Zahl der Asylsuchenden in Castrop-Rauxel steigt an

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Unter anderem an der Harkortstraße stehen städtische Unterkünfte, in denen Asylbewerber untergebracht werden. (Foto: Thiele)
 
Der Beigeordnete Michael Eckhardt (l.) und Klaus Zollondz, Sachbearbeiter Ausländerwesen.

„Die Syrer sind es noch nicht“, sagt der Beigeordnete Michael Eckhardt. Zwar gibt es Flüchtlinge aus dem vom Krieg erschütterten Land in Castrop-Rauxel, aber der große Ansturm ist hier noch nicht angekommen. Trotzdem ist die Gesamtzahl der Asylsuchenden, die in Castrop-Rauxel aufgenommen werden, in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

„Mit Stand von Ende August waren es 156 reine Asylbewerber“, erklärt Klaus Zollondz, Sachbearbeiter Ausländerwesen. Jahrelang sei die Zahl zweistellig gewesen, so Eckhardt. Zum 1. April 2012 waren es 63 Asylbewerber, ein Jahr später 80 und in diesem April bereits 141 Asylbewerber, die Castrop-Rauxel zugeteilt wurden.
Etwa 200 Plätze in drei Unterkünften an der Harkort-, Berg- und Franzstraße stehen in Castrop-Rauxel für Asylsuchende zur Verfügung. „Für eine Stadt mit unserer Größe ist das eine gute Ausstattung“, sagt Eckhardt.
154 der Plätze sind zurzeit belegt; einige Asylsuchende sind zudem in Wohnungen unterbracht. „Wir haben beschlossen, dies in Zukunft verstärkt zu machen“, so Eckhardt. Der Sozialdezernent rechnet damit, dass noch weitere Flüchtlinge nach Castrop-Rauxel kommen werden, da die Erstaufnahmen überfüllt seien.
Während des Balkankonflikts in den 90er Jahren „hatten wir extrem viele Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien“, erinnert sich Eckhardt. Doch später waren nur noch 40, 50 der insgesamt 300 vorgehaltenen Plätze für Asylbewerber belegt, so dass man in der Zwischenzeit zwei Unterkünfte an der Wartburgstraße geschlossen hat.
Zurzeit stellen 30 Serben, die fast alle der Minderheit der Roma angehören, erneut den größten Anteil an den Flüchtlingen in Castrop-Rauxel. „Das wundert uns“, kommentiert Eckhardt, dass Serben nach wie vor versuchen, in Deutschland Asyl zu bekommen. Denn da Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien kürzlich von der Regierung zu sicheren Herkunftsländern erklärt worden seien, hätten Asylanträge in der Regel keine Chance, erläutert Klaus Zollondz.
Er und Michael Eckhardt würden es daher begrüßen, wenn die Abschiebung der serbischen Flüchtlinge schon in den Erstaufnahme-Unterkünften erfolge. „Denn wenn die erst einmal hier sind, ist das im Einzelfall ein Riesen-Verwaltungsaufwand, die Leute wieder in ihr Heimatland zurückzubekommen“, so der Sozialdezernent.
Die drittgrößte Gruppe an Asylsuchenden in Castrop-Rauxel stellen mit jeweils neun Flüchtlingen Mazedonien und Irak, während Syrien mit 22 Asylbewerbern an zweiter Stelle liegt. Hinzu kommen weitere 14 Syrer, die eine Aufenthaltsgenehmigung haben, „weil der Bund gesagt hat, ,die nehme ich‘“, erklärt Eckhardt. Für diese 14 Flüchtlinge haben hier lebende Verwandte eine Verpflichtung unterschrieben, dass sie für ihren Unterhalt aufkommen.
Die reinen Asylbewerber dagegen wohnen so lange in den städtischen Unterkünften, bis sie anerkannt werden. „Das dauert Monate bis hin zu Jahren, denn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist überlastet“, weiß Zollondz.
Trotz dieser Problematik beschreibt er die Situation in den drei Unterkünften als „geschmeidig“. Im Vergleich etwa zu dem Erstaufnahme-Lager in Burbach, wo jetzt Misshandlungen einiger Asylbewerber durch Sicherheitskräfte bekannt geworden sind, „ist es hier ganz entspannt“. Es habe bisher noch keine Notwendigkeit gegeben, überhaupt für einen Sicherheitsdienst zu sorgen, so Zollondz.
Eine sozialarbeiterische Betreuung der zum Teil traumatisierten Flüchtlinge findet nicht statt. Die drei städtischen Häuser werden von Dagmar Brinkmann, Mitarbeiterin des Bereichs Ausländerwesen, gemanagt. Sie kümmert sich zum Beispiel um Kindergartenplätze für die Flüchtlingskinder und um den Schulbesuch. „Dies ist schon sinnvoll“, macht Michael Eckhardt deutlich. „Auch wenn die Asylsuchenden nach Gesetzeslage gar nicht integriert werden sollen, weil man keine Verfestigung ihres Aufenthaltsstatus haben will.“
Etwa 650.000 Euro werde die Stadt in diesem Jahr für die Unterbringung der Flüchtlinge aufbringen müssen, sagt Eckhardt. Plus den Kosten für die Krankenversorgung der Asylsuchenden sowie den Personalkosten. Um dies zu stemmen, hat der Rat während seiner letzten Sitzung 295.000 Euro zusätzlich bewilligt. „Dieses Jahr zahlen wir drauf, weil die Landespauschale zu niedrig ist“, erklärt Eckhardt. 400.000 Euro gab es aus Düsseldorf. Allerdings beziehe sich die Höhe der Pauschale stets auf die Asylbewerberzahlen des vergangenen Jahres. „Es kam daher auch schon vor, dass wir etwas übrig hatten.“
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