Eingekreist – 40 Jahre Zugehörigkeit zum Kreis Recklinghausen

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Vor 40 Jahren, am 1. Januar 1975, verlor Castrop-Rauxel den Status einer kreisfreien Stadt und wurde Teil des Kreises Recklinghausen. Zugleich wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung Henrichenburg eingemeindet. (Foto: Thiele)

Vor 40 Jahren, am 1. Januar 1975, verlor Castrop-Rauxel den Status einer kreisfreien Stadt und wurde Teil des Kreises Recklinghausen. Zugleich wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung Henrichenburg eingemeindet. Wir haben bei Bürgermeister Johannes Beisenherz nachgefragt, wie sich diese Neustrukturierung auf Castrop-Rauxel ausgewirkt hat.

Einen finanziellen Vorteil der seit 1975 bestehenden Kreiszugehörigkeit Castrop-Rauxels sieht Beisenherz darin, dass alle zehn zum Kreis gehörenden Städte gebündelt werden und dadurch Synergieeffekte entstünden. „Außerdem benötigt die Stadt zumindest perspektivisch weniger Personal.“
Zwar müsse Castrop-Rauxel jährlich die Kreisumlage aufbringen, doch dahinter stünden auch Aufgaben, die der Kreis übernehme. „Die Frage lautet: Könnte die Kommune dies auch selbst machen?“ Als positives Beispiel der kommunalen Neugliederung nennt der Bürgermeister das kreisweite Veterinärwesen, das für jede Stadt mehr Kosten bedeuten würde, wenn sie selbst dafür sorgen müsste.
Als Nachteil der Kreiszugehörigkeit bezeichnet Beisenherz dagegen, dass Castrop-Rauxel bestimmte direkte Handlungs- und Steuerungsmöglichkeiten genommen worden seien. So sei das Straßenverkehrsamt früher eigenständig in den Kommunen verankert gewesen, aber vor einigen Jahren in Marl zentralisiert worden. „Damit haben wir keinen Einfluss mehr darauf, die Kunden direkt vor Ort zu bedienen und auf ihre Wünsche einzugehen. Entweder wendet sich der Kunde an Marl oder an einen privaten Dienstleister, der zusätzlich zu den Gebühren bezahlt werden muss“, erläutert Johannes Beisenherz.
Eine Bewertung der Entwicklung Castrop-Rauxels als Teil des Kreises Recklinghausen müsse man vor dem Hintergrund der Alternative vornehmen. Denn die andere Möglichkeit, die Anfang der 1970er Jahre diskutiert wurde, bestand darin, ein Vorort von Dortmund zu werden. „Da ist die Lösung, wie sie gefunden wurde, deutlich besser für die Stadt, weil wir ein höheres Maß an Eigenständigkeit behalten haben“, so Beisenherz. Eine Eingemeindung zu Dortmund wäre beispielsweise für die städtebauliche und infrastrukturelle Entwicklung Castrop-Rauxels, etwa bezogen auf Schulen, Kindertagesstätten und Verkehr, nicht günstig gewesen.
Dass sich die Castrop-Rauxeler trotz 40 Jahre Kreiszugehörigkeit vorrangig als Castrop-Rauxeler betrachten, zeigt die Tatsache, dass mittlerweile mehr als 20 Prozent aller hier zugelassenen Fahrzeuge mit dem wieder eingeführten CAS-Kennzeichen versehen sind. Diesen Eindruck bestätigt Johannes Beisenherz. „Der Castrop-Rauxeler fühlt sich nicht als Kreisangehöriger.“ Sein Wir-Gefühl beziehe sich stattdessen auf die Stadt und auch auf den Ortsteil, aus dem er stamme.
Auch sei der Bezug Castrop-Rauxels zur Stadt Recklinghausen nicht so traditionell wie der zu Dortmund oder Bochum, erklärt Beisenherz und ergänzt, dass ein weiterer Nachteil der Kreiszugehörigkeit darin bestehe, „dass die Kreisstadt Recklinghausen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr außerordentlich schwierig zu erreichen ist“.
Als „zusätzliche Facette der bunten Struktur Castrop-Rauxels“ betrachtet der Bürgermeister die Eingemeindung Henrichenburgs 1975. Zwar fühle sich der Alt-Henrichenburger nicht als Castrop-Rauxeler, aber „Spannungen im eigentlich Sinne“ gebe es wegen der Eingemeindung zwischen den Henrichenburgern und den Castrop-Rauxelern nicht, betont Beisenherz.
Er bezeichnet Henrichenburg als „sinnvolle, gute Ergänzung“. Wie Frohlinde und Merklinde sei Henrichenburg ein eher bürgerlicher Ortsteil mit einer gehobeneren Wohnqualität. „Dies wirkt sich auf die gesamte Sozialstruktur der Stadt aus, die dadurch im Durchschnitt etwas steigt“, so der Bürgermeister. Dies wiederum führe zu einer stärkeren Finanzkraft.

CAS-Kennzeichen

- Seit November 2012 wird das sogenannte Altkennzeichen CAS wieder von der Zulassungsbehörde ausgegeben.
- Mit Stand vom 1. Oktober 2014 sind 10.845 der in Castrop-Rauxel zuge­lassenen Fahrzeuge mit dem CAS-Kennzeichen unterwegs.
- Insgesamt sind in Castrop-Rauxel 48.679 Fahrzeuge zugelassen (Stand: 1. Dezember 2014).
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