Von Hattingen aus allein per Rad nach Barcelona - Gregor Temme startet sein knapp 2.000 Kilometer langes Abenteuer

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Gregor Temme (51) bei einer kleinen Probefahrt mit dem umgebauten Mountainbike und nur "leichtem Gepäck" in Niederwenigern. Auf der "großen Tour" ist einiges mehr mitzunehmen.Foto: privat
 
Auch in den USA ist Gregor Temme gerne geradelt - hier auf einer Tour per Rennrad in den Hollywood Hills mit der Skyline von Los Angeles im Hintergrund. Foto: privat
Calella (Spanien): Calella |

Nein, verrückt ist Gregor Temme nicht. Selbst wenn es ein wenig schräg klingt: Der 51jährige startet an diesem Wochenende mit dem Fahrrad auf eine „etwas größere“ Tour. Ziel: Barcelona.

Auch wenn jeder Freizeitradler erst einmal schlucken muss angesichts der zu bewältigenden ziemlich genau 1.955 Kilometer und 1.500 Höhenmeter: Für Gregor Temme, der ursprünglich aus Münster kommt, der Liebe wegen aber inzwischen in Niederwenigern wohnt, ist dies zwar ebenfalls eine ganz schöne Strecke, doch hat der begeisterte Radfahrer schon häufiger ähnliche Eskapaden gemacht.
Mal eben per Rad für einen Tag ins friesische Norddeich oder mal ein Kurzbesuch beim Onkel in Salzgitter. Selbst in Los Angeles hat er bei einem Freund ein Rennrad stehen, brauste damit durch die Hollywood Hills und mit seiner Hattinger Lebensgefährtin Sabine Unterste-Bahrenberg radelte er schon kreuz und quer durch New York.
Sie ist auch der Grund ist für seine Radtour Richtung Barcelona, genauer nach Calella, einem Partyort südlich von Lloret de Mar. Sabine Unterste-Bahrenberg macht dort 14 Tage Urlaub mit den Kindern, ist dort allerdings nach zwei Stunden per Flieger gelandet und er schließt sich ihnen in Katalonien an – nach rund 14 Tagen auf dem Fahrrad oder 134 Stunden bei 15 Stundenkilometern, wie ihm sein Fahrrad-Navi ausgerechnet hat.
„Hier in Deutschland möchte ich mindestens 150 Kilometer am Tag schaffen“, plaudert Gregor Temme aus dem Nähkästchen, „damit ich es am Mittelmeer allein schon wegen der großen Hitze langsamer angehen lassen kann.“ Das ist überhaupt sein Plan: Locker, entspannt und mit vielen Pausen will er die Tour bewältigen: „Wenn es nicht gerade tagelang in Strömen gießt, ist das für mich eine tolle ruhige Zeit mit viel Spaß am Radeln. Vielleicht treffe ich unterwegs auf den Campingplätzen, auf denen ich übernachten werde, ja andere Leute, die genauso bekloppt sind wie ich“, lacht er und sagt, wieder ganz ernst: „Ich muss niemandem etwas beweisen. Wenn ich körperliche Schwierigkeiten bekommen sollte, dann gibt es immer noch Bus und Bahn.“
Aber auch wenn er für die Strecke nicht eigens trainiert, ist Gregor Temme ganz gut im Training. So drei- bis viermal die Woche sitzt der passionierte Pedaleur im Sattel seines Rennrads und fährt mal eben 40 bis 50 Kilometer.
Sein Rennrad allerdings lässt er für die Fahrt nach Barcelona in der heimischen Garage. Für die Tour hat er sich ein Mountainbike – kein E-Bike! - umgebaut: „Ich muss ja vielleicht auch mal in unwegsamem Gelände fahren. Das ist mit einem Rennrad schlecht. Denn ich habe mir eine echte Genießerstrecke ausgesucht, weil ich nicht die Nationalstraßen entlang brettern möchte. Ein Mountainbike hat dickere Reifen und ich hoffe, keinen Platten zu bekommen, habe aber zur Not zum Flicken und für kleinere Reparaturen alles dabei.“

Nur "Genießerstrecken", keine Nationalstraßen

Auf heimischen Radwegen geht es zunächst durchs Bergische, den Rhein entlang, durch die Pfalz bis Straßburg, dann Basel, auf dem Jura-Radweg durch die Schweiz bis Genf, per Rhone-Radweg bis zum Mittelmeer und auf dem dortigen Mittelmeer-Radweg Richtung Barcelona. „Ruhr, Rhein, Rhone – alles dabei“, lacht der selbstständige Betriebswirt.
An Gepäck nimmt Gregor Temme logischerweise nur das Allernötigste mit: kleines Zelt, Campingkocher und Topf, Schlafsack und Regenzeug: „Wenn ich Lust habe, koche ich mir eine Kleinigkeit selbst, sonst gehe ich essen. An Wasser habe ich immer drei Liter dabei - mehr nicht. Ich fahre ja nicht durch die Wüste Gobi. Wasser bekomme ich überall, zur Not sicher auch einmal aus einem Gartenschlauch von jemandem, der gerade seinen Garten wässert.“
Hinter sich auf dem Gepäckträger hat er eine Matte mit Solarkollektoren: „Die erzeugen so viel Strom, dass ich problemlos mein Handy mit Musik für unterwegs und mein Navi laden kann.“
Und was Gregor Temme auch gerne schmunzelnd anmerkt: „Zweimal kreuzt die Tour de France meinen Weg. Aber während die jungen Rennfahrer dabei ja nur Etappen fahren, reiße ich als über 50jähriger die gesamte Strecke im Fahrradsattel ab.“
Allerdings nur in eine Richtung. Denn den Rückweg nach einem 14tägigen Aufenthalt in Calella, den tritt er ganz klassisch im Flieger gemeinsam mit Sabine Unterste-Bahrenberg und den vier Kindern an: „Dafür habe ich mir einen Fensterplatz reserviert. Dann kann ich die ganze Strecke, die ich mit dem Fahrrad gefahren bin, von oben sehen.“
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Ahmed-Hassan Byrkelin aus Hattingen | 10.07.2017 | 17:43  
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