Schluss mit dem Leben im falschen Körper

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David trägt oft weite Pullis, denn die verstecken die noch vorhandenen Brüste. (Foto: Magalski)
 
David Collin hat einen Ergänzungsausweis. Das Dokument kommt von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität und unterstützt in mancher Alltagssituation. (Foto: Magalski)
Kleider fand Yvonne schon als Kind doof und wenn andere Mädchen mit Puppen spielten, kletterte er auf Bäume. Yvonne aus Lünen wurde im falschen Körper geboren und ist heute als David Collin auf dem Weg in ein glückliches Leben.

Gefangen im falschen Körper - Yvonne begleitete dieses Gefühl seit frühester Kindheit. Der Blick ins Fotoalbum zeigt kein Mädchen, sondern einen Jungen mit kurzen Haaren. Dass Yvonne kein typisches Mädchen ist, daran besteht bei diesen Bildern kein Zweifel. Die Kommunion im Kleidchen blieb als schlimmes Erlebnis im Gedächtnis. Okay sei es bis zur Pubertät gewesen, erzählt David Collin, so nennt Yvonne sich heute, im Gespräch mit dem Lüner Anzeiger. Im Schwimmbad trug er eben Shorts wie ein ganz normaler Junge - doch dann wuchsen die Brüste und es begann die Zeit der weiten Pullis. Was nach Frau aussieht, verschwindet seitdem unter der Kleidung. "Ich wusste schon immer, dass ich keine Frau sein will", sagt David. Im Fußballverein machte ihm eine Freundin dann - mittlerweile selbst ein Mann - Mut für den Weg in ein neues Leben.

David kommt mit Testosteron in die Pubertät

Offen zu seinem wahren Ich stehen zu können, das ist für David und viele andere Menschen mit ähnlichem Schicksal ein unvorstellbar großes Geschenk. "Wenn man nicht zu seiner Identität steht, geht man daran kaputt", so David und entsprechend hoch sei bei Betroffenen die Selbstmordrate. David versteckt sich nicht hinter einer Fassade, informiert in einer eigenen Facebook-Gruppe sogar über seinen Weg zu einem glücklicheren Leben und ist dankbar für die große Unterstützung. Freunde und Kollegen reagierten mit Verständnis, genauso wie der Ehemann. Siebzehn Jahre ist David, oder besser gesagt Yvonne, nämlich mit einem Mann verheiratet, seit dem Outing leben die Eheleute wie in einer Wohngemeinschaft. "Er steht hinter mir", weiß David und auch die beiden Töchter - die übrigens beide echten "Mädchenkram" lieben - stärken Mama den Rücken. Testosteron aus Spritzen setzt seit Juni bei David die "Pubertät" in Gang und machen David zu einem "Transmann". Die Periode bleibt aus, die Stimme wird tiefer, die Barthaare sprießen, leider aber auch die Pickel.

Brust weg, Eierstöcke weg, aber kein Penis

Akne ist einer der unschönen Nebeneffekte des Hormons, aber für das große Ganze nimmt David gerne alle Mühen in Kauf. Brüste, Eierstöcke und die Gebärmutter werden noch in einer Operation entfernt, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. Voraussetzung dafür ist, dass man mindestens achtzehn Monate in Therapie sein muss und schon sechs bis acht Monate Hormone nimmt. Zur Veränderung des Körpers kommt noch der lästige Papierkram. Personalausweis, Führerschein und Geburtsurkunde werden im Rahmen einer sogenannten Personenstands-Änderung nach zwei positiven Gutachten neu ausgestellt, beim Stemmen der nicht geringen Kosten griffen Freunde David unter die Arme und versteigerten Dinge. David freut sich auf das nächste Jahr, denn dann wird er Schritt für Schritt immer mehr zum Mann, mit fast allen Konsequenzen. Einen Penis will David sich nämlich nicht formen lassen, zu groß ist ihm das Risiko der aufwändigen Operationen: "Meine Töchter brauchen mich zu Hause, da kann ich nicht ständig im Krankenhaus liegen. Trotzdem, ich fühle mich wegen einem fehlenden Penis ja nicht weniger als Mann."
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