„Ein Hauch von Trump“ im Theater an der Ruhr - „König Ubu # Am Königsweg“ gehen in einander über

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Im Theater an der Ruhr stellten Regissieur Philipp Preuss (v. l.) und Dramaturg Helmut Schäfer das neue Stück vor (Foto: PR-Foto Köhring/SH)
 
Philipp Preuss inszenierte Elfriede Jelineks "Am Königsweg" in einer Symbiose mit Jarrys "König Ubu". (Foto: PR-Foto Köhring/SH)
Mülheim an der Ruhr: Theater an der Ruhr |

Elfriede Jelineks neues Stück „Am Königsweg“ hält Einzug ins Theater an der Ruhr. Zugleich bezieht Regisseur Philipp Preuss in seiner Inszenierung „König Ubu“, Alfred Jarrys fast schon legendären Anschlag auf das klassische Theater, mit in den Jelinek-Text ein.

Die Premiere von „König Ubu # Am Königsweg“ am Samstag, 18. November, 19.30 Uhr, kombiniert Historie mit der Neuzeit, lässt das 19. Jahrhundert auf die Gegenwart prallen. Jelineks Stück dominiert, ohne die Sequenzen und Stränge aus König Ubu zur unwichtigen Nebensache werden zu lassen.

Jarry zeigt „seinen“ König als ein groteskes, gefräßiges Monster, skizziert ihn als einen Anarchen auf dem Thron. Jelinik seziert einen „twitternden Blinden“, der alles zu wissen glaubt und die Stimmen der Massen stiehlt, weil er keine eigene hat. Ihr „König“ ist ein nach Geld gierender Herrscher und eine Showfigur, die ihr wahres Gesicht nie zeigt. Schnell wird klar: Elfriede Jelinek nimmt Donald Trump aufs Korn, ohne dass er je beim Namen genannt wird. Sie arbeitet sich an ihm ab. Nicht so sehr an seiner Person, sondern mehr an seinem Typus, denn Trumps scheint es überall und immer wieder zu geben.

Ironische Begegnungen mit dem medialen Zeitalter

Mit dem Auf-und Abarbeiten hat sie schon vor einem Jahr begonnen, exakt in der Nacht, als Trump zum amerikanischen Präsidenten gewählt wurde. Sie hat geschrieben, verändert, gestrichen. Letzteres hat Regisseur Preuss auch getan. Der Jelink erfahrene Theatermann: „Ich konnte nicht alle ihre Text aus dem neuen Stück ein- und umsetzen.“ Schon in seiner letzten Inszenierung am Theater an der Ruhr (Leonce und Lena) ist er dem medialen Zeitalter ironisch begegnet. Bei seiner neuen Arbeit setzt er diesen Weg konsequent durch und fordert gewissermaßen eine neue Medienkompetenz. Trumps Handeln lässt grüßen.

Die Auseinandersetzung mit dessen vermeintlichen Twitter-Wahrheiten, Unwissenheit und extra ordinärem Verhalten macht das Stück extraordinär, wie es Dramaturg Helmut Schäfer formuliert. „Wenn Werte aufgebraucht sind, herrschen die Aufgebrachten“. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Inszenierung. Simone Thoma, Fabio Menéndez, Klaus Herzog, Thomas Schweiberer und Rupert J. Seidl geben den Handlungssträngen Gesicht und Stimme. Die weiteren Aufführungen nach der Premiere stehen am 24. November sowie am 1. und 9. Dezember auf dem Spielplan. Worte und Empfindungen wie Parodie, Skandal, Befreiungsschlag und Untergang halten die Zuschauer im Geschehen. Die Seher haben Hochkonjunktur, obgleich ihre Existenzberechtigung in Frage gestellt wird.

Man ist selten für etwas und meistens gegen etwas

Die Kombination von Jarrys Stück und den Jelinik-Texten verspricht in jedem Fall Spannung. Die Inszenierung ist zudem ein „Lehrstück“, das besagt, dass man die gängige Handelns- und Lebenspraxis, dass man selten für etwas ist, sondern zumeist gegen etwas, auf den Prüfstand stellen sollte. Historisches Bewusstsein ist auf dem Weg ins Verschwinden. Fatal für jedes Miteinander. Musik wie Auszüge aus Händels Krönungsmessen und der Song „My Way“ sorgen für die Unterstreichung gesagter und nicht gesagter Worte.
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