Wenn ein Top-Athlet Muskelkater bekommt

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Sprinter Julian Reus bereitet sich auf die im Januar beginnende Hallensaison vor. Foto: Archiv
Sprinter Julian Reus nach Verletzungspause wieder im Training

Der schnellste Deutsche trainiert wieder. Der Wattenscheider Sprinter Julian Reus hat nach einer vierwöchigen Pause das Training für die Leichtathletik-Saison 2015 aufgenommen.

Die Auszeit war nötig nach einer langen Saison, zumal der deutsche Rekordinhaber an Kniekehlen-Problemen laboriert hat, die ihn vor allem bei der Europameisterschaft in Zürich massiv behindert haben.
Am rechten Knie war es besonders schlimm. Nun geht es wieder: „Weg ist es noch nicht, dafür habe ich das auch einfach zu lange mit mir herum getragen. So eine Nervengeschichte ist nicht in zwei oder drei Wochen ausgeheilt. Aber ich bin optimistisch, dass es bis zur Hallensaison ausgestanden ist.“
Julian Reus plant für 2015 mit einer richtigen Hallensaison, nachdem er sich in diesem Jahr wegen der Dreifachbelastung durch Sport, Studium und Bundeswehr nur bei den Hallen-Meisterschaften in Leipzig gestellt hat. „Ich freue mich auf schöne Wettkämpfe in Düsseldorf, Karlsruhe oder Berlin“, sagt er, „dann gibt es auch noch eine EM in Prag. Das sind doch alles schöne Städte!“
Nun ist der Staffel-Zweite der Europameisterschaft von Zürich wieder mittendrin im Training, nachdem er zuvor auch nicht untätig gewesen war: „Ich habe wegen der Kniekehlen-Sache sicher eine Stunde am Tag was gemacht, Stabilitäts-Übungen, um das System zu stärken – und jeden zweiten Tag ging es zur Physiotherapie.“
Aber richtiges Training ist dann doch etwas anderes. Nach den ersten Einheiten seit Montag hat der Wattenscheider ganz ordinären Muskelkater, was ihm ganz gut gefällt. Die neue Saison ist noch weit weg, aber Julian Reus ist bereits fokussiert: „Ich bin heiß, ich freue mich auf die Wettkämpfe. Und ich sehe von Woche zu Woche Fortschritte.“

Ereignisreiches Jahr
2014 war ereignisreich und anstrengend für Julian Reus. Eine echte Achterbahnfahrt. In Ulm gewinnt er am 26. Juli den 100-Meter-Titel, nachdem er bereits im Halbfinale den Deutschen Uralt-Rekord auf 10,05 Sekunden verbessert hat. Und doch betont er danach, dass nichts wichtiger ist als die EM – die dann weitgehend zur Enttäuschung wird für den ehrgeizigen Wattenscheider.
„Ich bin da mit ganz anderen Zielen hingefahren“, sagt er. Halbfinal-Aus über 100 Meter und dann der Verzicht auf die doppelte Distanz wegen der gesundheitlichen Probleme. Eine ganz schwierige Situation, zumal Reus ja eine Säule der ambitionierten DLV-Staffel ist.
„Auch die mentale Belastung war groß – wenn du immer zum Arzt musst und nicht weißt, wo du stehst. Das macht auch keinen Spaß, und der gehört auch im Leistungssport dazu“, erklärt Reus nachdenklich. Dennoch hat er sich der Staffel zur Verfügung gestellt, als personifiziertes Fragezeichen gewissermaßen. Es ist gut gegangen: „Ich war sicher nicht bei 100 Prozent an diesem Tag. Und ich habe auch nicht gewusst, ob es hält. Ich bin unterm Strich froh, dass wir die Silbermedaille geholt haben.“

Wieder unter 10,10 Sekunden rennen
Im neuen Jahr will Reus wieder auf Medaillenjagd gehen. Die große Konstanz der letzten Jahre gibt ihm die Sicherheit, dass er auch 2015 wieder unter 10,10 Sekunden sprinten kann. Er will sich im kommenden Jahr aber auch über 200 Meter weiter verbessern. Und er wird sicher mit der gewohnten Ruhe die Fragen nach der Neun vor dem Komma beantworten – auch wenn er diese Spekulationen über die magische Marke der 100-Meter-Sprinter so gar nicht mag. Er wird zur Stelle sein, wenn der Moment für Außergewöhnliches da ist. So wie am 26. Juli im Donaustadion.
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