"Ödipus" in 45 Minuten: Das Rottstr5-Theater bringt einen klassischen Stoff komprimiert auf die Bühne

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Szenenfoto (Foto: Ganzek)

„Sophokles hat die Ödipus-Geschichte in zwei Dramen behandelt“, erzählt der 28-jährige Regisseur Jakob Arnold, der sich des klassischen Stoffes im Rottstr5-Theater annimmt. Bei der Premiere am Sonntag, 12. März, erwartet das Publikum ein ungewöhnlicher Zugriff auf den Stoff.

Die beiden Sophokles-Stücke, „König Ödipus“ und „Ödipus auf Kolonos“ werden an diesem Abend nämlich zusammengeführt. „Dieses Konzept“, verrät Arnold, „hatte Hanns-Dietrich Schmidt bereits für die Ruhrfestspiele in Recklinghausen angedacht, ohne die entsprechende Textfassung tatsächlich fertigzustellen.“ Schmidt ist Professor für Regie, Dramaturgie und Ensemble an der Folkwang Universität der Künste, an der Arnold kurz vor seinem Abschluss steht. Für ihn ist die „Ödipus“-Inszenierung etwas ganz Besonderes: „Es ist meine erste Produktion außerhalb der Hochschule.“
Dafür hat er die komprimierte Version des Dramas um Ödipus, der seinen Vater ermordet und ein inzestuöses Verhältnis zu seiner Mutter eingeht, mit Schmidt gemeinsam vollendet. Und der Begriff „komprimiert“ ist hier wirklich angebracht – in rund 45 Minuten wird einer der berühmtesten Stoffe der Weltliteratur auf die Bühne gebracht. „Am Ende ist der Zuschauer fix und fertig“, prophezeit Hans Dreher, Leiter des Theaters unter den Gleisen. „Der Experimentcharakter steht im Vordergrund. Wir schaffen eine Versuchsanordnung – anders ist die Realisierung des Stoffes auch gar nicht möglich“, gibt der junge Regisseur Einblick in sein Konzept.


Exemplarisch katastrophal

Sophokles' Bearbeitung des „Ödipus“-Mythos, im 5. Jahrhundert vor Christus entstanden, sei „exemplarisch katastrophal“. „Es geht um Veräußerung – Ödipus rekapituliert sein Leben permanent“, sagt Dreher und fügt hinzu, „das Motto könnte lauten: 'Ich rede, also bin ich.'“
Verfluchung, Inzest, Unheiligkeit, für Arnold ist der „Horror der Familie“ Dreh- und Angelpunkt des Geschehens: „So schlage ich eine Schneise in den Stoff hinein.“ - „Es geht um eine Familienhölle“, ergänzt Dreher, „die jedoch nichts mit den Dramen Ibsens oder Tschechows gemein hat. Schließlich haben hier die Götter stets die Hände im Spiel.“

Jost Grix spielt die Titelrolle

In der Titelrolle ist Jost Grix zu sehen, den regelmäßige Besucher des Rottstr5-Theaters unter anderem aus „Der Tod und das Mädchen“ kennen. Im Schauspielhaus zeigt er im Kinder- und Familienstück „Eine Woche voller Samstage“ sein komisches Talent. Ihm zur Seite stehen die Schauspielstudierenden Leonard Meier und Clara Kroneck von der Folkwang Universität - „Ödipus“ ist wie zuvor bereits „Oleanna“ in der Regie von Alexander Olbrich aus der Kooperation der Hochschule mit dem Rottstr5-Theater hervorgegangen. Regiestudenten können ihre Arbeiten so einem größeren Publikum vorstellen.

Ehrfurcht vor dem Stoff

Arnold kann dabei seinem Interesse für Sprache frönen. „Anfangs hatte ich so große Ehrfurcht vor dem Stoff, dass ich ihn nicht inszenieren wollte. Dann habe ich aber meinen eigenen Zugriff entwickelt und konnte auch meiner Leidenschaft, Texte zu bearbeiten, Raum geben. Die Frage, ob im Drama am Ende Versöhnung und Vergebung stehen, beantworte ich negativ. Ich habe große Zweifel, ob der Kolonos-Mythos tatsächlich eine Erlösungsgeschichte ist, wie das die Forschung meist behauptet. Schließlich gibt Ödipus den Familienfluch an die nächste Generation weiter.“

Termine
Seine Premiere erlebt „Ödipus“ am Sonntag, 12. März, um 19.30 Uhr im Rottstr5-Theater.
Auch am Donnerstag, 23. März, ist das Stück um 19.30 Uhr zu sehen.
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