Das Lachen bleibt im Halse stecken: Elfriede Jelineks "Kein Licht" im Prinzregenttheater

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Zwei Geigenspieler, dargestellt von Helge Salnikau und Corinna Pohlmann, bewegen sich durch eine apokalyptische Landschaft. (Foto: Schuck)

Wer ist schuld an Reaktorkatastrophen wie der in Fukushima im Jahre 2011? - Sind es die Atomkonzerne, die aus Profitinteresse die Sicherheit der Bevölkerung aus den Augen verlieren? Sind es deren Aktionäre, die die Verantwortlichen unter Druck setzen? Oder sind es nicht doch auch die Verbraucher, die ihre Nachttischlampe mit billigem Strom betreiben wollen, um vor dem Schlafengehen noch ein wenig zu lesen? Vielleicht ist es auch die Natur, die dem Menschen durch Unwägbarkeiten wie Erdbeben einen Strich durch seine wohlkalkulierte Rechnung macht. - Der junge Regisseur Daniel Kunze begnügt sich in seiner Inszenierung von Elfriede Jelineks „Kein Licht“ am Prinzregenttheater nicht mit einfachen Antworten.

Das Theater an der Grenze zwischen Wiemelhausen und Weitmar setzt damit seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Regieklasse der Folkwang Universität der Künste fort, aus der vor einem Jahr die Produktion "Helden" entstanden ist. Dabei kann Kunze sich auf zwei Schauspieler stützen, die an der Prinz-Regent-Straße keine Unbekannten sind: Corinna Pohlmann war schon bei „Helden“ dabei, Helge Salnikau ist auch in der Wolfgang-Herrndorf-Adaption „Tschick“ zu sehen. Pohlmann kann, wie schon in der PRT-Produktion „Peer Gynt“, ihr Gesangstalent in den Dienst der Sache stellen; Salnikau, der am PRT seine eigene Late-Night-Show hat, darf seine parodistischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

An der Grenze zum Kalauer

In Casting-Shows und Reality-TV verkommt das Leid der Strahlenopfer zum Themenlieferanten. Wenn Salnikau Dieter Bohlen oder Helge Schneider gekonnt nachahmt, macht das erst richtig deutlich, wie makaber unser Umgang mit menschlichem Leid ist. Jelineks Hang zu Wortspielen an der Grenze zum Kalauer, den ihre Leser schon aus Romanen wie „Lust“ kennen, führt auf diese Weise nicht dazu, dass der Ernst des Themas in den Hintergrund gerät – im Gegenteil. Die Sprache ist von hoher Musikalität - schließlich sind die beiden Protagonisten Geigenspieler. Die Musik der Inszenierung schafft gekonnt Zugänge zum Bild einer geknechteten Natur.
Phantasievolle Kostüme zwischen Hot Pants und Overall, zwischen Lurex und Funktionskleidung führen die Differenz vor Augen, die die Welt vor dem Super-GAU in der Zeit danach so unwirklich erscheinen lässt.
Das Lachen bleibt einem als Zuschauer an diesem Abend so manches Mal im Halse stecken. Und das ist gerade die Stärke dieser Inszenierung.

Termine
Am Mittwoch, 1. Februar, ist „Kein Licht“ um 19.30 Uhr erneut im Prinzregenttheater, Prinz-Regent-Straße 50-60, zu sehen.
Eine weitere Vorstellung folgt am Donnerstag, 2. Februar, ebenfalls um 19.30 Uhr.
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