Das Winterbrauchtum „Karneval“ hat jetzt ein eigenes Museum

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Fotos: Peter Hadasch
 

Brauchtumspflege und Brauchtumserhalt sind heutzutage fast wichtiger denn je. Brauchtum steht für Kontinuität, für Geselligkeit, für Spaß. Der Karneval ist Brauchtum mit langer Geschichte. Und das neue Karnevalsmuseum im Bunker an der Ebert-, Ecke Sedanstraße bewahrt wahre Schätze aus den vergangenen 100 Jahren.



Schon am Eingang begrüßen alte Ankündigungsplakate zu Karnevalssitzungen den Besucher. Wer sich ein wenig mit dem Oberhausener Karneval beschäftigt hat, der weiß: Im Jahr 1956 oder 1958 -aus dieser Zeit stammen zum Beispiel Plakate der Alten Oberhausener Karnevalsgesellschaft (AOK) - war eine karnevalistische Sitzung ein wahres gesellschaftliches Ereignis. Die Menschen wollten feiern. Das Ende des Zweiten Weltkriegs war gerade etwas mehr als zehn Jahre her, das Land befand sich im Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder war spürbar. Zu dieser Zeit und auch noch danach, gab es Gesellschaften, die pro Session mehr als eine Sitzung organisierten, weil die Nachfrage nach Eintrittskarten so groß war. Und diese Geschichte ist in dem Bunkermuseum auf knapp 120 Quadratmetern zusammen gefasst.

Zurzeit haben acht von 18 im Hauptausschuss Groß Oberhausener Karneval organisierten Gesellschaften eine Vitrine in dem Museum gemietet, um ihre karnevalistischen Devotionalien der Öffentlichkeit zu zeigen.
Zu sehen sind Standarten - auch von Vereinen, die es schon nicht mehr gibt, Orden, Mützen, Gedenk- oder Jubiläumsteller.
Ebenso hat der Hauptausschuss selbst Vitrinen, in denen verschiedene Prinzenzepter stehen und in denen Prinzenbücher, -mützen, Federn sowie silberne Trinkbecher zur Schau gestellt werden. Ob diese Becher, die ein wenig an Messweinkelche erinnern, eine Bedeutung haben und wenn ja welche, war allerdings nicht zu ergründen. Jedenfalls gab es eine Menge Prinzen, die laut Namensgravur solch einen Becher ihr Eigen nannten. Auch die beiden, vom Hauptausschuss unabhängigen Gemeinschaften, das „Ordenskapitel Närrische Weisheit“, besser bekannt als „Eulenorden“ und die noch junge Senatorengemeinschaft der „Bernhardiner“ haben je eine Vitrine für ihre Ausstellungsstücke gemietet. Damit soll die Verbundenheit zum Winterbrauchtum in Oberhausen und selbstverständlich auch zu dem Museum ausgedrückt werden.
Hauptausschusspräsident Ludger Decker ist stolz auf dieses Museum. Doch er betont ausdrücklich: „Dieses Museum hat mit dem Hauptausschuss nichts zu tun. Es ist in alleiniger Verantwortung des eigens dafür gegründeten Fördervereins ‚Karnevalsmuseum Oberhausen e.V.‘“

Förderverein ist Träger des Museums


Grundlage für die Ausstattung des Karnevalsmuseums war die Sammlung, die der mittlerweile verstorbene Karnevalist Hans de Wys zusammen getragen hat. Einen wahren Geschichtsschatz hatte er für die Nachwelt gesammelt, archiviert und auch verwaltet. Es gehörten auch alte Uniformen dazu, die jetzt zumindest zum Teil in einem Nebenraum des Museums hängen und darauf warten, auf Puppen oder Büsten drappiert, wieder in den Focus der Öffentlichkeit gerückt zu werden. In Spinden, die ebenfalls in diesem Nebenraum stehen, stapeln sich noch alte Prinzenbücher und Unterlagen einzelner Gesellschaften, die katalogisiert, archiviert und dann in die Vitrinenen gelegt werden müssen. Ebenso müssen noch eine Menge Prinzen- oder Sessionsorden in der Reihenfolge nach Jahren auf Brettern befestigt werden. Viel Arbeit, die da noch in nächster Zeit auf die Betreiber des Museums zukommt.
Ludger Decker ist Mitglied des Fördervereins und es war, so könnte man es nennen, ein Traum von ihm, dieses Museum zu errichten. Der Bunker, in dem sich die Räume befinden, ist Eigentum des Fördervereins der KG „Schwarz-Weiß Buschhausen“. Ludger Decker war lange Jahre Präsident der Gesellschaft. Da versteht es sich fast von selbst, dass das Karnevalsmuseum in der unteren Etage dieses Bunkers beheimatet ist.
Doch so einfach war es nicht. Es gab Befürworter, aber auch Skeptiker und Kritiker in den Gesellschaften. Die Errichtung konnte demnach nur durch die Gründung eines Fördervereins realisiert werden und nicht, wie ursprünglich geplant, in der Verantwortung des Hauptausschusses. Doch letztlich tat es der Umsetzung der Idee keinen Abbruch. Es dauerte nur ein wenig länger.
Mit Hilfe von Sponsoren und handwerklich geschickten Karnevalisten, exemplarisch sei da Dieter Wendt zu nennen, sind die Bunkerräume her- und eingerichtet worden.
Jetzt denken die Verantwortlichen darüber nach, zumindest im Sommer feste Öffnungszeiten für dieses „Bunkermuseum“ festzulegen, denn zurzeit kann das Museum nur nach vorheriger Terminabsprache besichtigt werden. Wer sich dafür interssiert, in die Geschichte des Oberhausener Karnevals einzutauchen, kann sich per E-Mail an karnevalsmuseum@karneval-in-oberhausen.com wenden oder telefonisch unter  01525-4072435 einen Termin abstimmen.
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Wolf Wigman aus Oberhausen | 02.02.2016 | 08:59  
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