Westfalenstadion: 6 Parteien-Diskussion über Fanpolitik mit Jan-Henrik Grusecki (BVB-Fanabteilung)

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Das Westfalenstadion zu Dortmund. (Foto: Dimitrij Rodionov, Creative-Commons-Lizens)
 
Auch amnesty-international spricht sich für die Kennzeichnungspflicht von Polizisten aus. (Foto: amnesty-international)
Dortmund: Westfalenstadion |

Am Donnerstagabend fand im Westfalenstadion eine Veranstaltung mit den fünf im Bundestag vertretenen Parteien zuzüglich den Piraten statt. Vor rund 200 Zuschauern moderierte Jakob von Fanomenal in der "Irgendein Sponsor Lounge" eine Diskussion, die natürlich den Themenschwerpunkt "Fanpolitik" hatte.

Nach den Eingangsstatements der Politiker resümierte Jan-Hendrik Grusecki (BVB-Fanabteilung, Sprecher 12:12 und Pro Fans) : "Was den Fußball angeht, sind Fußballfans stockkonservativ, was Bürgerrechte angeht liberal und den Kapitalismus lehnen viele rund um den Fußball komplett ab. Daher wird die Meinung der Fans auch von keiner Partei komplett abgebildet. Die Kriminalisierung der Fans muss aufhören. Hier in Dortmund ist Borussia das einzige Bindeglied zwischen Nord und Süd, das die ganze Stadt zusammenhält. Der Fußball muss so erhalten werden, wie er ist."

Stehplätze und Kennzeichnungspflicht für die Polizei

Beim Thema Stehplätze herrschte noch Einigkeit unter den Parteien. Beim Thema Polizeigewalt und deren Kennzeichnungspflicht sah das aber schon ganz anders aus. Unter dem Jubel der Anwesenden konterte Ulla Jelpke, langjährige Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE, die anderen Parteienvertreter aus. Jelpke verwies auf eine wissenschaftliche Studie zur Kennzeichnungspflicht von Polizisten, die selbstverständlich auch von amnesty-international gefordert wird und in anderen europäischen Ländern längst Pflicht ist. "Hierzulande würden sich die meisten Bundesländer mit fadenscheinigen Argumenten vor der Kennzeichnung der Polizisten drücken.", so Jelpke. Aus dem Publikum wurde auch Kritik an der Polizei geäußert und sogar Entschuldigungen für deren Fehlverhalten angemahnt. Im Stadion würden sich regelmäßig Szenen wie bei Stuttgart21 ereignen, in denen unschuldige Fußballfans von der Polizei angegriffen und kriminalisiert würden.

Polizeiabzug aus Gelsenkirchen

Brandaktuell natürlich auch das Thema Polizeiabzug aus dem Stadion von Schalke 04, deren Vereinsfarben die Gegenfarben von Schwarz und Gelb sind. Hier erscheint Innenminister Jäger (SPD) wie eine beleidigte Leberwurst. Selbst bei der Gelsenkirchener Polizei war man über die Entscheidung aus dem Innenministerium erstaunt. Zur Gewaltproblematik äußerte sich Fanvertreter Grusecki abschließend: "Ich glaube das Gewalt ein Teil jeder Gesellschaft ist und das ist nicht nur speziell beim Fußball so. Auch bei Volksfesten und Diskobesuchen gibt es Gewalt. Die Fußballfans und die Ultras stehen einfach mehr im Fokus der Medien. Der Fußball hat kein größeres Gewaltproblem als die Gesellschaft. Ulla Jelpke, linke Außenverteidigerin, sagte, dass sie den Eindruck habe, dass neben den Salafisten und Rockern die Fußballfans zur Gefahr hochstilisiert werden, was allerdings nicht richtig sei. Man müsse mal auf dem Teppich bleiben, vor allen Dingen was die Hochstilisierung der Fälle angeht. Die Polizeieinsätze wären übertrieben.

Vice-Meisterschaft für schwarz-gelb

Zum Abschluss der Veranstaltung sagten die Politikerinnen und Politiker zur Bundestagswahl das Übliche. Nur Grusecki sprach ungewöhnliche Worte: Er wünschte schwarz-gelb die Vice-Meisterschaft.

Einen umfangreichen LIVE-Ticker zu der Veranstaltung finden Sie bei schwatzgelb.de.
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