Günther Sedelies, der Herr der Stimmzettel

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„Der Gang ins Wahllokal wird wohl bleiben“, davon geht Günther Sedelies defiinitiv aus.

Gleichwohl bestätigt Sedelies einen „klaren Trend zur Briefwahl“.
Bei der Bundestagswahl im September lagen bei der Stadt Iserlohn 13.000 Briefwahl-Umschläge vor und mussten folglich ausgezählt werden.
In diesem Zusammenhang ist es auch bemerkenswert, dass zur Bundestagswahl immerhin 2000 Briefwahl-Anträge elektronisch erfolgt sind. „So eine Zahl hatten wir noch nie“, bestätigt Sedelies.
Mit der Bundestagswahl hat der gebürtige Letmather seine allerletzte Wahl verantwortlich geleitet. Er wird zum Jahresende ausscheiden. Und sich verstärkt um den eigenen Garten kümmern, mehr Computerspiele spielen und wesentlich entspannter dem Fußballspiel von Borussia Dröschede zuschauen.

Wechsel von Letmathe nach Iserlohn

Seine Verwaltungskarriere begann er am 1. April 1964 als Verwaltungslehrling in Letmathe. Nach Iserlohn wechselte er am 1. Januar 1975 bei der kommunalen Neuordnung. Er arbeitete seit 1998 im Bereich Bürger-Service und befasste sich dort schwerpunktmäßig mit allen Wahlen, die auf Iserlohner Stadtgebiet stattfanden. Zudem war er für die Ausländereinbürgerung zuständig. Günther Sedelies hat einmal für den STADTSPIEGEL nachgezählt: „Das waren acht Kommunalwahlen, neun Landtagswahlen, elf Bundestagswahlen und sieben Europawahlen.“ Doch damit nicht genug. „Es kamen noch zehn Wahlen zum Ausländer- und Senioren-Beirat hinzu.“
Am stressigsten empfand er stets die Kommunalwahlen, weil er für diese ganz alleine verantwortlich war. „Das begann schon bei der Einteilung der Wahlbezirke, ich habe das Wahlvorschlagsverfahren begleitet, den Parteien geholfen und ich war für den kompletten Stimmzettel-Druck zuständig. Außerdem musste ich dem Wahlausschuss auch die Zulassung der Parteien vorlegen.“
Bei allen anderen Wahlen waren er und seine Mitstreiter „nur Zulieferer“ für den Märkischen Kreis. Denn für die übergeordneten Wahlen zeichnete der Kreiswahlleiter verantwortlich.

Die Sache mit "500 roten Wahlbrief-Unterlagen"

Gab es eine Situation, an die er sich nicht so gerne erinnert? Die Antwort kommt spontan. „Das war 1979 bei der Kommunalwahl, als ich montags ins Rathaus kam, lagen in der Poststelle rund 500 rote Wahlbrief-Unterlagen. Obwohl wir samstags bei der Post vorstellig geworden sind, wurden diese 500 Unterlagen übersehen. Ich habe umgehend mit dem Landeswahlleiter Kontakt aufgenommen. Die 500 Briefwahl-Unterlagen wurden dann öffentlich im Ratsaal ausgezählt. Mit fatalen Folgen für den CDU-Kandidaten Lothar Reinehr, der nach der Auszählung nicht mehr im Rat war.“
Für jede Wahl sind rund 800 Wahlhelfer im Einsatz, die drei Monate vor einer Wahl einberufen werden. Sedelies: „Allein knapp 100 im Rathaus.“ Der Dienst beginnt um 7 Uhr und endet nach der Auszählung. Im Rathaus endet der Dienst gemeinsam mit dem Hausmeister, der das Rathaus abschließt.
Kleinere Pannen hat es auch schon einmal mit den Wahllokalen gegeben. Günther Sedelies erinnert sich an zwei Begebenheiten: „Einmal hatte ein Wirt sein Lokal trotz Buchung als Wahllokal nicht geöffnet. Den Wirt haben wir mit der Polizei geholt. Ein anderes Mal mussten wir die Wirtin durch heftiges Klopfen an der Haustür daran erinnern, dass sie ihre Gaststätte als Wahllokal zu öffnen hat.“
Es wurden auch schon einmal 100 Euro Bußgeld an einen Wahlhelfer ausgesprochen, weil er nicht erschienen ist. „Das“, so Sedelies, „ist eine Ordnungswidrigkeit.“ In einem anderen Fall meldete sich ein Wahlhelfer zum Toilettengang ab. „Danach kam er nicht wieder und wurde im benachbarten Lokal am Tresen angetroffen.“
Günther Sedelies hält auch den jüngst erkennbaren Trend für erwähnenswert. „Der Wahltrend geht bei jungen Leuten dahin, dass sie einfach ins nächstgelegene Wahllokal gehen, um wählen zu wollen. Dabei vergessen sie oft die Wahlbenachrichtigung. Ohne die lässt das Problem nur schlecht lösen.“
Günther Sedelies lehnt sich in seinem Bürostuhl zurück, freut sich ganz entspannt auf die Zeit nach der Arbeit.
„Wir freuen uns aber, dass Günther zugesagt hat, uns mit seinem großen Wissen und seiner Erfahrung bei der Kommunalwahl 2014 nicht alleine zu lassen“, freuen sich Sedelies Kolleginnen über dessen stundenweise in Aussicht gestellte Unterstützung in seinem Rentner-Leben.
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