Steueroase Monheim am Rhein - Bürgermeister Zimmermann geht auf Kaperfahrt

Hoch die Gläser, Monheims Schatzkiste im Rathaus dürfte demnächst deutlich leerer werden. Leerer? Genau! Im März hatten Bürgermeister Daniel Zimmermann (r.) und seine Vasallen beim Rathaussturm am Altweiber-Donnerstag nichts als Schuldscheine aus ihrer Truhe hervorgeholt.  Auf rund 100 Millionen Miese beziffert Schatzmeister Max Herrmann (2.v.r.)  das aktuelle Loch in Monheims Stadtkasse. Nun aber sollen bald Schuldscheine ausgelöst werden. WA-Archivfoto: MdC
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  • Hoch die Gläser, Monheims Schatzkiste im Rathaus dürfte demnächst deutlich leerer werden. Leerer? Genau! Im März hatten Bürgermeister Daniel Zimmermann (r.) und seine Vasallen beim Rathaussturm am Altweiber-Donnerstag nichts als Schuldscheine aus ihrer Truhe hervorgeholt. Auf rund 100 Millionen Miese beziffert Schatzmeister Max Herrmann (2.v.r.) das aktuelle Loch in Monheims Stadtkasse. Nun aber sollen bald Schuldscheine ausgelöst werden. WA-Archivfoto: MdC
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Am Mittwoch dieser Woche, einem eher grauen Monheimer Dezembertag, hatten der Bürgermeister und die Abteilung der städtischen Wirtschaftsförderung zur Pressekonferenz ins Monheimer Rathaus gebeten. Das zunächst angekündigte Thema: Der übliche Jahresaus- und Rückblick. Und das war geschwindelt – oder zumindest nicht die ganze Wahrheit.

Mit den Superlativen sollte man ja bekanntlich vorsichtig umgehen. Aber das, was Bürgermeister Daniel Zimmermann, die Wirtschaftsförderer Thomas Waters und Oliver Brügge, der Beigeordnete Roland Liebermann und Stadtkämmerer Max Herrmann da an diesem Mittwoch offiziell zu verkünden hatten, verdient wohl den Stempel „Historisch!“.
Im kommenden Jahr wird sich die Firma Ecolab, mit bisherigem Sitz in Düsseldorf-Reisholz, im Baumberger Gewerbegebiet Weidental ansiedeln. Das ist die Gewerbefläche südlich des Bowling-Centers, einst von Langenfeld erworben. Wer dort dieser Tage noch die durchaus lange Straße hineinfährt, der wird nicht mehr entdecken, als die leeren Abfallhüllen einer nahegelegenen Fritten- und Burgerschmiede, die der Wind über die verlassene Trasse weht. Das wird sich ändern! Denn die Firma Ecolab hat sich nicht nur ein Grundstück im Weidental gekauft. Sie hat alles an Flächen gekauft oder zumindest für sich optioniert, was dort noch zu haben war. Alles links und rechts der Straße. Und sie darf sogar fünf Meter höher bauen, als zunächst vorgesehen. „Leider ausverkauft!“ könnte man jetzt also an den Eingang der Konrad-Zuse-Straße schreiben.

Ecolab kommt zunächst mit 600 bis 700 Büro-Mitarbeitern und Forschungskräften. Platz für weitere 200 bieten die Optionsflächen. Denn der Hersteller von Chemiereinigungsmitteln, zum Beispiel für Krankenhäuser oder Autowaschanlagen, will im Weidental weiter wachsen.

Kurz zur historischen Einordnung: Das letzte Unternehmen, das auf einen Schlag derart viele Arbeitsplätze nach Monheim gebracht hat, dürfte Bayer vor rund drei Jahrzehnten gewesen sein. Sonst war nur noch die Shell-Raffinerie größer, die einst am Rhein ihre Heimat hatte. Vielleicht hat der eine oder andere noch einen Urgroßvater, der über die Freude berichten kann, die bei der Ansiedlung damals aufkam.

Schmackhaft gemacht wurde der Firma Ecolab der Wechsel von Düsseldorf nach Monheim am Rhein nicht zuletzt mit einem ganz großen Versprechen. Im Sommer hatten alle Monheimer Fraktionsspitzen dem Bürgermeister ein Papier unterschrieben, das es ihm und seinen Wirtschaftsförderern möglich machte, ansiedlungswilligen Firmen ihr Wort darauf zu geben, den Gewerbesteuersatz von aktuell noch 435 Punkten auf 300 Punkte zu senken, wenn es so viele Arbeitsplätze nach Monheim bringt, dass man sich diesen Schritt erlauben kann. Denn da war plötzlich ein helles Licht am Horizont, das diesen zuvor völlig unmöglich erscheinenden Schritt gar nicht mehr so irreal erscheinen ließ. Dieses Jahr und auch im nächstes Jahr fließen in Monheims Stadtkasse Gewerbesteuer-Nachzahlungen in völlig ungeahnter Höhe. Allein 2011 wird es wohl ein Plus von rund 10 Millionen Euro geben. Zuletzt war Monheim durch sein Haushaltssicherungskonzept immer wieder gezwungen worden, seinen Gewerbesteuersatz wider besseren Wissens anzuheben. „Das war für uns in allen Gesprächen immer ein ganz großes Hindernis“, betonte Bürgermeister Daniel Zimmermann am Mittwoch noch einmal rückblickend. Denn im benachbarten Langenfeld beispielsweise, das seine Gewerbesteuer frei von allen Schuldenlasten selbst bestimmen kann, beträgt der Satz 360 Punkte. Ein klarer Standortvorteil bei allen Verhandlungen.

Jetzt aber sehen Monheims Zahlen plötzlich so gut aus, dass die Fesseln des Haushaltssicherungskonzeptes schon im nächsten Jahr abgestreift werden können. Dann kann der Monheimer Stadtrat seinen Gewerbesteuersatz wieder selbst bestimmen. Genau das wird er in der Ratssitzung im März kommenden Jahres tun – sogar rückwirkend zum ersten Januar 2012. Dann bekommt Monheims Wolke Sieben die Hausnummer 300 verpasst – den günstigsten Gewerbesteuersatz im ganzen Land – möglich gemacht auch, weil man den Bürgermeister und die Wirtschaftsförderung schon heimlich von der Kette ließ, als das noch gar nicht so richtig erlaubt war. Mit einem Versprechen für die Zukunft.

In dieser Zukunft werden selbstverständlich auch alle bisherigen Monheimer Händler und Gewerbetreibenden um ein ganzes Drittel von ihrer Gewerbesteuerzahlung befreit, auch jeder Apotheker und Kioskbetreiber. Insofern bekommen alle etwas vom Kuchen ab.

Den Verzicht auf dieses Drittel kann sich Monheim offenbar leisten. „Jedes Unternehmen, das jetzt noch kommt, wird uns in Plus bringen“, unterstrichen Zimmerman, Waters und Brügge in dieser Woche. Und offensichtlich haben sie noch jede Menge Pfeile im Köcher. „Wir werden auch über Weihnachten mit Unternehmen weiter verhandeln, mit denen wir jetzt schon im Gespräch sind, versprach der Bürgermeister.

Ins Plus bringen, das bedeutet in dem Fall aber natürlich immer noch „nur“ den Einstieg in den Schuldenausstieg. Denn in Monheim am Rhein sind wir ja immer noch – und sitzen alle auf einem Kreditberg von rund 100 Millionen Euro, der hier, rund um den Monberg, in den letzten Jahrzehnten aufgetürmt wurde. Der muss weg! So schnell wie möglich. Und deshalb sollen nun so schnell wie möglich mehr Firmen nach Monheim kommen, die mithelfen werden, ihn abzutragen.

Schon in den letzten zehn Jahren war Monheim mit insgesamt 1500 neu geschaffenen Arbeitsplätzen der dynamischste Standort im gesamten Kreis Mettmann. Jetzt also auch noch Ecolab – mit vielen hochqualifizierten Arbeitsplätzen – und dazu noch einige weitere kleine schöne Erfolge, die nun erst einmal überstrahlt werden von den Saubermännern im positivsten Sinne, die das Weidental aufblühen lassen wollen – und damit demnächst vielleicht die ganz Stadt.

Mit Langenfeld, Hilden und Ratingen wird Monheim am Rhein damit zur vierten Stadt im Zehnerkreis Mettmann, die plötzlich für die „Armenkinder“ in die Kreisumlage einzahlen muss. Das ist ein bisschen so, als würden die notorisch klammen Stadtstaaten Berlin und Bremen plötzlich den Bayern beim Länderfinanzausgleich zur Seite springen.

„Hört sich alles ein bisschen wie Weihnachten an“, stellte ein Journalist am Mittwoch staunend fest. Woraufhin Stadtplaner Oliver Brügge entgegnete: „Bald ist ja auch Weihnachten.“ Und das ist definitiv absolut wahr!

Hoch die Gläser, Monheims Schatzkiste im Rathaus dürfte demnächst deutlich leerer werden. Leerer? Genau! Im März hatten Bürgermeister Daniel Zimmermann (r.) und seine Vasallen beim Rathaussturm am Altweiber-Donnerstag nichts als Schuldscheine aus ihrer Truhe hervorgeholt.  Auf rund 100 Millionen Miese beziffert Schatzmeister Max Herrmann (2.v.r.)  das aktuelle Loch in Monheims Stadtkasse. Nun aber sollen bald Schuldscheine ausgelöst werden. WA-Archivfoto: MdC
Dynamik made in Monheim. Am Donnerstag konnten Bürgermeister Daniel Zimmermann mit Stadtplaner Oliver Brügge Martina Klassen und Geschäftsführer Stefan Tilkov (Mitte) von der Software-Firma InnoQ als Neumieter im Rheinpark begrüßen. Die Schlüssel für das unter Denkmalschutz stehende alte Shell-Gebäude mit dem markanten „Uhrentürmchen“ gab‘s von den MEGA-Männern Heinrich Schwidden und Udo Jürkenbeck, denen das schmucke Haus als Stadttochter gehört. Foto: Michael de Clerque
Autor:

Thomas Spekowius aus Monheim am Rhein

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