Hospizgruppe Bottrop begleitet Sterbende und Schwerstkranke

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Peter Lüdeke und Anne Kirstein gehören zu den ehrenamtlichen Helfern der Hospizgruppe Bottrop, die Sterbende und Schwerstkranke begleiten. (Foto: Michael Kaprol)

„Auch wenn es verrückt klingen mag“, erzählt Peter Lüdeke, „aus jeder Betreuung zieht man eigene Lebensfreude und positive Energien heraus. Der Bottroper ist einer der ehrenamtlichen Helfer der Hospizgruppe Bottrop, die Schwerstkranke und Sterbende in der letzten Phase ihres Lebens begleiten.“

Eine Tätigkeit, vor der vermutlich einige Menschen beim ersten Hören zurückschrecken, die aber für den 52-Jährigen mittlerweile zu seinem Leben dazu gehört – dank eines Rollentauschs in seiner eigenen Familie, wenn man so will. Ein zweites Kind sei damals in Planung gewesen, er selbst ging aus dem untertägigen Bergbaubereich kommend in den vorzeitigen Ruhestand. „Allerdings war es mir zu wenig, nur zu Hause zu sitzen und die Kinder zu erziehen“, blickt Peter Lüdeke zurück, „der Vorruhestand war ein Geschenk für mich und das wollte ich zurückgeben.“

Gesagt, getan. Und so griff sich der Familienvater aus einer Reihe in Frage kommender, ehrenamtlicher Tätigkeiten die nach eigener Aussage schwierigste heraus: Die Arbeit in der Hospizgruppe. Die Arbeit mit Menschen. Die Arbeit mit kranken und sterbenden Menschen. Eine Arbeit, die im Gegenzug von einem selbst Offenheit, keine Angst vor dem Tod, Sterben und dem Abschied sowie die kritische Auseinandersetzung mit sich selbst verlangt. „Wenn ich letzteres nicht schaffe, kann ich das auch nicht bei anderen“, betont Anne Kirstein. Die 49-Jährige gehört ebenso wie Peter Lüdeke seit etwa anderthalb Jahren dem Helferteam der Bottroper Hospizgruppe an und begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg. Die Auseinandersetzung mit dem Lebensende, die Präsenz von Trauer und Tod – eine lebensbereichernde Aufgabe, wie sie selbst findet: „Ich bekomme so viel von meinen Patienten geschenkt. Ich treffe so tolle Menschen mit Lebensfreude und Mut, die mir sonst nie begegnet wären. All das erdet.“

Eine Tätigkeit, die das Leben bereichert

In der Sterbe- und Trauerbegleitung richtet sich der Bedarf immer nach dem Patienten selbst. Da sein, wenn man gebraucht wird, dem Patienten zeigen, nicht allein zu sein. Seine Angehörigen entlasten, ihnen Zeit geben, abzuschalten und etwas für sich zu tun. Dinge, die die beiden Ehrenamtler tun und Erfahrungen, die ihnen einen anderen Blick auf das Leben ermöglichen. „Man nimmt sich selbst nicht mehr so wichtig und lebt bewusster. Man arbeitet an sich, überdenkt viele Dinge und reagiert in bestimmten Situationen anders“, weiß Peter Lüdeke. Und selbst stehen die Helfer der Hospizgruppe während einer Betreuung keinesfalls alleine da. Mentoren und eine regelmäßige Supervision geben den nötigen Rückhalt und die Möglichkeit Geschehnisse aufzuarbeiten. Denn auch wenn die Ausbildung zur Sterbe- und Trauerbegleitung sich im zweiten Teil mit den zukünftigen Betreuern selbst, dessen Schutzfunktionen und Kraftquellen auseinandersetzt, kann eine Betreuung irgendwann an die Gefühle gehen. „Die emotionale Mitnahme bringt einfach die Zeit“, sagt Anne Kirstein, „die Trauer gehört zu unserer Arbeit dazu. Wir sind keine Maschinen, denn sonst würde einiges an Freude verloren gehen.“


Veranstaltung
Die Hospizgruppe sucht Menschen, die sich gerne ehrenamtlich engagieren möchten und sich für eine Mitarbeit interessieren. Eine entsprechende Veranstaltung dazu findet am Dienstag, 4. Juni, um 18.30 Uhr in den Räumen der Hospizgruppe, Neustr. 2, statt. Infos und Kontakt unter Tel. 0171/2645001.
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