Das Marler Grimme Institut hat den Grimme Online Award 2016 verliehen

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Johannes Filous (l.) vom Twitter-Account "Straßengezwitscher". Daneben Sascha Venohr von "Geld zieht Ärzte an" der ZEIT ONLINE (Foto: Grimme-Institut/Rainer Keuenhof)

„Unter den Preisträgern sind kleine und größere Projekte, Einzelleistungen und Teamwork, eher ernsthafte und eher unterhaltsame Inhalte, sowohl einmalige als auch langfristig angelegte Formate“, schreibt die Jury in ihrem Statement, anlässlich des diesjährigen Grimme Online Award. Er wurde am Abend des 24. Juni verliehen. Prämiert wird Jahr für Jahr hohe publizistische Qualität im Netz, womit der Preis zu den wenigen anerkannten Auszeichnungen in diesem Bereich gehört.

Die Preisträger

kleine vs. größere Produktionen

Geklappt hat es für Corinne Luca, alleinige Autorin des „makellosmag – die blog (fem.)“. Die One-Woman-Show gehörte zu den kleineren Produktionen des Abends – und bekam die Trophäe in der Kategorie Kultur und Unterhaltung von der Schauspielerin Caroline Peters überreicht. „die blog“ ist herausragend gestaltet und geschrieben und bespielt den gewohnten Themenkanon von Frauenmagazinen, um diesen am Ende ironisch zu brechen: „Ein mit viel Witz und Leidenschaft gepflegtes Blog, in dem Feminismus und Leichtigkeit bestens zueinander passen“, so die Jury. Auch für Männer geeignet!

Eher eine Großproduktion ist demgegenüber „DADA-DATA“, eine Koproduktion des Schweizer Senderverbunds SRG SSR mit dem deutsch-französischen Sender ARTE, ausgezeichnet in derselben Kategorie. Dahinter verbirgt sich zum einen ein breit angelegtes Webarchiv mit historischen Dokumenten der Kunstrichtung, die vor einhundert Jahren begründet wurde. Zum anderen gelingt „DADA-DATA“ der Versuch, den anarchischen Geist des Dadaismus spielerisch ins Internetzeitalter zu überführen. „Dada und Punk, Collage und Mashup – das Prinz Dada funktioniert bis heute“, schlussfolgert die Jury.

Einzelleistung vs. Teamwork

Ob es sich bei der Künstlerin Barbara. um eine Einzelleistung handelt oder doch eher um Teamwork? Wer dahinter steckt, bleibt geheim. Barbara. wurde in der Kategorie Spezial ausgezeichnet. Sie klebt witzige, erhellende Botschaften in den (realen) öffentlichen Raum und verbreitet diese über Facebook – ein Projekt zwischen Street-Art und Netzkunst. Für die Jury liefert sie damit „ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die sogenannte ‚virtuelle‘ und die reale Welt nicht sinnvoll zu trennen sind – besonders dann nicht, wenn die Online-Medien uns einen besseren Blick auf das ermöglichen, was um uns herum geschieht und uns sonst vielleicht verborgen geblieben wäre.“

Um eine Gemeinschaftsleistung handelt es sich ganz sicher bei einem weiteren Preisträger der Kategorie Spezial, dem Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost. Der Regisseur und Drehbuchautor Ali Samadi Ahadi überreichte die Trophäe an fünf Mitglieder des Interaktiv-Teams. Mit großer Ausdauer bringen sie Daten visuell zum Sprechen und das im klassischen Lokaljournalismus, wo Datenjournalismus vielfach noch keine Heimat gefunden hat. So lobt die Jury: „Mit der gelungenen Integration des Datenjournalismus ist der Berliner Morgenpost ein vorbildliches, interdisziplinäres Projekt mit Signalwirkung gelungen.“

ernsthafte vs. unterhaltsame Inhalte

„Mit großem Engagement und Mut stellt ‚Straßengezwitscher‘ dort Öffentlichkeit her, wo ansonsten vieles im Verborgenen bliebe“, schreibt die Jury über den Twitter-Account der sich einem ernsthaften Thema widmet: Er berichtet über aktuelle rechtsradikale und fremdenfeindliche Aktivitäten im Osten Deutschlands, ist dabei aber auch eine verlässliche Quelle für Journalisten – und eine ständige Mahnung, die rechten Umtriebe nicht aus den Augen zu verlieren. Hierfür gab es einen Grimme Online Award in der Kategorie Information aus den Händen der Journalistin Anja Reschke.

Das Onlinemagazin „dekoder – Russland entschlüsseln“, gehört ebenfalls zu den Preisträgern in dieser Kategorie. Übersetzt und erläutert werden hier Beiträge aus russischen Medien um sich ein eigenes Bild der öffentlichen Meinung in Russland zu machen. Die Jury lobt, hier werde „eine echte Aufmerksamkeits- und Wissenslücke in der hiesigen Öffentlichkeit“ geschlossen.

Sehr ernsthaft, aber gleichzeitig auch unterhaltsam ist der wissenschaftsjournalistische Beitrag „Klangökologie: Die Symphonien der Natur“ von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Autor Andreas von Bubnoff erhielt die Trophäe der Kategorie Wissen und Bildung von dem Musiker und Schriftsteller Thees Uhlmann. Das Webspecial hat die Jury geradezu bezaubert, indem es durch die „einzigartige Orchestrierung von Klang, Visualisierung und Text ein einmalig sinnliches Informationserlebnis“ vermittelt.

einmalige Projekte vs. dauerhafte Formate

Einmalig im besten Sinne ist der Preisträger in der Kategorie Kultur und Unterhaltung „Trappeto-Solingen-Trappeto … und zurück“ von Deutschlandradio Kultur. Inhaltlich behandelt das Multimedia-Special ein Thema, das uns dauerhaft begleitet: Migration. Dabei greift es „von der Gegenwart in die europäische Nachkriegsgeschichte zurück, um vielschichtig über Migration, Integration und Heimat zu erzählen“, so die Jury, und liefert damit „ein hervorragendes Beispiel für multimediales Storytelling im Dienste einer vielschichtigen Sozialreportage. “
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