"Der kleine Vampir": Ein gruseliger Spaß im Theater Rottstr5

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Ein bisschen Grusel ist vorprogrammiert - aber auch jede Menge Spaß: Die "Truffaldinos", das Kinder- und Jugendensemble des Theaters Rottstr5, bringen mit "Der kleine Vampir" in diesem Jahr schon ihr sechstes Weihnachtsstück auf die kleine Bühne. (Foto: rottstr5-Theater)
 
Schick in Schale: Dominik Beierle (Alfred Bohnsack) und Clara F. Kogel (Helga Bohnsack). (Foto: rottstr5-Theater)
 
Ganz schön schauerlich: Anna Janßen, Carla Olschewski und Christina Vogel Martin in Aktion. (Foto: rottstr5-Theater)
Am Sonntag feiert schon das sechste Weihnachtsstück der "Truffaldinos" Premiere an der Off-Bühne

Im Moment müssen sie kürzen, kürzen und noch mal kürzen: "Das ist die schwierigste Aufgabe", weiß Tanja Grix und seufzt: "Wir haben so viele Szenen geprobt, jetzt geht es darum, welche drinbleiben darf und welche rausfallen muss." Da ist sie als Regisseurin gefragt. "Das kostet mich jedes Mal Nerven." Die Zeit drängt: Am ersten Adventssonntag, 27. November, feiert das diesjährige Weihnachtsmärchen der "Truffaldinos", der Kinder- und Jugendgruppe des Theaters Rottstr5, Premiere. Dann wird "Der kleine Vampir" die Bühne unter den S-Bahn-Bögen heimsuchen.

Die Idee zum "Kleinen Vampir" kam von den Kindern selbst: "Die fragen immer schon kurz vor einer Premiere, was wir denn wohl als Nächstes spielen." Wer aber schließlich welche Rolle bekommt, das entscheidet Tanja Grix. "Ich sehe manchmal vielleicht Dinge, die die Kinder gar nicht in sich selbst sehen - wer eher lustig ist etwa oder wer eher eine ernste Rolle spielen kann." Letztlich aber sei immer wichtig, dass sich die Kinder in ihren Rollen wohl fühlten. "Nur dann kann es funktionieren." Nur ein einziges Mal, gibt Tanja Grix zu, habe sie in all' den Jahren falsch gelegen.
Nach "Hotzenplotz", "Ronja Räubertochter", "Peter Pan", "Das Dschungelbuch" und "Schneewittchen und die sieben Zwerge" ist es schon das sechste Weihnachtsstück, das die Kinder seit 2010 in dem kleinen Off-Theater auf die Bühne bringen. Nur im letzten Jahr gab es eine - unfreiwillige - Pause: "Die Situation ist für einige Kinder aufgrund der schulischen Belastung sehr schwierig geworden, sie hatten neue Studenpläne und konnten einfach nicht mehr regelmäßig zu den Proben kommen", erläutert Tanja Grix, die die Kindertheatergruppe aufgebaut hat und seither mit viel Herzblut leitet. "Wir mussten dann sechs Wochen vor der Premiere die Reißleine ziehen. Das war mit sehr vielen Tränen verbunden."

Auch Jungs trauen sich


In diesem Jahr also präsentieren sich die Truffaldinos nach einem Personalwechsel als in Teilen neu aufgestellte Gruppe: "Es werden einige neue Kinder zu sehen sein, aber auch Kinder, die schon seit vielen Jahren dabei sind", verspricht Tanja Grix. Was sie besonders freut: Anders als in den Anfangsjahren gehören inzwischen auch Jungs zu den Truffaldinos. "Fast 50 Prozent!", schmunzelt sie. Mit von der Partie sind: Dominik Beierle, Jakob Ehlert, Levian Grenzbach, Lilli Grix, Anna Janßen, Ceyda Kaygisiz, Levi Klein, Clara F. Kogel, Christina Vogel Martin und Carla Olschewski.
Die Kinder im Alter zwischen acht und elf Jahren proben einmal wöchentlich gemeinsam in der Rottstr5 - in den letzten Wochen kam ein zweiter Probentag am Wochenende hinzu. "Wir gehen ein Jahr lang gemeinsam auf eine Entdeckungsreise, wir können dabei jede Woche Neues entdecken, uns ausprobieren und Ideen sammeln."
Wenn sich die Truffaldinos mittwochs zur Probe treffen, dann bleibt der Alltag draußen - und alles, was auf der Bühne passiert, bleibt in den Gewölben unter den Bahngleisen. "Der Theaterraum ist für uns ein heiliger Raum, aus dem nichts nach außen dringen darf, solange wir es nicht selbst wollen." Deshalb müsse auch niemand Angst haben, sich zu blamieren: "Es gibt kein Richtig und kein Falsch und niemand wird ausgelacht."
Gerade das sei letztlich auch ein Garant für die hohe Qualität der Inszenierungen: "Die Kinder haben einen hohen Anspruch an sich selbst. Sie probieren sich aber auch gerne mal aus." Deshalb sei Theaterspielen auch immer ein Selbstfindungsprozess. "Ich nehme die Kinder ernst, aber ich will keine kleinen Erwachsenen aus ihnen machen."
Hätte man ihr vor sechs Jahren gesagt, dass die Truffaldinos über eine so lange Zeit zusammenbleiben, zu einer solch eingeschworenen Gruppe zusammenwachsen würden - "ich hätte es gehofft, aber nicht damit gerechnet", gibt Tanja Grix zu. "Die Truffaldinos sind über die Jahre eine richtige Familie geworden. Es sind auch meine Kinder."

Kindertheater trifft Rock'n'Roll


Dabei sei die Kindertheatergruppe des Rottstraßentheaters zunächst aus einer adhoc-Idee entstanden. "Ich komme ja eigentlich vom Erwachsenen-Theater, hatte aber an meiner letzten Station in Bremen schon einmal ein Kinderstück inszeniert. Nachdem wir nach Bochum gezogen sind und meine Tochter zur Welt kam, ist mir klar geworden, dass ich auch hier unheimlich gerne Kindertheater machen würde."
Das Besondere an den Truffaldinos war von Anfang an: Hier spielen Kinder für Kinder - eine Idee, die Tanja Grix besonders wichtig war. "Ich habe damals Arne Nobel im 'Café Konkret' getroffen. Ich wusste ja, dass das Theater Rottstr5 diesen Rock'n'Roll-Ansatz hatte und anders als die etablierten Theater sein wollte." Tanja Grix ging auf den Mitbegründer der Off-Bühne zu und sagte ihm, dass sie gerne Kindertheater bei ihm machen wolle. Die Antwort fiel Nobel-typisch aus: "Er sagte: 'Ja mach doch, finde ich super'", erinnert sich Tanja Grix lachend. "Dann ließ er mich machen."

Auch Truffaldinos werden erwachsen


Aus den Truffaldinos der ersten Stunde sind mittlerweile junge Frauen geworden: "Die machen inzwischen Abi und ihren Führerschein", sieht Tanja Grix mit ein wenig Wehmut "ihre" Kinder groß werden. Theaterspielen wollen sie weiterhin - für Weihnachtsmärchen allerdings fühlen sie sich ein wenig zu erwachsen. Deshalb bilden diese "älteren" Truffaldinos eine eigene Gruppe, die mit "Diener zweier Herren" bereits ihr erstes Stück auf die Bühne gebracht hat und gerade an Garcia Lorcas "Bernada Albas Haus" arbeitet. "Das Stück gefiel ihnen auch deshalb, weil es ausschließlich Frauenrollen hat und sie daher endlich mal Frauen spielen können."
Eine von ihnen, erzählt Tanja Grix, habe ihr neulich gesagt, dass das Theaterspielen bei den Truffaldinos so viel in ihrem Leben beeinflusst habe. "Das war für mich das Schönste. Und es trifft ja auch für mich zu - die Truffaldinos haben auch mein Leben verändert."

TERMINE:


• Premiere von "Der kleine Vampir" ist am Sonntag, 27. November.
• Weitere Vorstellungen finden am Samstag, 10. Dezember, Sonntag, 11. Dezember, sowie am Sonntag, 18. Dezember, statt.
• Beginn ist jeweils um 14 Uhr.
• Kartenvorbestellung unter Tel.: 0163/7615071 oder karten@rottstr.de.
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