Interkulturelles Theaterprojekt studiert "Peer Gynt" ein und kann sich dabei über eine großzügige Spende freuen

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Die Theatergruppe und die Spender freuen sich auf die neue Produktion, die im Januar Premiere hat. (Foto: Theater)
 
Bei der ersten Probe werden Bewegungsübungen durchgeführt. (Foto: Theater)

„Im letzten Sommer habe ich erstmals ein Theaterprojekt mit jungen unbegleiteten Flüchtlingen gestartet“, erzählt der Hajo Salmen, Studiendirektor im Ruhestand, der in der Flüchtlingshilfe Weitmar aktiv ist. Die erste Auflage war so erfolgreich, dass nun eine Fortsetzung ansteht, für die auch noch neue Mitstreiter gesucht werden.

„Junge unbegleitete Geflüchtete sind fast immer männlich. Auch deshalb haben wir Deutsche mit Migrationshintergrund gesucht, um auch Schauspielerinnen dabei zu haben“, blickt Salmen zurück. Aynur Terzi, die Salmen als „wunderbare Schauspielerin“ schätzt, wird ein wenig kribbelig, als sie das hört. Sie stellt klar: „Wir sind einfach Menschen unterschiedlichen Alters. Das ist kein Flüchtlingsprojekt.“ - Salmen, der vielen Bochumern als Vorsitzender des Freundeskreises des Schauspielhauses bekannt ist, wurde durch Martina van Boxen, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, auf Manuel Moser aufmerksam. Der Schauspieler und Regisseur leitet das Projekt mit Sibel Polat, ebenfalls Schauspielerin. Van Boxen war es auch, die die Gruppe, die 2016 noch unter „Ich Habibi“ firmierte, sich in den nächsten Wochen aber einen neuen Namen geben will, ermutigte, sich für das Theatertreffen der Jugend im Rahmen der Berliner Festspiele zu bewerben. „Schon die Tatsache, dass wir nominiert worden sind, war ein Riesenerfolg, auch wenn wir den Preis dann nicht gewonnen haben“, zeigt sich Salmen, der die Theatergruppe in organisatorischen Fragen unterstützt, zufrieden.

Ankommen und Dableiben

Das erste Stück war eine selbstentwickelte Szenenfolge zum Thema „Ankommen“. „Im zweiten Anlauf“, gibt Moser die Richtung vor, „muss es heißen: 'Wir sind da.'“ - Als Stückvorlage dient eins der ganz großen Dramen der Weltliteratur: Henrik Ibsens „Peer Gynt“. „Es geht um dir Idee“, begründet Moser die Stoffwahl, „dass er eine eigene Fantasiewelt kreiert, in der er lebt.“ Salmen findet „Peer Gynt“ auch noch aus anderen Gründen geeignet: „Ich weiß nicht, ob die Szene am Ende überhaupt in unserer Inszenierung vorkommt, aber es geht im Drama auch um eine Überfahrt, bei der das Boot kentert. Das Stück spielt an den unterschiedlichsten Plätzen wie Norwegen und Afrika.“
Die Premiere wird im Januar in der Zeche 1 an der Prinz-Regent-Straße sein, aber auch Aufführungen in Köln sind geplant. „Acht oder neun feste Spieltermine sind angesetzt“, sagt Moser zufrieden. - Da trifft es sich gut, dass die Gruppe mittlerweile auch hervorragend mit technischem Equipment ausgestattet ist. „Damit lässt sich auf der Bühne Nebel erzeugen“, freut sich der Regisseur, „man kann da heute tolle Sachen machen.“

Hüftgold und Nervennahrung

Die Ausrüstung verdankt sich dem privaten Engagement einer Gruppe von Freunden, die einen Kochclub gegründet haben, bei dem sie sich im Stil der Fernsehsendung „Das perfekte Dinner“ gegenseitig bekochen und Punkte vergeben, die in Geldspenden umgewandelt werden, mit denen sie schon mehrfach soziale Projekte unterstützt haben. Die Gruppe mit dem aparten Namen „Hüftgold“ hat sich also jetzt entschlossen, die Theaterarbeit des interkulturellen Ensembles zu fördern. Die Spender, die ausdrücklich nicht namentlich genannt werden möchten, verraten schmunzelnd: „Wir mussten uns bei den Namen der Gerätschaften, die wir bestellt haben, ganz auf die Angaben der Theaterleute verlassen – als Laien wären wir da sonst überfordert.“ Auf große Resonanz stößt auch die Ankündigung der Sponsoren, die jungen Schauspieler während des Probenprozesses immer wieder mit Nervennahrung in Form von Süßigkeiten zu unterstützen.

Offen für neue Mitstreiter

„Viele Teilnehmer“, erzählt Regisseur Moser, „bringen Freunde zu den Proben mit. Aber auch andere Mitstreiter sind willkommen. Wir suchen nämlich noch neue Schauspieler.“ - Dabei gehe es um Kunst. „Ich sehe unsere Arbeit nur in zweiter Linie als pädagogisches Projekt“, ordnet Moser ein. Dagegen sieht Hajo Salmen allerdings auch bedeutsame Unterschiede zu Inszenierungen mit Profischauspielern: „Die Arbeit ist stärker performativ und deshalb sehr authentisch.“

Einstieg in die Probenarbeit

Beim Einstieg in die Probenarbeit bleibt „Peer Gynt“ noch außen vor. „Wir machen Bewegungs- und Stimmübungen. Auch Spiele kommen zum Einsatz. Während der ersten beiden Jahre an der Schauspielschule habe ich ähnliche Sachen gemacht. Das ist immer sehr lustig. Auf diese Weise erschaffen wir ein Team“, erzählt Moser. - Salmen ergänzt: „Es dauert immer, bis sich der harte Kern herausgebildet hat. In den ersten Wochen scheiden noch einige Akteure aus.“
Die, die zur ersten Probe erschienen sind, erarbeiten anhand praktischer Übungen, die ihnen sichtlich Vergnügen bereiten, die Regeln der nonverbalen Kommunikation und ein Gefühl für Interaktion. „Das Ziel“, erklärt Manuel Moser, „ist es, eine große Gruppe zu werden. Dazu müssen die Teilnehmer Gelegenheit haben, Vertrauen zueinander zu entwickeln. Auf der Bühne sind Phantasie und Spiel wichtig.“

Info
Wer beim Projekt mitmachen möchte, erhält unter info@manuel-moser.de nähere Auskünfte.
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