Literatur: Ein Tagebuch für Dorsten

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Alfred Zavodnik (SPO) und Jörg Knüfken (Schreibmodus e.V.) überreichten das noch leere "Tagebuch der Dorstener" an Bürgermeister Tobias Stockhoff. Foto: Borgwardt

Mit einem neuen Projekt knüpfen die Polderpark-Veteranen an die Schreibinitiative "Hinter der Lippe an". Zusammen mit dem Verein Schreibmodus sollen ein Tagebuch für Dorsten und eine Ausstellung realisiert werden.

Ein halbes Jahr nach dem Ende des erfolgreichen LippePolderPark-Kulturprojektes will die Fördergemeinschaft SPO die kreative Arbeit junger Menschen vor Ort weiter unterstützen. Grundlage ist das Projekt "Hinter der Lippe - Lippe Polder Park Geschichten", das unter der Federführung von Hella Sinnhuber 2015 ins Leben gerufen wurde. Zur Erinnerung: Einheimische und Flüchtlinge sollten gleichermaßen ihre Gedanken in Geschichten, Videos oder Fotocollagen festhalten und so zur gegenseitigen Verständigung beitragen.

"Trotz der guten Resonanz gestaltete es sich schwierig, mehr als einige wenige Flüchtlinge für das Projekt zu gewinnen", erklärte Alfred Zavodnik von der SPO. Deswegen habe man das Projekt überdacht und möchte mit einem neuen Ansatz in die zweite Phase starten. Mit Unterstützung der Robert-Bosch-Stiftung sollen ganz allgemein junge Menschen zwischen etwa 15 und 27 Jahren angesprochen werden, Geschichten und Medienprojekte in Eigenregie zu gestalten. Als Partner ist nun auch der junge Verein Schreibmodus e.V. mit im Boot.

"Wir haben bewusst einen niedrigschwelligen Ansatz gewählt", erklärt der Sozialpädagoge Jörg Knüfken. Mit seinem ehrenamtlichen Team bringt der Gründer von Schreibmodus Jugendliche seit zwei Jahren dazu, ihre Sorgen und Gedanken, Aggressionen und Probleme mit Hilfe von gemeinsamen Schreibprojekten umzusetzen und zu bewältigen. Nun bringt Knüfken diese Erfahrung mit in das Projekt "Hinter der Lippe" ein und möchte möglichst viele Dorstener mit einem leichten Einstieg gewinnen.

Ganz alltägliche Geschichten


Denn nicht ausgefeilte Romane werden erwartet, sondern "ganz alltägliche Geschichten", so Knüfken. Niedergeschrieben werden sollen sie in einem Tagebuch, das durch Dorsten von Hand zu Hand wandert. "Die Dorstener sollen aufschreiben können, was sie an diesem Tag bewegt hat. Man kann schreiben, Fotos einkleben, Gedichte verfassen - der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt." Als erster Tagebuchschreiber wurde Bürgermeister Tobias Stockhoff gewonnen, dem Knüfken das noch leere Büchlein feierlich überreichte.

Während die ersten Einträge für das Dorstener Tagebuch gesammelt werden, bereitet sich der Schreibmodus-Chef schon auf einen anderen Abschnitt seines Projektes vor. Ende April wird nämlich die Wanderausstellung "Lesen und Schreiben mit Anne Frank" im Cornelia-Funke Baumhaus erwartet, und zu diesem Anlass sollen junge Menschen ihre eigenen Gedanken zum Thema Flucht und Gewalt, Terror und Verfolgung formulieren. Durch der Beschäftigung mit dem Tagebuch der jungen Jüdin, das sie auf der Flucht vor den Nazis verfasste, sollen heutige Heranwachsende zum Nachdenken und zur Gestaltung eigener Beiträge animiert werden. "In diesem Rahmen möchten wir eine DVD mit Interviews erstellen", erklärt Knüfgen.

Ende Mai sollen sowohl DVD als auch das Dorstener Tagebuch dann fertig sein. Ob es noch eine weitere Projektstufe geben wird, etwa in Form eines kleinen Kulturfestivals, möchten die Verantwortlichen noch nicht verraten.
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