Missbrauchstaten im Bistum
Datteln: Name nicht mehr tragbar - Umbenennung des „Reinhard-Lettmann-Hauses“

Pfarreiratsmitglied Dr. Sebastian Speckbrock, Peter Frings, Interventionsbeauftragter des Bistums Münster, Stefan Feldhaus, Vorsitzender Pfarreirat, und Pfarrverwalter Bernhard Frankemölle (von links) beteiligten sich an der Diskussion.
  • Pfarreiratsmitglied Dr. Sebastian Speckbrock, Peter Frings, Interventionsbeauftragter des Bistums Münster, Stefan Feldhaus, Vorsitzender Pfarreirat, und Pfarrverwalter Bernhard Frankemölle (von links) beteiligten sich an der Diskussion.
  • Foto: Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe
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100 Interessierte kamen zur öffentlichen Sitzung des Pfarreirats St. Amandus in Datteln. Ist der Name „Reinhard-Lettmann-Haus“ für das Pfarrheim der Gemeinde St. Amandus noch tragbar oder nicht? Diese Frage beschäftigt viele Menschen in Datteln, der Geburtsstadt des 2013 verstorbenen ehemaligen Bischofs von Münster.

Denn vor einem dreiviertel Jahr wurde bekannt, dass Lettmann in seiner Funktion als Generalvikar des Bistums Münster den damals bereits wegen Missbrauchs verurteilten Priester Heinz Pottbäcker innerhalb des Bistums versetzt hatte. Auch an seinem neuen Einsatzort kam es in der Folge zu Missbrauchstaten.
„Wir haben intensiv in den Gremien diskutiert, wie wir mit dem Andenken an Reinhard Lettmann umgehen“, berichtete Dr. Sebastian Speckbrock, Mitglied des Pfarreirates, vor rund 100 Interessierten. Sie waren der Einladung zu einer öffentlichen Sitzung des Gremiums gefolgt. „Wir möchten Ihre Meinung zu diesem Thema erfahren. Aus erster Hand und nicht über Umwege, damit wir unser Votum an den Kirchenvorstand weitergeben können“, ermunterte Pfarreiratsvorsitzender Stefan Feldhaus die Teilnehmenden.

Und diese nahmen die Gelegenheit gern wahr. Zahlreiche Menschen kritisierten, dass Lettmann mit seinem Handeln viel Leid gedeckt und ermöglicht habe sowie das Thema vertuscht habe. „Es gibt keine Argumentation und auch keine hehren Motive, die sein Verhalten als Generalvikar entschuldigen“, sagte eine Teilnehmerin deutlich.
Einige wenige Gemeindemitglieder merkten an, dass die Reaktionen auf den Missbrauch im Zusammenhang der damaligen Zeit gesehen werden müssten und der Umgang damit nicht mit heutigen Maßstäben zu bewerten sei. Das konnte der Großteil der Zuhörer so nicht stehen lassen. „Heute darf das Verhalten nicht unter den Tisch gekehrt werden. Deshalb ist der Name nicht mehr tragbar“, betonte ein Teilnehmer. Und ein anderer ergänzte: „Wenn ich an die Opfer denke, muss das Haus umbenannt werden.“ Mit einem neuen Namen müsse ein Schlussstrich gezogen werden, „damit wir gut nach vorn schauen können“. Allerdings dürfe man nicht glauben, dass mit einer Umbenennung alles wieder in Ordnung sei. Die Geschichte müsse aufgearbeitet werden.
Aufmerksam hörten die Mitglieder des Pfarreirats der zwar emotional, aber fair geführten Diskussion unter der Moderation von Dr. Björn Enno Hermans zu. Ihnen war es ein Anliegen, die Diskussion öffentlich zu führen. Denn sie stimmten anschließend ab, ob das Haus umbenannt werden soll oder nicht.
Das Ergebnis der geheimen Wahl fiel eindeutig aus. Einstimmig sprach sich der Pfarreirat für eine Umbenennung aus. Dieses Votum geht nun an den Kirchenvorstand, der zeitnah abschließend entscheiden wird. „Ich bin froh, dass wir dieses einheitliche starke Votum weitergeben können“, sagte Pfarrverwalter Bernhard Frankemölle, der sich bei den Teilnehmern für die ruhige und besonnene Diskussion bedankte.

Autor:

Lokalkompass Ostvest aus Datteln

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