Ein ganzes Leben in zwölf Tagen

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Marlene Zimmer bei der Probe. (Foto: Foto: Martin Göbler)
 
Das Bild zeigt v.l.n.r. Adnan G. Köse, Marlene Zimmer und Martin Göbler. (Foto: Foto: M. Göbler)
Adnan G. Köse bringt "Oskar und die Dame in Rosa" auf die Bühne

"Gott ist tot" postulierte einst Nietzsche und stellte damit die Wissenschaft über Gott. Doch was passiert, wenn ein Kind stirbt, wenn alle Wissenschaft versagt? Kann der Tod zu einem Postulat Gottes werden?

Es ist die Frage nach dem Existenziellen, die Bedeutung von Leben und Tod, dem Fluss des Lebens, der sich Adnan G. Köse in seiner Theaterproduktion "Oskar und die Dame in Rosa" von Éric-Emmanuel Schmitt stellt. Es ist die tiefe Auseinandersetzung mit dem Prozess des Werdens und dem Sein nach dem Sein, die sich gerade in der Geschichte um den 10-jährigen leukämiekranken Oskar offenbart, der erfährt, dass er noch genau zwölf Tage zu leben hat.

Aber was tun, wenn man noch genau zwölf Tage zu leben hat? "Die Vorstellung, dass ein so junger Menschen sterben muss, ist einfach unerträglich und bringt einen an die emotionalen Grenzen", so die Hauptdarstellerin Marlene Zimmer, die in der Ein-Personen-Aufführungen gleich alle Charaktere gleichzeitig spielt. "Für mich ist es ganz besonders wichtig, den ganzen Facettenreichtum auf die Bühne zu bringen. Emotionen von Trauer, Wut, Unverständnis aber auch Albernheit und Humor greifbar, fühlbar und lebendig werden zu lassen."

"Das erfordert sehr viel Mut", so Köse, der als Dramaturg die volle Emotionalität fordert. "Eine Rolle zu leben, bedeutet auch, mutig zu sein, Eitelkeiten abzulegen, "hässlich" zu werden und als gebrochene Figur vor dem Publikum "kaputt zu gehen". Denn das passiert, wenn man wie Zimmer und Köse sich zu tausend Prozent auf das Stück einlässt.

"Man muss die Figuren, die Geschichte atmen können, sich identifizieren und sich komplett in sie hineinbegeben", so Köse, der sich in seinem dramaturgischen Ansatz von der brechtschen Konzeption des Theaters distanziert.

"Wir sind kein rein intellektuelles Theater, bei uns steht die Emotion im Vordergrund." Das ist auch der Grund, warum Köse für die Produktion Zimmer ausgewählt hat. Der Charakter des Schauspielers muss mit der Rolle und deren Definition kompatibel sein und "Marlene hat diese große Emotionalität, die es braucht, um dieses Stück zu spielen".

Zwölf Tage zeigt das Stück, zwölf Tage, an denen Oskar Briefe an Gott schreibt. Zwölf Tage, an denen Oskar pro Tag zehn Jahre "erlebt". Eine Idee von Oma Rosa, so nennt der kleine Junge die Dame, die ihn in dieser Zeit begleitet, seinem jungen Leben die ganze Fülle eines Lebens zu schenken, die ihm verweigert bleibt. In diesen Jahren erlebt er Glück und Unglück, Liebe und Freundschaft. Am Ende hat Oskar ein Alter von ganzen 120 Jahren erreicht und ist gefühlt ein steinalter Mann.
"Oskar ist in gewisser Weise eine Metapher für das Leben", so Köse, "von der Geburt bis hin zum Tod. Der Tod und das Sterben ist im Menschen unmittelbar angelegt, in jeder Zelle, die abstirbt und jeder Zelle, die sich erneuert, ist der Prozess von Werden und Vergehen im großen Sein angelegt."

Die Geschichte um Oskar erzählt die Entwicklung des Zu-Gott-Findens, die Geschichte einer größeren Sinnhaftigkeit, die ein Leben nach dem Tod beinhaltet. "Es gibt einfach mehr als nur das bloße Dasein oder meinen Sie, wir wären hier auf der Erde nur für eine Tasse Kaffee?", resümiert Köse in seiner lakonisch humoristischen Art.

Aber auch für Zimmer, die persönlich nicht an Gott glaubt, liegt eine große Hoffnung in diesem Stück. "Die Tatsache, dass sich eine schier unerträgliche Situation der völligen Hoffnungslosigkeit und Leere auf einmal wandelt, dass Leben an Intensität gewinnt und das Bewusstsein für die Kostbarkeit des Momentes schärft, dass man der Zeit viel mehr abgewinnen kann, als sie einfach unbelebt verstreichen zu lassen, ist ein wunderbarer Gedanke, der uns alle animiert, unser Leben wirklich zu leben."
Denn wie sagt ein Sprichwort so schön: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Stunden zu geben, sondern den Stunden mehr Leben."

Das Fazit: Eine ernsthafte, aber heiter, ja teilweise witzige Inszenierung, die Spaß macht und in uns etwas bewegt. Absolut sehenswert.

INFO:
Die Premiere von "Oskar und die Dame in Rosa" findet am 17. März um 19.30 Uhr im Ledigenheim Lohberg, die zweite Vorstellung am 1. April um 19.30 Uhr im Bühnenhaus der Trabrennbahn statt.
Karten gibt es im VVK für 13 Euro im Café Kostbar auf der Duisburger Straße, telefonisch vorbestellbar unter 02064/621930, oder an den Abendkassen für 15 Euro. Unterstützt wird die Produktion vom Förderkreis St. Marien/Lohberg und von Martin Göbler, verantwortlich für Marketing/Plakate/Flyer.
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