Kalender zeigt das alte Hörde

Anzeige
Sie meinen, dass der Kalender für 2017 besonders gut gelungen ist: (v.l.): Willi Garth und Heidemarie Kleinhans vom Hörder Heimatverein, Stefanie Lönsvon der Buchhandlung Transfer und Heribert Wölk vom Hörder Heimatverein. (Foto: Heimatverein Hörde)

Der Hörder Heimatkalender geht in sein 4. Jahr. Er ist so beliebt, dass er nun im Format DinA 3 erscheint.

"Die Größe und die Qualität der Abbildungen verlocken immer mehr Käufer dazu, die einzelnen Bilder als attraktiven Wandschmuck zu rahmen. Es sind einige bekannte Motive dabei, aber auch vollkommen neue, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Die Fotos haben diesmal verschiedene Fotografen oder Leihgeber bereitgestellt, oft aber mit der Auflage, sie nicht weiter zu reproduzieren", berichtet der Hörder Heimatforscher Willi Garth.

"Der Kalenderverlag hat sich wieder viel Mühe gegeben, die teils vergilbten und beschädigten Vorlagen für dieses Großformat optimal umzusetzen. Mich wundert das immer wieder. Einige meiner eigenen Aufnahmen habe ich seinerzeit mit eine Agfa Billy-Rekord Kamera auf Rollfilm aufgenommen. Da die Negative nicht mehr existieren, hat der Verlag die kleinen 6x9 Fotos reproduzieren müssen."

Auf vielfachen Wunsch hat Garth erstmals zu den Bildern erklärende Texte geschrieben, die auf den einzelnen Kalenderblättern abgedruckt sind.
Von dem Verkaufpreis in Höhe von 19,80 Euro erhält der Hörder Heimatverein je einen Euro.

Auf dem Titelblatt ist die Neue Post und Victoria-Schule zu sehen. Willi Garth erläutert: "Links liegt die 1903 erbaute Neue Post an der Semerteichstraße, die früher Victoriastraße hieß. Daneben die Victoria-Schule, die mehrfach den Namen wechselte. Bekannter ist der spätere Name Semerteichschule.."

Das Januarblatt ziert ein Foto des damals 'neuen' Clarenbergs um 1950. Das Bild zeigt die erste Reihe der einst beliebten Werkssiedlung mit Blick aus dem St. Josefs-Hospital. Hier wurde anfangs viel Kleinvieh, wie Ziegen, Hühner und Enten, gehalten. Die hohen Obstbäume an der Straße bescherten im Frühling einen weißen Blütenregen. Eine Attraktion im sonst grauen Hörde. Heimatdichter Rober Sare schreib dazu das Gedicht „Blütenschnee am Clarenberg“. Ende der 1960er Jahre musste die Siedlung den heutigen Hochhäusern weichen.

Die obere Hermannstraße am Emschertor ist auf dem Februarblatt zu sehen.
Die Aufnahme zeigt im Jahr 1952 einen Kraftomnibus mit Anhänger, als Ersatz für die Straßenbahn, die nach Aplerbeck fuhr. Rechts der Werkseingang Emschertor mit dem Bunkereingang. Gegenüber ist heute die Jet-Tankstelle.

Auch af dem März-Blatt ist ein altes Foto von Willi Garth zu sehen. 1950 hat es es mit seiner Rollfilmkamera gemacht. "Im Garten des Hauses Neuer Clarenberg 29 suchen Brieftauben nach Futter. Hinter den Häusern ist das St. Josefs-Hospital zu erkennen. Die ersten Häuser des Neuen Clarenbergs entstanden 1882.

Einen Pritschenwagen der Hörder Stiftsbrauerei zeigt der April. "Auf den ersten Blick irritiert das Foto. Vorn steht ein abgeladener Pritschenwagen der Hörder Stiftsbrauerei, dahinter zwei brauereieigene Eisenbahnwaggons am Hörder Güterbahnhof. Bereits einige Tage vor der amtlichen Eingemeindung Hördes nach Dortmund im April 1928, ließ Brauereibesitzer Frantzen die Beschriftungen auf „Dortmunder Stiftsbier“ ändern. Frantzen war einer der Befürworter der Eingemeindung Hördes."

Kinder in Sonntagskleidung im Hörder Stadtgarten zeigt das Mai-Foto aus dem Jahr 1912. Für den Juni steht eine ländlich romantische Idylle mit der alten evangelischen Kirche mit dem Pfarrhaus in Wellinghofen.

Das Julibild zeigt die Chausseestraße, heute Hermannstraße, die von Barop und Witten bis nach Aplerbeck führte. Rechts die Wirtschaft Eickelpasch, die im Krieg zerstört wurde. Im Nebenhaus mit der Markise wurde am 12. Februar 1904 im 2. Stock der Filmschauspieler Rudolf Platte geboren. Er wohnte später kurz bei seiner Tante Tuke in der Papengasse.

Ein Bild von Wolfgang Schacht zeigt für den August die Weingartenstraße mit der Weingarten-Schule. Schacht blickte von einem Gebäude des Hörder Oxygenstahlwerks. Vorn der Trogbau für den „Feurigen Elias“, eine Werksbahn, die flüssiges Roheisen vom Hochofenwerk zur Hermannshütte transportierte.

Einen Blick auf die Werkssiedlung Felicitas mit Hochöfen erlaubt der September.
Nach der einst dort gelegenen Kohlenzeche Felicitas benannt, entstand die Siedlung ab 1851 in mehreren Etappen. In Sichtweite wurde erst 1854 der erste Hochofen angeblasen. 1977 begann der Abbruch der Siedlung. 1998 legte man den letzten Hochofen still.

Der Oktober zeigt die Dortmunder Straße, heute Märkische Straße.
Beschauliche Fachwerkbauten säumten einst die Dortmunder Straße.

Nachdenklich wird es auf dem Novemberblatt. Vom heutigen Friedrich-Ebert-Platz, dem damaligen Rathausplatz, fällt der Blick auf die im Jahre 1900 eingeweihte Synagoge. "Das Motiv habe ich absichtlich für den November genommen, In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge durch Brandstiftung vernichtet. Die Feuerwehr durfte nicht löschen."

Der Stiftshof mit dem ersten Friedrich-Ebert-Denkmal ist auf dem Dezember-Blatt zu sehen. Im Stiftshofsaal an der Rathausstraße fanden große Theater-und Konzertveranstaltungen statt. Das spätere Kino „Stiftshof-Lichtspiele“ mit fast 600 Plätzen war in Hörde führend. Das Kino hatte sogar Logen. Da konnte man dann mit der Freundin unbemerkt schmusen."

Diese und mehr Erinnerungen und Anekdoten aus Hörde hat Willi Garth in seinem Buch "Impressionen aus Hörde" gesammelt. Es ist 2012 als erweiterte und vollständig überarbeitet 3. Auflage erschienen. Darin wird die Stahlwerksgeschichte bis hin zur Seeflutung behandelt.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.