Aus dem Nordturm der Stiftskirche klingt das Klever Lied

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- Eugen Cilleßen vom Förderkreis Glocke freut sich über die gelungene Spendensammlung. Im Nordturm der Stiftskirche machte er sich ein eigenes Bild von den Arbeiten. (Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer)

Die steinerne Wendeltreppe mit den schmalen Stufen scheint kein Ende nehmen zu wollen. Immer höher hinauf geht es, bis schließlich eine Holztür den Weg versperrt.

Dahinter: die Glocken der Klever Stiftskirche, die regelmäßig die Gläubigen zum Gottesdienst rufen. Selten verirren sich Menschen in einen der beiden Türme, meist sind es nur Vögel, die sich in die luftige Höhe wagen und von den Turmspitzen auf den Niederrhein blicken.
In den vergangenen Wochen herrschte jedoch rege Betriebsamkeit im Nordturm der Kirche – also jenem, der der Innenstadt zugewandt ist und in dessen Schatten der Tote Krieger von Mataré ruht. Die drei großen Glocken in diesem Turm haben seit Ende der vergangenen Woche Gesellschaft bekommen. Eine niederländische Fachfirma hat an der Decke ein 14-stimmiges Glockenspiel installiert. Drei Mal am Tag lässt es nun Melodien erschallen.
Die Augen von Eugen Cilleßen strahlen. Auch er hat sich die Wendeltreppe empor gekämpft und betrachtet, wie die Arbeiter letzte Hand anlegen und die Glocken probeweise anschlagen. „Das klingt gut“, sagt er voll Vorfreude. Cilleßen vertritt den „Förderkreis Glocke“, der die Anschaffung des neuen Glockenspiels überhaupt erst ermöglicht hat. Vor zehn Jahren hatten er und seine Mitstreiter genug Geld gesammelt, um die „Groote Bomm“ zu finanzieren. Die fast 4000 Kilogramm schwere Glocke hängt seither im Südturm. Nach der Anschaffung waren noch Spendengelder übrig geblieben. Und mit der Zeit reifte die Idee, ein Glockenspiel für Kleve anzuschaffen. Erneut sammelte der Förderkreis Geld. Erfolgreich. „Das ist alles komplett über Spenden finanziert. Da sind keine Steuer- oder Gemeindemittel eingeflossen“, betont Cilleßen.
Als das Geld beisammen war, ging alles ganz schnell, wie Propst Johannes Mecking erklärt. „Im Februar wurden die Glocken bestellt, jetzt sind sie schon fertig.“ Ein Glücksfall. Wäre die Bestellung wenige Wochen später eingegangen, hätte sich die Klever bis in den Herbst gedulden müssen. So aber hatte die Gießerei noch Kapazitäten frei. Rund 900 Kilo Bronze bringen die 14 neuen Glocken gemeinsam auf die Waage, die schwerste von ihnen allein 163 Kilo. Einen Tonumfang von rund 1,5 Oktaven decken sie ab und sind passend zum bestehenden Geläut gestimmt. Anders als die großen Glocken im Turm schwingen sie nicht, sondern werden angeschlagen.
Drei Mal am Tag schlägt Glockenspiel nun, um 11.46 Uhr, 15.46 Uhr und 18.31 Uhr, jeweils nach dem Viertelstunden-Schlag der Schwanenburg. Viele verschiedene Melodien werden zu hören sein, einmal täglich aber soll das Klever Lied erklingen, um 18.31 Uhr ein passendes Abendlied. Bevor er zum Abstieg die Wendeltreppe in Angriff nimmt, blickt Cilleßen noch einmal auf die polierten Glocken. „Ich bin einfach glücklich“, sagt er. (pbm/cb)
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