"Endlager Mensch" - Fünf Jahre besteht die Interessengemeinschaft in Kamp-Lintfort

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Bis 2022 darf Giftmüll noch abgekippt werden - und das ist der Knackpunkt. Foto: Archiv

Die Interessengemeinschaft Endlager Mensch e.V. Kamp-Lintfort besteht im Januar 2017 jetzt sage und schreibe schon fünf Jahre.

"Als letzte gemeinnützige Bürgerinitiative zeigen wir nach wie vor vorhandene Missstände auf", so Lutz Malonek von der Interessengemeinschaft. "Wir betreiben weiterhin aktive Aufklärung und verschließen die Augen nicht vor möglichen Gefahren bei Mensch, Tier und Natur im Kampf gegen die Giftmülldeponie der höchsten Gefahrenklasse am Eyller-Berg in Kamp-Lintfort."
Im Gründungsjahr habe man die "Stille Demo" vom Objektkünstler Pit Bohne nach Kamp-Lintfort geholt. "Mit seinen symbolträchtigen Figuren haben wir dann unsere Proteste in die Öffentlichkeit getragen", sagt der erste Vorsitzende.
Es folgten mehrere geplante Demonstrationen in der Stadt, als Sternmarsch der umliegenden Orte zum Eyller Berg und schließlich ein Marsch mit dem Mahnkreuz über mehrere Städte bis hin zum Landtag nach Düsseldorf.
Seit der Gründung stünden immer Mensch und Gesundheit im Vordergrund, deshalb arbeitet "Endlager Mensch" auch eng mit der Ärzte- und Apothekerinitiative für Umwelt und Gesundheit e.V. zusammen.

Kompetente Mitstreiter

"Wir haben mit den Umweltmedizinern Dr. Walter Wortberg und Michael Lefknecht kompetente Mitstreiter gefunden", erklärt Malonek. "Durch deren Mitarbeit folgten dann ein umweltmedizinisches Gutachten sowie eine Krebsstudie der Uni Münster."
Diese Studie habe eine 29-Prozent höhere Krebshäufigkeit bei Frauen in der Kernregion Eyller-Berg ergeben, aber einen Zusammenhang zwischen Deponie und Erkrankungen habe damit nicht nachgewiesen werden können.
In den verwaltungsrechtlichen Verfahren beim OVG Münster zwischen der Betreibergesellschaft der Deponie Eyller-Berg und der Bezirksregierung Düsseldorf konnte im August 2015 eine Einigung erzielt werden. Doch die sieht "nur" den End-Zeitpunkt der Ablagerung bis Ende 2022 vor. Außerdem sei der Antrag auf Genehmigung einer Chemisch-Physikalischen-Behandlungsanlage zurück genommen worden.

Einigung erfolgte im August

Aber, es gibt einen Haken, denn gleichzeitig bleibt es bis 2022 erlaubt, Giftmüll der höchsten Gefahrenklasse noch bis Ende 2022 abkippen zu dürfen.
"Nach unserer Meinung benötigen die Menschen an der Deponie jetzt und auch über das Jahr 2022 hinaus dringend eine Gesundheitssicherheit, dafür stehen wir weiterhin ein", so Malonek, der zusammen mit Wissenschaftlern der Uni Aachen, der Uni Duisburg/Essen sowie einem Amsterdamer Labor und einem Deponieexperten nach einem Weg mit modernster Analytik sucht. Ziel ist die sichere Gesundheit über 2022 hinaus. Helfen sollen Biomonitoring und Humanuntersuchungen. Letzteres ist ethisch strittig. Bis es soweit ist, müssen noch viele Gespräche geführt werden.
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