Einzelkritik und Analyse zum Spiel Deutschland gegen Mexiko: Wir haben ein Tempoproblem!

War gegen Mexiko ein echter Totalausfall: Sami Khedira.
  • War gegen Mexiko ein echter Totalausfall: Sami Khedira.
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Es war ernüchternd! Die meisten Deutschland-Fans hatten sogar die Erdogan-Affäre von Mesut Özil und Ilkay Gündogan hinten angestellt und fieberten mit "der Mannschaft" mit. Doch was im Auftaktspiel der Fußball-Weltmeisterschaft von Deutschland gegen Mexiko passierte, war in gewisser Weise ernüchternd. Ob eine Besserung in Sicht ist, darf bezweifelt werden, denn: Wir haben ein Tempoproblem!

Souverän sollte er aussehen, der erste Auftritt bei der WM in Russland. Doch es war alles andere, nur das nicht. Keine Abstimmung zwischen dem Mittelfeld und der Abwehr. Hummels und Boateng  konnten einem schon fast leid tun, so oft mussten sie sich einer mexikanischen Überzahl entgegenstemmen. Offenbar wollte Bundestrainer Jogi Löw schon nach einer halben Stunde Umstellungen vornehmen, denn zu diesem Zeitpunkt schickte er Marco Reus zum Aufwärmen. Doch leider war der Bundestrainer nicht konsequent genug, sonst hätte er den bis dahin desaströs spielen Sami Khedira schon auswechseln müssen. Der kam in keinen Zweikampf, versteckte sich oft als defensive Anspielstation und lief fast nur ein Tempo.

Khedira-Wechsel kam viel zu spät

Und da kommen wir zum größten Problem, der Schnelligkeit. Bezeichnend eine Situation nach gut 20 Minuten: Mesut Özil bekam endlich mal den Raum über die linke Seite, hatte rund zehn Meter Vorsprung vor einem Mexikaner, ging aber trotzdem nicht ins Tempodribbling brach den Angriff ab, um hinten herum wieder neu aufzubauen. Hinzu kam, dass sich die Mexikaner längst auf die gefühlten zwölf Übersteiger hintereinander von Julian Draxler eingestellt hatten.Erst mit dem leider zu spät eingewechselten Marco Reus kam mehr Tempo ins Angriffsspiel. Das lässt personell für die nächste Partie am Samstag (20 Uhr) gegen Schweden hoffen.

Jogi-Aussage ein Armutszeugnis

Die ernüchterndste Aussage machte nach dem Spiel aber Jogi Löw. Er brachte die Niederlage in einen Zusammenhang mit dem effektiven Zustellen von Mittelfeld-Regisseur Toni Kroos. Wenn es so einfach ist, eine deutsche Nationalmannschaft auszuschalten, dann gute Nacht! Schweden und Südkorea wissen spätestens jetzt was sie zu tun haben.

Hier nun die Einzelkritik:

Manuel Neuer: Trotz großer Fragezeichen bezüglich mangelnder Spielpraxis, strahlte er Ruhe und Sicherheit, spätestens nach dem ersten klärenden Notfall-Ausflug außerhalb des Sechzehners aus. Beim Gegentor war er noch mit den Fingerspitzen 'dran, konnte aber nicht mehr entscheidend abwehren.
Mats Hummels: Versuchte leider vergeblich beim Gegentor den mexikanischen Konter schon an der Mittellinie zu unterbinden. Dadurch stand Boateng zunächst allein gegen drei Mittelamerikaner. Ansonsten bügelte Hummels zahlreiche Fehler der Vorderleute aus, hatte aber den ein oder anderen Patzer im Aufbauspiel.
Jerome Boateng: Auch ihm fehlte vor der Partie die Spielpraxis. Dennoch zeigte Boateng, wie wichtig er für die Mannschaft sein kann. Mit einem Rettungs-Tackling verhinderte er den frühen Rückstand. Seinen öffnenden Seitenwechseln fehlte es noch an Präzision, aber ansonsten machte er eine ordentliche Partie.
Joshua Kimmich: Offensiv und als Vorbereiter nicht so stark wie sonst, stand sich mit Müller zwischendurch mal gegenseitig im Wege. Defensiv wurde er oft allein gelassen, war nicht so bissig wie sonst. Schön sein Fallrückzieher, der nur af dem Tordach landete.
Marvin Plattenhardt: Bemitleidenswert, wie wenig er ins Offensiv-Spiel einbezogen wurde. Plattenhardt konnte machen was er wollte - weder Draxler noch Özil brachten den eigentlich guten Flankengeber in diese Position. Defensiv brannte auf seiner Seite weniger an, als bei Kimmich.
Toni Kroos: Wurde häufig von den Mexikanern zugestellt, versuchte dennoch das Spiel zu gestalten. Oft fehlten ihm, mangels ausreichender Bewegung seiner Mitspieler, die Anspielstationen. Kroos hatte mit seinem Freistoß Pech. Der wurde noch an die Latte gelenkt.
Sami Khedira: Totalausfall! Hätte schon nach 30 Minuten ausgewechselt werden müssen. Kein Tempo ohne Ball, kein Tempo mit Ball. Er gewann kaum einen
Zweikampf und sorgte zudem noch für den entscheidenden Ballverlust vor dem Gegentor. 
Mesut Özil: Erneut ein lethargischer Auftritt des Hochbegabten. Nur großes Talent haben reicht halt nicht. Obwohl er ab und zu die Positionen wechselte, verpufften seine Ideen im Klein-Klein-Spiel. Özil versuchte beim Gegentor noch mit einen langen Spurt die blanke rechte Seite zuzumachen, offenbarte im 1:1 mit dem Torschützen Lozano aber seine Defensiv-Schwäche.
Thomas Müller: Durch seine manchmal unorthodoxe und schwer ausrechenbare Spielweise, wird er oft von den Gegnern gefürchtet. Nicht so gegen Mexiko. Seine Flanken und Pässe kamen häufig nicht an und im Strafraum entwickelter er kaum bis keine Torgefahr.
Julian Draxler: Ihm hat es nicht gut getan schon frühzeitig von seinem Platz in der Startelf erfahren zu haben. Er verzettelte sich oft in Dribblings, vergaß seinen Partner Plattenhardt mit ins Spiel einzubeziehen und hatte kaum Durchschlagskraft.
Timo Werner: Rackerte und mühte sich, bekam aber kaum Raum seine Schnelligkeit auszuspielen. Zog sofort ab, wenn er die Chance dazu hatte. Allerdings waren seine Abschlüsse nicht genau gezielt.
Marco Reus (60. Minute für Sami Khedira): Kam leider zu spät ins Spiel. Zeigte aber gleich, warum künftig mit ihm zu rechnen ist. Er sorgte mit seinen Dribblings und Abschlüssen für viel mehr Torgefahr. Muss ab sofort in die Startelf!
Mario Gomez (79. Minute für Marvin Plattenhardt): Kam als Joker spät, hatte aber kurz vor dem Ende noch ein Kopfballchance. Dabei kam er aber zu sehr in Rücklage und konnte den Ball nicht mehr drücken.
Julian Brandt (86. für Timo Werner): Hätte fast noch den Ausgleich erzielt, traf mit einem spektakulären Fernschuss aber nur den Außenpfosten. Brandt sorgte über ein Grinse-Selfie mit deutschen Fans nach Spielende allerdings für mehr Diskussionen.

Autor:

Thomas Knackert aus Velbert-Langenberg

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