Ein Leben in Brackel: Erna Mörchels Autobiografie erzählt aus acht Jahrzehnten

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Ein dreiviertel Jahr lang haben Irina Marschefski (l.) und ihre Mutter Gisa die Erinnerungen ihrer Großmutter bzw. Mutter Erna Mörchel geordnet. Herausgekommen ist das Buch „Das Leben der Brackelerin Erna Mörchel“, das Erlebnisse aus acht Jahrzehnten beinhaltet. (Foto: Schmitz)
Dortmund: Buchhandlung Niehörster |

Viel erlebt hat Erna Mörchel in ihrem langen Leben (1913-1992), genug für zwei Autobiografien: Nach der ersten – „Aus meinem Leben“ von 1988 – folgt nun postum „Das Leben der Brackelerin Erna Mörchel“.

Vom fünften bis zum 77. Lebensjahr reichen die Erinnerungen, die von Erna Mörchels Tochter Gisa Marschefski und Enkelin Irina strukturiert wurden. Kurz vor Erna Mörchels 100. Geburtstag fand Gisa Marschefski das Manuskript im Keller.„Wir haben es dann gemeinsam mit Verwandten und Bekannten gelesen“, erzählt Gisas Tochter Irina. „Dann haben wir es geordnet: ich den Text, und meine Mutter die Fotos aus den Familienalben. Ein dreiviertel Jahr haben wir dafür gebraucht. Geändert haben wir nichts, nur alles in eine chronologische Reihenfolge gebracht.“ Das erste Buch, „Aus meinem Leben“ von 1988 sei noch politischer, so Irina Marschefski. Unter anderem ging es sehr detailliert auf die Weimarer Republik (1918-1933) ein.

Bis auf wenige Ausnahmen hat Erna Mörchel, geborene Bommelitz, ihr ganzes Leben in Brackel verbracht. Ihre Erinnerungen reichen weit zurück: So beschreibt sie unter anderem, wie die Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrten, oft schwer verwundet. „Es war traurig, dies zu sehen“, schreibt sie. Sie berichtet aber auch von ihrer Arbeit als Verkäuferin bei Konsum Nordland, wo sie 1933 aus politischen Gründen entlassen wurde: Sie war Kommunistin; vorgeschoben wurde, dass ihre Eltern eine Trinkhalle besaßen. „Sie war immer politisch interessiert und hat sich engagiert, auch nach dem Zweiten Weltkrieg“, so Irina Marschefski.

Auch Erna Mörchels Mann ist vielen ein Begriff: Erich Mörchel wurde im Februar 1945 zusammen mit seinem Bruder Karl verhaftet. Beide wurden in der Bittermark von den Nazis erschossen und am 19. April im Rombergpark tot aufgefunden.
Als „lebensbejahend“ bezeichnet Irina Marschefski das Buch, genau wie ihre Großmutter gewesen sei. „Sie hatte ein großes Herz für Menschen“, sagt sie. „Meine beiden Geschwister und ich reichen alle nicht an meine Mutter heran“, ergänzt Gisa Mar­schefski.

„Ihr Leben war geprägt vom Kampf gegen den Extremismus“, so Irina Marschefski. Oft nahm sie an Gedenkveranstaltungen teil und hielt die Erinnerung an die Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs aufrecht. Nach dem Krieg wurde sie auch Mitglied der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und war stets Antifaschistin.

Das Buch „Das Leben der Brackelerin Erna Mörchel“ können Interessierte in der Buchhandlung Niehörster, Brackeler Hellweg 130a, kaufen. Die Stadtteilbibliothek, Oberdorfstraße 23, hat ein Exemplar zur Ansicht. Infos gibt es unter erna.moerchel.autobiographie[at]gmail.com.
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