Mister Ruhrfestspiele: Flüchtlingsdrama und türkische Oprah Winfrey - Heyme feiert Premiere

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Hansgünther Heyme "in action". In seiner Zeit in Recklinghausen (1990-2003) hat er das Programm der Ruhrfestspiele hemmungslos sogar in der Damen-Unterwäsche-Abteilung von Karstadt verteilt. Auch Karstadt Recklinghausen ist jetzt Geschichte. (Foto: Stadtspiegel-Archiv-Foto)
 
Unter der Regie von Hansgünther Heyme spielt Patrick Abozen in dem Stück "Am Rand" den Azad, der nach Paris flüchtet. (Foto: Anatol Kotte)

Alle Welt spricht über Erdogan und sein mangelhaftes Verständnis für Demokratie - und Hansgünther Heyme beweist einmal mehr sein Gespür für (politische) Themen. Bei den Ruhrfestspielen, die in dieser Saison 70 Jahre alt werden, inszeniert der ehemalige Festivalleiter "Am Rand", ein Stück der türkischen Autorin, Journalistin und Dramatikerin Sedef Ecer.

Story: Tamar und Azad haben nur einander, beide sind Waisen. Sie leben illegal neben einer Müllhalde in der Siedlung aus selbstgebauten Baracken am Rande einer Großstadt. Das könnte Istanbul sein - aber auch Kairo oder Tripolis.

Liebesgeschichte, Sozialdrama

Azad bricht auf, um sich nach Paris durch zu schlagen, dem Ort der Verheißung. Tamar kann ihn nur wiedersehen, weil eine gute Fee aus der Fernsehshow (eine türkische Ophra Winfrey?) Wünsche erfüllt. Tamar findet schließlich Azad in Paris - in einem weiteren Vorstadt-Slum. Der Rand der europäischen Metropole ist nicht anders als in der Heimat.

Mitwirkende:
Natascha Clasing/ Milena Straube/ Evangelos Sargantzo/ Patrick Abozen/ Taneshia Abt/ Melek Erenay

Koproduktion Ruhrfestspiele Recklinghausen/ Kammerspiele Hamburg

Vorstellungen:
Kleines Theater im Ruhrfestspielhaus
Sonntag, 12 Juni, 18 Uhr, sowie am Montag und Dienstag (13./14. Juni), jeweils um 20 Uhr.
Karten: 02361/ 92 18 0

Zur Person Hansgünther Heyme


Hansgünther Heyme war von 1990 bis 2003 Intendant der Ruhrfestspiele Recklinghausen. Er baute das größte und älteste deutsche Theatefestival zum Europäischen Festival aus. Heyme holte die ersten internationalen Stars auf "den Hügel". Während seiner Zeit wurde das Ruhrfestspielhaus zum 50. Bestehen für damals 40. Mio. DM renoviert.
Während der Umbauphasen wurden die Ruhrfestspiele mobil, spielten an ungewöhnlichen Orten in der Vestlandhalle und im Bürgerhaus Süd in Recklinghausen, in der Grubenausbauwerkstatt der AV in Marl-Sinsen und in der Hertener Lohnhalle. Außerdem wurde damals das Theaterzelt als Spielstätte genutzt.
Heyme knüpfte als Intendant der Ruhrfestpiele Kontakte zu den großen deutschen Bühnen wie Thalia Theater Hamburg, Berliner Ensemble, St. Pauli Theater, Münchener Residenztheater sowie international bekannte Theatern in London, New York, Madrid, Athen, Warschau, Moskau, Australien, Brasilien.

Heyme, Jahrgang 1935, lernte bei Erwin Piscator, dem großen Theatermacher der 1920er Jahre. Zwischen 1957 und 1963 arbeitete Heyme dann als Schauspieler und Regisseur an den Theatern in Mannheim und Heidelberg, bevor er für fünf Jahre Hausregisseur am Staatstheater in Wiesbaden wurde. 1965 wurde er erstmals zum Berliner Theatertreffen eingeladen und galt seitdem neben Peter Stein als einer der bedeutenden Repräsentanten des neuen deutschen Regietheaters.
Ab Mitte der 1960er arbeitete Heyme an diversen Häusern in Europa als Gast-Regisseur zu inszenieren. 1968 wurde er Schauspielleiter der Städtischen Bühnen in Köln. Hier begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Übersetzer antiker griechischer Literatur Wolfgang Schadewaldt, dessen Textfassungen er in Köln auf die Bühne übertrug. 1979 wurde er nach elf Jahren in Köln als Nachfolger von Claus Peymann Intendant des Württembergischen Staatstheaters in Stuttgart. Er blieb dort bis 1985 und wurde danach Intendant des Grillo-Theater in Essen, wo er bis 1992 blieb. Während dieser Zeit arbeitete er eng mit der Folkwangschule zusammen, bildete junge Regisseure und Schauspieler aus. Er galt als "harter Hund".
Neben dieser Tätigkeit war Heyme von 1990 bis 2003 künstlerischer Leiter der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. Nach seinem Abschied von Essen wurde er Intendant des Schauspiel Bremen. Dort blieb er jedoch nur bis 1994, da es mit dem Bremer Senat erhebliche Auseinandersetzungen über die Finanzierung des Theaters gab.
Von 2004 bis Ende 2014 leitete Hansgünther Heymer das Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen am Rhein. 2007 wurde er für seine Theaterarbeit mit dem Kunstpreis Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Auch fürs Fernsehen hat Hansgünther Heyme gearbeitet: "Aus der Traum" war die 182. Folge der Fernsehreihe "Tatort". Die vom Südwestfunk (SWF) produzierte Folge wurde erstmals am 15. Juni 1986 in der ARD ausgestrahlt. Für Kriminalhauptkommissarin Hanne Wiegand (Karin Anselm) ist es der sechste Fall.
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