Das traditionelle Karfreitagsessen und Karfreitagsbräuche in Westfalen

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Eine Frau aus dem Münsterland backt Struwen (zwischen 1930 und 1950). (Foto: LWL)

Der Karfreitag war nicht zu allen Zeiten ein bundeseinheitlicher Feiertag. In Westfalen bezeichnete man den Karfreitag als "Tag der Stille".

Dass die Menschen dieses Motto tatsächlich lebten, zeigt ein Bericht des Archivs der Volkskundlichen Kommission für Westfalen aus Versmold (Gütersloh): "Nahm man es vielleicht auch mit den sonstigen kirchlichen Feiertagen nicht so genau, so musste an diesen Tagen und namentlich am Karfreitag jedes Werk ruhn." Laute Geräusche sollten unbedingt vermieden werden, vor allem solche, die durch Werkzeuge verursacht werden. Man glaubte sonst, dass man dabei half, Jesus Christus ans Kreuz zu nageln. Auch gab es, je nach Konfession, feste Regeln, welche Speisen auf dem Tisch zu stehen hatten. In einem Bericht aus Holthausen (Herne) heißt es: "Das traditionelle Karfreitagsessen bestand in unserer Gegend aus Stockfisch mit Zwiebelsoße."

Im Münsterland isst man dagegen seit Jahrzehnten den berühmten "Struwen". Dieses Hefegebäck ist so mächtig, dass man davon "mehr als drei wohl kaum schafft". Das Rezept findet sich in einem Bericht aus Vreden (Borken). "Man macht sie aus Hefeteig mit Rosinen, der in Zuckerzimt gerollt und in reinem Pflanzenöl gebacken wird. Tierische Fette werden wegen der Fastenzeit nicht verwendet."

Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet am Ostersonntag. In dieser Zeit wurde früher auf den Verzehr von Fleisch verzichtet. Welche Speisen in dieser Zeit erlaubt waren, "unterscheidet sich nicht nur von Kirche zu Kirche sondern ist auch eine Frage der individuellen Auslegung des einzelnen Gläubigen". Beim strengen Fasten wäre eine strikt vegane Ernährung angesagt, auch auf den Genuss von Alkohol wird dabei verzichtet. In Bönen (Unna) gab es sogar besondere Regeln zum Brotverzehr. "Grau und Schwarzbrot wurde nicht gegessen, sondern nur das eigens für diesen Tag gebackene Weißbrot."
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