Clever Starter: Friseurausbildung auch weiter gefragt

Die Ausbildung zur Friseurin oder Kosmetikerin ist bei jungen Frauen immer noch ein Klassiker. Die Mülheimer Woche sprach mit Eva Melchers, Inhaberin eines Beauty-Centers mit Friseur-und Kosmetiksalon und einer anerkannten Kosmetikschule.

Mülheimer Woche: Frau Melchers, wie sieht die Situation im Ausbildungsberuf Friseur aus?

Eva Melchers: Der Fachbereich ist ebenso wie die Ausbildung zur Kosmetikerin besonders bei jungen Frauen auch weiterhin stark nachgefragt. Aber leider nimmt die Zahl der Betriebe, die ausbilden, immer weiter ab.

MW: Woran liegt das?

Eva Melchers: Inhalte und Prüfungsanforderungen sind in beiden Fachbereichen weiter gestiegen. Viele Betriebe meinen, dass immer weniger Bewerber diese Anforderungen erfüllen können. Aber dem ist nicht so. Die jungen Leute sind ja nicht dümmer oder fauler als früher. Das Problem liegt meiner Meinung nach nicht in der Bewältigung fachlicher Inhalte oder manueller Tätigkeiten. Die jungen Menschen bringen aber immer häufiger wichtige Verhaltensregeln für das Arbeitsleben nicht mehr mit, und das macht eine Ausbildung schwieriger. Aber dieses Problem kenne ich auch von Erwachsenen, die aufgrund einer Neuorientierung auch nochmal in die Lernphase gehen.

MW: Kurz gesagt, es fehlt also eher an Pünktlichkeit und Disziplin?

Melchers: Zum Beispiel. Das darf uns aber trotzdem nicht daran hindern, auszubilden. Und auch unser eigenes Verhalten zu hinterfragen: Wenn ich bestimmte Erwartungen an die Auszubildenden habe, erfülle ich die umgekehrt auch? Denn nicht alle Betriebe bilden gleich gut aus. Aber wir müssen unbedingt ausbilden, denn nur so bekommen wir die Fachkräfte, die unsere Existenz sichern.

MW: Welchen Tipp haben Sie für Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen?

Eva Melchers: Es ist hilfreich, sich über den Beruf gut zu informieren. Das machen schon sehr viele junge Leute. Aber sie sollten auch die Ausbildungsqualität der Betriebe hinterfragen, die ist nicht überall gleich. Zum Beispiel bei den Kosmetikschulen gibt es einen echten Wildwuchs. Und letztlich sollte die Chemie stimmen zwischen Azubi und Arbeitgeber.

MW: Und wie können Betriebe vorgehen, um geeignete Bewerber für Ausbildungsplätze zu finden?

Eva Melchers: Man kann die Angebote wahrnehmen, die der Unternehmerverband, die Innung, die Kreishandwerkerschaft oder die Arbeitsagentur anbieten. Das sind gute Plattformen, um Azubis zu finden.

MW: Andere Branchen klagen über zusätzliche Belastungen durch den Mindestlohn. Kann das auch ein Grund dafür sein, dass im Friseurhandwerk weniger ausgebildet wird?

Eva Melchers: Nein. Der Tarifvertrag für NRW legte bereits im vergangenen Jahr den Mindestlohn auf 8,50 Euro fest. Die Einführung des Mindestlohns ist daher für uns kein großes Problem. Wenn Mitarbeiter gut arbeiten, haben Sie meiner Meinung nach auch ein Anrecht darauf, übertariflich bezahlt zu werden. Als Betriebsinhaberin ist es auch meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass meine Mitarbeiter zufrieden sind.

MW: Und was ist mit dem Aufwand für die Dokumentationspflicht?

Eva Melchers: Da sind die Betriebe, die Mitglied in der Innung sind, auf jeden Fall im Vorteil. Sie haben über die Innung einen Tabellenvordruck bekommen, der nur ausgefüllt werden muss. Damit ist der Stundennachweis schnell erledigt.

Welche Vorteile gibt es noch, wenn Betriebe Mitglied der Innung sind?

Eva Melchers: Die Friseur-innung ist Ansprechpartner sowohl für die Azubis als auch für die Betriebe. Das kann besonders bei der Ausbildung vorteilhaft sein, weil man als Innungsmitglied niedrigere Prüfungskosten hat. Außerdem bietet die Innung Fachveranstaltungen an, man erhält Fachmodehefte günstiger und es gibt vergünstigte Konditionen bei der Gema, bei Telekommunikationsunternehmen und bei Versorgern. Außerdem erhalten Innungsmitglieder Unterstützung im administrativen Bereich. Die Innung organisiert zum Beispiel kostenlos Seminare wie Erste-Hilfe-Kurse, die die Betriebe laut Berufsgenossenschaft verpflichtend zu absolvieren haben. Und Azubis, die zum Beispiel mit ihrer Ausbildung unzufrieden sind und den Betrieb wechseln wollen, finden hier auch Hilfe.

Weitere Infos gibt es bei der Kreishandwerkerschaft in der Zunftmeisterstraße, Tel. 96 00 40.
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Manfred Wrobel aus Mülheim an der Ruhr | 08.03.2015 | 03:41  
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