Hoeneß, Partyfans und Co: Fußball-Anekdoten mit Manni Breuckmann

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Melanie Heine (v.l.; VHS), Manni Breuckmann und Martina Tielker (Castroper Leselust). Die Veranstaltung wurde von der VHS und der Castroper Leselust organisiert.

Dem FC Bayern München drückt er nie die Daumen. Interviews mit Oliver Kahn fand er furchtbar. Berti Vogts sei „im Prinzip“ schwer in Ordnung und Harald Schmidt kein richtiger Fußballfan. Das alles und mehr erfuhren rund 250 Fußballfans von Kult-Fußballkommentator Manni Breuckmann am Montagabend (23. September) in der ASG-Aula.

Rund zwei Stunden sprach der gebürtige Dattelner über die schönste Nebensache der Welt. „Was ich so veranstalte, ist eher eine Sprechung als eine Lesung“, ließ er sein Publikum wissen.

Mit „Tooor in Wattenscheid“ fing 1972 alles an. „Anschließend gab es 36 Jahre lang Torschreie von mir“, lächelte Breuckmann. Und nein, er habe als Schalke-Fan keine Probleme damit gehabt, die Tore von Borussia Dortmund ebenso laut zu verkünden. „Ich bin noch nie in meinem Leben fanatisch gewesen. Den Bayern drücke ich aber nie die Daumen.“ Das gefiel den Fußball-Begeisterten in der ASG-Aula.

Breuckmann unterhielt, las, scherzte und nahm sein Publikum mit hinter die Kulissen des „Fußball-Gipfel“. Das Buch erschien im letzten Jahr. Ein Wortprotokoll eines sechsstündigen Gespräches über „die Facetten des Fußballs“, das Breuckmann mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Late-Night-Talker Harald Schmidt und der Grünen-Politikerin Claudia Roth im heimischen Wohnzimmer führte.

Claudia Roth („eine dramatische Umarmungsmaschine“) interessiere sich ernsthaft für Fußball („Ihr Herz schlägt für Augsburg“) und engagiere sich auch auf diesem Sektor. Harald Schmidt sei dagegen kein richtiger Fußballfan. „Er ist Mitglied in drei Vereinen. Bei Stuttgart, Hannover 96 und bei den Bayern. Das geht gar nicht.“
Zu Uli Honeß hat Breuckmann mittlerweile ein „sehr gespaltenes Verhältnis.“ Früher habe er ihn „für einen Arsch gehalten. Später hatte ich bei verschiedenen Veranstaltungen mit ihm zu tun. Das war okay, sein Engagement nahm ich ihm ab. Dann kam die Steueraffäre...“

Die Fußballwelt habe sich verändert, „es wird alles durchkommerzialisiert, Stadien werden umbenannt. Aber die Leute nennen ihr Stadion nicht Signal Iduna Park, sondern Westfalenstadion.“ Wobei es natürlich auch andere Fans gebe. Die Event- und Partyfans. „Solche, die 2006 geschrien haben: ‚Odonkor! Süß!‘ Oder: ‚Möge der Bessere gewinnen.‘ Die haben den Fußball nicht verstanden.“

Mittlerweile hat sich Manni Breuckmann in den Ruhestand verabschiedet. „Die Frage, wie es denn so als Rentner ist, ist hier aber verboten“, erklärte er augenzwinkernd. Was er denn vom Wechsel von Mario Götze zu den Bayern halte, lautete eine der Fragen. „Wir müssen uns leider daran gewöhnen, dass so etwas nicht als außergewöhnlich betrachtet werden darf.“ Aber Manni Breuckmann wäre nicht Manni Breuckmann, wenn er das Ganze nicht auch von der humorvollen Seite aus betrachten würde: „Götze wird seine Gründe gehabt haben: Neue Sprache, neue Kultur...“
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