer Irrtum heraus. „Knochenmarkkrebs und Lymphdrüsenkrebs katapultierten mich nach 34 Jahren Klinikarbeit aus meinem Beruf und ich landete mitten in einem existenziellen Vakuum“, beschreibt er seinen nächsten Schicksalsschlag. „Zwischen den Chemotherapiezyklen nutzte ich die freie Zeit, mich autodidaktisch in die Anwendung eines Bildschirmleseprogramms einzuarbeiten, um blind einen PC bedienen zu können. Durch diesen neuen Schicksalsweg fand ich die Liebe zum Schreiben und erarbeitete ein autobiografisches Manuskript. Angehörige und Freunde hatten dieses mit Begeisterung gelesen und mich gedrängt, den Schritt zur Publikation zu wagen.“
Mittlerweile ist es unter dem Titel „Im Testprogramm des Schicksals“ als Taschenbuch und E-Book erschienen. Und Dieter Kleffners Tochter Sonja hüllte als Diplom-Designerin den Text in einen Buchumschlag und gab diesem ein besonderes gestalterisches Aussehen.
„Im Testprogramm des Schicksals“ von Dieter Kleff­ner, erschienen im Verlag Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN 978-3-8482-0283-6. Taschenbuchpreis 19,90 Euro, E-Book-Preis 15,99 Euro.
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 01.09.2016 | 22:56  
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