Kita-Betreuung wird flexibler: Sozialdezernentin Britta Anger stellt Bildungs- und Förderprojekte vor

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Bochums Sozialdezernentin Britta Anger spricht am 16. August auf einem Balkon des Rathauses mit Journalisten. (Foto: Lutz Leitmann / Stadt Bochum, Referat für Kommunikation)

Frühkindliche Bildung ist ein Baustein der „Bochum Strategie 2030“, dem städtischen Entwicklungskonzept. Chancengerechte individuelle Förderung ist ein weiterer. Welche Projekte hierzu in den nächsten Wochen starten werden, erläuterte Sozialdezernentin Britta Anger in einem Pressegespräch.

Am 1. Oktober läuft das Bundesprogramm „Kita-Einstieg – Brücken bauen in frühe Bildung“ in Bochum an. Ziel ist es, die Zahl der Kinder aus Flüchtlings- oder sozial benachteiligten Familien, die eine Kita besuchen, zu erhöhen. Dazu sollen ihre Eltern an das Thema herangeführt werden, indem sie zum Beispiel eine Einrichtung kennenlernen können.
„Bildung fängt bei den Kleinsten an. Nicht erst in der Schule“, verdeutlicht Anger die Bedeutung des über drei Jahre laufenden Programms. Der Bund fördert Stellen bei der städtischen Familienbildungsstätte, dem Kita-Zweckverband und der AWO für das Projekt mit insgesamt 150.000 Euro pro Jahr.

Flexiblere Kita-Betreuung

Auch eine flexiblere Kita-Betreuung hat sich die Stadt auf die Fahne geschrieben. In jedem der sechs Stadtbezirke soll zunächst eine Kita von 6 oder 7 Uhr bis 20.30 Uhr geöffnet haben. „Wir sind in der Vorplanung“, geht Anger davon aus, dass die Umsetzung zum Sommer 2019 erfolgen kann.
In Altenbochum läuft in der katholischen Kita Liebfrauen bereits das Pilotprojekt „St. Maximus“ für Drei- bis Sechsjährige. Die Kita hat 24 Stunden am Tag geöffnet und betreut die Kinder 50 Stunden die Woche. „Damit haben wir total positive Erfahrungen gemacht“, so Anger. Im Gegensatz dazu mache man die Erfahrung, „dass das Kinderbildungsgesetz mit seiner 45-Stunden-Regelung den beruflichen Anforderungen der Eltern nicht entspricht“, erläutert sie, warum die Stadt eine flexiblere Betreuung schaffen will.
Bisher ist dies an den Finanzen gescheitert. Mindestens eine Million Euro werde es auf Dauer kosten, die Räumlichkeiten und das Personal entsprechend aufzustocken. Die Summe sei aber nun für die „Bochum Strategie“ als Haushaltsposition vorgesehen, so Anger. „Ich hoffe, dass der Rat zustimmt.“

Beschäftigungsgesellschaft

Auch zwei Projekte für Erwachsene laufen an. Zum einen möchte die Verwaltung eine Beschäftigungsgesellschaft gründen, um Langzeitarbeitslosen einen Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen. Dabei steht im Mittelpunkt, dass dieser Wiedereinstieg dauerhaft und unbefristet ist. In der Diskussion sind Tätigkeitsbereiche wie Pflege, Service und Grünarbeiten.
„Es gibt etwa 7.000 Langzeitarbeitslose in Bochum“, erklärt Anger. 100 von ihnen will man über die Gesellschaft eine Perspektive bieten. „Dabei geht es nicht nur darum, Menschen auf einen Arbeitsplatz zu setzen, sondern auch um pädagogische Begleitung“, sagt Anger. Anfang 2019 sollen die Teilnehmer ihre Arbeit aufnehmen können.
Bereits am 1. September fängt das Projekt zur Qualifizierung und Ausbildung von Zugewanderten (QuAZ) auf der ehemaligen Opel-Fläche in Langendreer an. „Das Besondere daran ist, dass berufliche Qualifizierung und Spracherwerb parallel laufen“, so Anger. Aus Bochum werden 100 Zugewanderte, die zurzeit von Jobcenter und Agentur für Arbeit ausgewählt werden, daran teilnehmen. Die Qualifizierung dauert ein halbes Jahr, kann aber um ein weiteres verlängert werden.

Flüchtlingsunterkünfte

Was das Thema Flüchtlingsunterkünfte angeht, „sind wir in einem geordneten Rückbauprozess“, erklärt Anger. Aktuell lebten etwa 3.500 Flüchtlinge in Unterkünften und Wohnungen, und es kämen rund 50 neue pro Monat nach Bochum. „Zur Hochzeit waren es 150 pro Woche.“
Daher ist die Unterkunft an der Alten Wittener Straße bereits geschlossen. Weitere Schließungen sind geplant: Kemnader Straße (1. Oktober), Auf dem Esch, Kollegstraße, Harpener Hellweg (Jahresende), Am Kuhlenkamp (Mai 2018), Bövinghauser Hellweg und Auf der Heide (Sommer 2018). „Wegen der Humboldtstraße stehen wir in Verhandlungen“, sagt Anger. Die Unterkunft an der Herzogstraße sei zwar nicht belegt, solle aber bleiben.
Insgesamt sollen 1.300 Plätze abgebaut und 700 als Reserve behalten werden. Das schlägt sich finanziell nieder. 2016 betrugen die städtischen Ausgaben für die Unterbringung der Flüchtlinge 40 Millionen Euro. „Für 2019 planen wir mit 19 Millionen Euro“, so Anger.
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