"Pressesprecher 2.0"

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In meiner langjährigen Tätigkeit als Journalistin habe ich schon die ein oder anderen Erfahrungen gesammelt. Menschen rufen an und wünschen sich Berichterstattung zu ihren Themen. So weit so gut.

Ein Anruf vergangene Woche ist mir allerdings nachhaltig in Erinnerung geblieben. Die Tatsache, dass man auf Grund der Freisprechanlage neben Rauschen und Fahrgeräuschen kaum etwas verstehen konnte, vernachlässige ich einmal großzügig. Was ich allerdings nicht ignorieren kann, ist der Inhalt des Gespräches. Ein Mann stellt sich kaum verstehbar vor, rattert einen Text hinunter und endet mit den Worten "Das erzähl' ich Ihnen morgen alles persönlich". Auf meinen Hinweis, dass ich am morgigen Tag keine Zeit hätte, da ein Termin dem nächsten folge und ich größten Teils nicht im Haus sei, schnaubte er nur bott: "Dann eben am Telefon". Ähm, Momentchen, bis lang war mir wohl noch nicht klar, dass der Modus von korporaler oder nur akkustischer Anwesenheit die Variable "zeitliche Verfügbarkeit" beeinflussen kann.
Auf die Bitte, mir doch erst einmal auf Grund der terminlichen Situation vorab ein paar Informationen per E-Mail zukommen zulassen, gab es nur die semi-aggressiv-cholerische Aussage: "Also dazu sach' ich jetzt mal nix. Alles klar. Tschüss." Meine Frage nach dem doch mehr als unpassenden Ton verhallten in der Leitung. Wer auch immer Sie sind und wofür Sie sich engagieren, ich hoffe nur, es hat nichts mit Kindern zu tun und ist nicht von besonderer Wichtigkeit. "Würde es Ihnen vielleicht in der kommenden Woche passen?", wäre zum Beispiel eine Möglichkeit gewesen, dieses Gespräch auf eine weniger infantile und dumpe Art weiterzuführen. Aber nein, motzen, auflegen und schmollen ist wohl das neue didaktische Profil des "Pressesprechers". Da kann ich nur sagen: "Sechs, setzen!
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