RWO: Knapp an der Stadion-Katastrophe vorbei

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Untersuchung am Morgen des 22. Februar: Zahlreiche Bolzen zeigen sich lose, sind teilweise abgerostet. Der Mast neigte sich an dieser Stelle mit metallischen Größen um 1,20 Meter.
 
Für die Untersuchung wurde nach dem zwangsläufig erforderlichen Abriss Anfang März - der Mast war akut einsturzgefährdet - ein Mastteilstück abgetrennt. Dieses Maststück wurde statisch konstruktiv, aber auch metallurgisch (Spektralanalyse) untersucht.

Es waren nur noch einige wenige Bolzen, die eine mögliche Katastrophe im Stadion Niederrhein verhinderten.

Am 21. Februar neigte sich der nordöstliche Flutlichtmast des Stadions Niederrhein sowohl optisch als auch akustisch derart beängstigend, dass zwei Mitarbeiter des Stadtsportbunds Alarm schlugen. Der Rest ist bekannt, der Mast wurde abgetragen.
Aus dem Gutachten des beauftragten Sachverständigen, es liegt dem Wochen-Anzeiger Oberhausen vor, geht nun hervor, wie knapp es an einer möglichen Katastrophe vorbeiging.
Am Abend des 21. Februar traf der hinzugerufene Sachverständige am Stadion ein. Der Mast gab bei frischem Wind metallene ächzende Geräusche von sich und neigte sich um 1,20 Meter in Bezug auf die Vertikale in östliche Richtung. Daraufhin wurde der Platz weiträumig abgesperrt und das für das folgende Wochenende angesetzte Spiel von RW Oberhausen abgesagt.

Abgerostet, lose - mit dem Finger drückbar

Die Untersuchung am folgenden Tag ergab nach Entfernung der aufgebrachten Bandagen an den sogenannten Stoßstellen ein alarmierendes Bild. Es wurde erkannt, dass Befestigungsbolzen abgerostet, beziehungsweise lose waren. Man konnte diese zum Teil mit dem bloßen Finger in die dahinter liegende innere Konstruktion hineindrücken. Während dieser Aktion kam erneut Wind auf, so musste wieder schnell geräumt werden. Die anwesenden Vertreter der Stadt, auch des Vereins, haben dann fluchtartig, ursächlich aus der Schiefstellung des Mastes und dem damit verbundenen lauten Geräusch, das Umfeld verlassen.
Bei den Flutlichtmasten handelt es sich um eine 34 Meter hohe Stahlkonstruktion aus zusammengeschweißten sechseckförmigen Blechen, auf die ein sechs mal zwölf Meter großes Flutlichtkabinett aufgesetzt ist. Die 15 Millimeter starken Stahlbleche sind über eine von innen eingeschweißte Winkelkonstruktion verbunden. Diese Winkelkonstruktion ist durchbohrt und mit zahlreichen Bolzen, die in eine von außen liegende Platte eingeschweißt wurden, verbunden. Ferner von innen gegen eine Konterplatte verschraubt. Heute würde man nach Angaben der OGM so nicht mehr bauen.
Der nordöstliche Mast war akut einsturzgefährdet, da er nur noch mit einigen wenigen Bolzen gehalten wurde. Zur Vermeidung von Lebensgefahren, sowie aus Gründen des Sachschutzes, musste der Mast entfernt werden. Nicht auszudenken, der Stahlkoloss wäre auf die stark befahrene Lindnerstraße oder in ein von Zuschauern besuchtes Stadion gestürzt.
Die Stoßstellen der drei verbliebenen Masten wurden in der Folge begutachtet. Auch hier waren Mängel vorhanden, nicht so gravierend wie am abgetragenen Exemplar. Hier wurde inzwischen saniert, dabei sind die Winkelkonstruktionen zur Verstärkung angebracht worden.

Zusätzliche Maßnahmen getroffen

Der TÜV Nord hatte 2009 bemängelt, dass in die Stoßstellen der Masten Feuchtigkeit eingedrungen sei. Ein auf das Dachdecken spezialisiertes Unternehmen dichtete anschließend die betreffenden Bereiche neu ab. Der mit großer Wahrscheinlichkeit zu diesem Zeitpunkt längst wütende Rostfraß wurde so allerdings nicht gestoppt.
Der OGM sind entsprechend der geltenden Vorschriften keine Vorwürfe zu machen. Die Empfehlung, die lediglich einer „Soll-Bestimmung“ zu regelmäßigen Überprüfung gleichkommt, taugt jedoch wenig. Auf WA-Nachfrage erklärte die OGM, dass man nun für die möglicherweise von alten Masten ausgehende Gefahr besonders sensibilisiert sei. Regelmäßige Begehungen, um alle Gefahren auszuschließen, sind beschlossen. Zusätzlich werden noch alle Mastsockel mit Flachstahl überdeckt.

Neuer Flutlichtmast kommt im Herbst

Der neue Mast wurde nach der notwendigen Zustimmung durch den städtischen Sportausschuss nun in Auftrag gegeben. Er wird sich optisch an die verbliebenen drei Masten angleichen. Aktuell wird die Statik erstellt. Zur Flutlichtzeit der kommenden Saison, im Herbst 2014, soll der neue Mast in Betrieb gehen.
Die Kosten - ohne Elektrik - belaufen sich auf 80.000 Euro. Die gesicherten Flutlichter des abgetragenen Masts werden wieder installiert. (keite)
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