Schwanger und die Welt steht Kopf? Erste Erfahrungen mit der vertraulichen Geburt

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Diplom-Psychologin Manuela Sieg leitet das Ev. Beratungszentrum am Westring 26.
Bochum: Diakonie Ruhr |

Ev. Beratungszentrum hat bereits zwei Frauen begleitet

In den ersten eineinviertel Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes zur vertraulichen Geburt hat das Ev. Beratungszentrum Bochum zwei von bundesweit etwa 100 Fällen begleitet. „Dass die vertrauliche Geburt bereits so oft in Anspruch genommen wurde, hat uns positiv überrascht“, sagt Leiterin Manuela Sieg. „Dennoch muss das Hilfsangebot viel bekannter werden. Wir wünschen uns, dass Frauen mit Beratungsbedarf verstärkt und frühzeitig unsere Unterstützung in Anspruch nehmen.“

Bei der vertraulichen Geburt können werdende Mütter, die ihre Schwangerschaft geheim halten und ihr Kind nicht behalten möchten, mit Hilfe der Schwangerenberatungsstelle die Niederkunft in einem Krankenhaus oder mit einer Hebamme zuhause planen. Für die schwangere Frau ist die medizinische Begleitung sichergestellt und auch das Neugeborene wird optimal versorgt. Anschließend kommt es in eine Pflegefamilie, später zu passenden Adoptiveltern. Die Identität der Mutter erfährt nur die Beraterin, diese Angaben werden dann verschlossen bei einer Bundesbehörde aufbewahrt. Nur das Kind kann nach 16 Jahren Einsicht verlangen, niemand sonst.

Vor Einführung des Gesetzes konnten Frauen ihre Kinder in Babyklappen legen, anonym gebären oder das Kind anonym abgeben. Seit dem Jahr 2000 wurden bundesweit knapp 1000 Kinder so ohne Hinweis auf ihre Herkunft registriert. Genaue Zahlen über den Verbleib von Kindern bei einer geheim gehaltenen Schwangerschaft sind schwer zu erfassen.

Auch kostenlose Vorsorge

Mit Hilfe der Beratungsstelle kann eine Frau anonym während der ganzen Schwangerschaft medizinisch betreut werden und alle Vorsorgeleistungen gratis in Anspruch nehmen. Eventuell kann sie auch zu einer offenen Adoption ermutigt werden, die mehr Kontakt zwischen Kind und leiblicher Mutter ermöglicht. „Das Wissen um die eigene Herkunft ist für die Identitätsfindung von großer Bedeutung“, betont Diplom-Psychologin Manuela Sieg.

Ideal für den gesamten Vorgang ist es, wenn Schwangere frühzeitig Kontakt mit einer Beratungsstelle aufnehmen. „In unseren zwei Fällen kamen die Frauen erst unmittelbar vor der Geburt zu uns, in größter Not. Die Beratung bietet ganz andere Chancen, wenn Frauen schon während der Schwangerschaft begleitet werden können. Manche unlösbar scheinenden Konflikte lassen sich vielleicht doch bewältigen, und eine Entscheidung für ein Leben mit dem Kind wird möglich“, sagt die Leiterin des Ev. Beratungszentrums.

In Bochum gibt es seit Dezember 2014 einen Runden Tisch bestehend aus den fünf Schwangerschaftsberatungsstellen, dem Jugendamt, den Adoptionsvermittlungsstellen, dem Standesamt und den Einrichtungen der Geburtshilfe. Ziel ist es, dass mehr Frauen von den Beratungs- und Hilfemöglichkeiten erfahren und sie in Anspruch nehmen – aber auch bei den zuständigen Ämtern und Einrichtungen ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Weitere Informationen:
www.geburt-vertraulich.de
Bundesweite kostenfreie Telefonhotline 0800 / 40 40 020
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