Die Kunst und die Biene

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Optimale Arbeitsbedingungen für die Bienen und den Imker bietet das Frankfurter Bienenhaus, das an die 'Frankfurter Küche' als Ideal-Arbeitsplatz angelehnt ist. Der Honig, den die Bienen produzieren, wird im U verkauft. (Foto: Schmitz)

Arche Noah, so heißt eine Ausstellung im Museum Ostwall im U im November, die eine breite künstlerische Perspektive auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier eröffnet.

Neben Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Fotografien, Installationen und Videos sowie Klangkunstarbeiten werden auch lebende Tiere einbezogen.

Auftakt der Ausstellung ist die Aufstellung des „Frankfurter Bienenhauses", das von der Frankfurter Künstlergruppe finger (Florian Haas, Andreas Wolf) eigens für das Ausstellungsprojekt konzipiert wurde. Auf der grünen Insel, die einen großen Baum auf dem Vorplatz des U umgibt, werden am 5. Mai vier Bienenvölker in das Frankfurter Bienenhaus einziehen.

Haben die Bienen voraussichtlich im Oktober ihren Flug eingestellt, werden sie durch den Imker, der sie für dieses Projekt zur Verfügung stellt und betreut, wieder abgewandert. Das Frankfurter Bienenhaus wird anschließend – ohne Bienen – als Relikt des künstlerisch-städtischen Imkerei-Projekts durch übergreifende Themen angereichert in die Ausstellung integriert.

Manch einer wird sich fragen, wo die Biene in der Stadt auf Nahrungssuche geht. Doch für Bienen sind die Möglichkeiten vielfältig, zwischen Bahngleisen, Autostraßen und Verkehrsinseln rund um das U bis in den Sommer hinein Nektar und Pollen zu sammeln. Somit ist der in Städten eingetragene Honig ein besonders vielfältiger Honig, was ihn von den Honigen aus ländlichen Gebieten deutlich unterscheidet.

Dort sind die Bienen an ihrem Standort häufig auf eine Monokultur angewiesen, die nur wenige Tage oder Wochen in Blüte steht. Zusätzlich gewinnt der in der Stadt eingetragene Honig dadurch an Qualität, dass die Pflanzen in den Städten in der Regel weder gespritzt noch gentechnisch verändert werden.

Mit Vorfreude erwarten wir die Honigernten im Mai und Juli. Das Honigschleudern wird zum Ereignis im Dortmunder U, bei dem Besucher herzlich willkommen sind. Der Honig wird frisch in Gläser abgefüllt und im Dortmunder U käuflich zu erwerben sein. Die Termine des öffentlichen Honigschleuderns werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Neben seinem Verkauf wird der rund um das Dortmunder U gewonnene Honig im Rahmen der kommenden Ausstellung einem weiteren Honig gegenübergestellt, den die Künstlergruppe ebenfalls vor Ort produziert, indem sie Honige aus den umliegenden Supermärkten neu zusammenmischt.

Im Rahmen einer statistischen Untersuchung werden die Künstler ermitteln, wie viele verschiedene Honigsorten jährlich nach Deutschland importiert werden und der Essenz der lokalen Bienenbestäubung wie auch die Bienenleistung auf den Grund gehen. Ähnliches leisteten die Künstler bereits während der Kulturhauptstadt RUHR2010, als sie Honig inmitten des Autobahnkreuzes Kaiserberg produzierten und so Aufschluss über die Flora im Umfeld des Verkehrs erhielten.

Während gegenwärtig die Anzahl der Imker in Deutschland, parallel zum aktuellen Trend der Stadtimkerei steigt, sinkt jedoch die Anzahl der Bienenvölker insgesamt, da immer mehr Imker stetig weniger Bienen halten.

Dementsprechend betreiben die meisten Neueinsteiger die Imkerei nicht als Nebenerwerbsquelle, sondern ideell als „Poesie der Landwirtschaft", wie viele diese naturverbundene Tätigkeit aus Muße beschreiben. Ganz im Sinne von 'Klasse statt Masse' leisten sie ihren individuellen Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit, bei dem der Umweltschutz im Vordergrund steht.

Ausdruck dieses Selbstverständnisses sind liebevoll gestaltete Bienenbehausungen, in den sich die Bienen ideal entfalten können und die zugleich die Kultur der Imkerei vermitteln und darstellen.

Mit dem für das Museum Ostwall gestalteten Frankfurter Bienenhaus stellt die Künstlergruppe finger ein portables und modellhaftes Bienenhaus vor, das die gegenwärtige Situation der Imkerei aufgreift und das die Tradition gestalteter Bienenbehausungen auf zeitgenössische Art aktualisiert.

Der Prototyp für ein exemplarisches Bienenhaus weist strukturelle Bezüge zu Margarete Schütte-Lihotzkys 'Frankfurter Küche' auf. Mit einer vergleichbar guten Organisation sollen auf kleinstem Raum Bienen im Stadtraum aufgestellt, effizient bewirtschaftet und präsentiert werden. Das Frankfurter Bienenhaus ist aus standardisierten Modulen aufgebaut, so dass es einfach und kostengünstig in Serie hergestellt werden kann.

Neben den speziellen praktischen Anforderungen an Bienenbehausungen in den Städten, wie z. B. einer Verschattung gegen die direkte Sonneneinstrahlung und einem Schutz gegen die auf den Dachlandschaften oftmals starken Winde, dient das Bienenhaus beispielsweise auch der übersichtlichen Lagerung aller für die Imkerei notwendigen Werkzeuge und Materialien sowie dem Schutz der Bienenvölker gegen Fressfeinde und Diebstahl.

Anhand der gestalteten Präsentations-Displays können sich Besucher gefahrlos über die Bienen selbst, wie auch über die jüngere Kulturgeschichte städtischer Imkerei und die aktuellen Wechselwirkungen von Bienen und Menschen informieren.
Ansprechen soll das »Frankfurter Bienenhaus« somit Menschen, die sich für eine zeitgemäße Bienenhaltung in der Stadt und mit ihr verbundenen gesellschaftlichen Implikationen interessieren, wie auch die, die selbst Bienen halten und im kleineren oder größeren Kreis ihren Bienenstand für Publikumsverkehr öffnen und attraktiv gestalten wollen.

Seitdem die Künstlergruppe im Frühjahr 2007 mit einem ersten experimentellen Bienenstand im Frankfurter Bahnhofsviertel das Projekt Stadtimkerei startete, konnte das Projekt vielfältig ausgeweitet werden. Seitdem fanden zahlreichen Vorträgen, Ausstellungen und Lehrveranstaltungen zur Vorgehensweise der Stadtimkerei u.a. in Darmstadt, Belfast, Düsseldorf, Hildesheim und Neapel statt. Im Jahr 2008 können die Künstler zwei Bienenstände, einen davon auf dem Dach des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, aufbauen. Die Künstler versuchen mit regelmäßigen Führungen zum Bienenstand und Kinderworkshops während des Bienenjahres Menschen an das Thema der Imkerei heranzuführen.
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