Herrliche Graffiti - Hässliche Tags // Körne wird einerseits verschönert, andererseits nehmen Schmierereien am Hellweg überhand

Anzeige
TuS-Vorsitzender Jürgen Kruschka (l.) ist stolz: Passend zum neuen Kunstrasenplatz hat der TuS Körne jetzt auch ein künstlerisch ansprechend gestaltetes Vereinsheim Am Zippen: Graffiti-Künstler Friedrich Lohmeier (r.) hat das vom Körner Kultur- und Kunstverein um Chef Helmut Feldmann (2.v.l.) und Schatzmeister Dieter Rosenbaum finanzierte Groß-Graffito geschaffen, nicht das erste in Körne. - Doch mitten im Ort am Hellweg springen einem immer mehr hässliche gesprühte Graffiti-Tags ins Auge. (Foto: Schmitz)
 
Er ist diplomierter Sozialwissenschaftler, Graffiti-Künstler und Experte in Sachen Graffiti: Der Dortmunder Friedrich W. P. Lohmeier - Künstlername: Kolorist - hat in Körne zudem schon einige herrliche Groß-Graffiti an zuvor meist überaus triste Wände gesprüht. - Er sagt: "Bunte Vielfalt wirkt nachhaltig." (Foto: Schmitz)
 
Wo geht der (farbliche) Weg hin in dem speziell entlang des Hellwegs von Schmierereien heimgesuchten Stadtteil Körne? Diese Schüler-Malerei auf einem früher grauen Schaltkasten gegenüber der Uhland-Schule zeigt, wie‘s positiv funktionieren kann.
Dortmund: Vereinsheim DJK TuS Körne |

Knallrot prangt der Schriftzug Körne überm grünen Stadion-Rund und einem goldenen Pokal. Künstlerisch aufwändig gearbeitet knickt daneben das hervorstechende schwarz-rote Wappen der DJK TuS Körne ums Eck des Hauses. Und ein modernes Alu-Brett zur Spielzug-Planung sowie ein alter Lederfußball – na klar, aus dem TuS-Gründungsjahr 1963 – vervollständigen das Kunstwerk.


Friedrich Lohmeier sprüht viertes Groß-Graffito im KKK-Auftrag in Körne


In bunten Farben, mit Lokalkolorit und reichlich Bezügen zum Fußball im Allgemeinen und zum Verein im Besonderen, hat der Dortmunder Graffiti-Künstler Kolorist alias Friedrich Lohmeier seit Anfang Oktober am TuS-Vereinsheim Am Zippen – wieder einmal vom Körner Kultur- und Kunstverein (KKK) finanziert – im und für den Ort Körne ein überaus ansprechendes Kunstwerk gesprüht (siehe erstes Foto).

„Körne putzt sich raus“, betonte so auch nochmals KKK-Vorsitzender Helmut Feldmann bei der offiziellen Vorstellung von Lohmeiers jüngstem Groß-Graffito im Beisein des Künstlers aus dem Kreuzviertel, des stolzen Hausherrn und TuS-Vorsitzenden Jürgen Kruschka und des KKK-Schatzmeisters Dieter Rosenbaum.

In der Tat: Seit seinem ersten Graffito am Blumenladen Ecke Körner Hellweg/Heilbronner Straße in 2011 hat der 39-Jährige im KKK-Auftrag dazu beigetragen, dass Körne mancherorts tatsächlich schöner geworden ist. Erinnert sei hier nur an seine gelungenen Groß-Graffiti an der Firmenwand am Körner Platz, an die bunt besprühte Körner Brücke an der Grenze zur Oststadt und an das knallbunte Kunstwerk an der früher tristen Wand auf dem Hof der Uhland-Grundschule.


TuS Körne setzt auf Schutz gegen Sprayer-Attacken


Ein anderes Lied kann indes nicht nur TuS-Chef Jürgen Kruschka singen angesichts bereits erlebter Sprayer-Attacken aufs Vereinsheim und mit Blick auf die aktuell immer noch mit hässlichen Tags verunzierten Vereinscontainer am Parkplatz direkt vor dem Körner Sportplatz Am Zippen.

Nicht ohne Grund hat der Fußball-Kreisligist aus eigener Tasche das mit Lohmeiers Graffito verschönerte Vereinsheim mit einem Anti-Sprayer-Schutz versehen lassen. „350 Euro hat uns das gekostet“, verrät Kruschka und erntet Lohmeiers Lob. Auch durch die vielen positiven Rückmeldungen, die die beiden Chefs von TuS und KKK schon zur künstlerischen Gestaltung des Heims Am Zippen 15 bekommen haben, sieht der TuS-Vorsitzende sich darin bestätigt. Körne wird eben schöner.

Hausfassaden und Schaltkästen am Körner Hellweg mit hässlichen Tags übersät


Ein ganz anderes, oft hässliches Bild bietet sich dagegen Passanten, Autofahrern und ÖPNV-Nutzern beim Weg über den Körner Hellweg quer durch den Ortskern: Neben den zunehmenden Leerständen auf der früheren Einkaufsmeile fallen einem dort und bis in die Seitenstraßen hinein immer mehr verschmierte Hausfassaden ins Auge.

Besonders heimgesucht von wilden Sprayern sind dabei die schon an sich vernachlässigt wirkenden Häuser etwa im Bereich der Einmündung Leppinghof auf der Südseite des Hellwegs – stark betroffen ist hier auch die Steinfliesen-Fassade der Textilreinigung – und die Häuser auf der Nordseite direkt an der Stadtbahn-Haltestelle „Am Zehnthof“, aber auch solche weiter westlich vor und hinter der Kreuzung Berliner Straße.

Teils reiht sich hier auf den oft grauen, schon blätternden Fassaden – in leicht erreichbarer Höhe – bereits Tag an Tag, ein in der Nacht schnell aufgesprühtes Kennzeichen an das andere. Aber auch Häuser mit frischem Anstrich, etwa an der Einmündung Stuttgartstraße, wurden attackiert. Und während die von Schülern bei früheren KKK-Aktionen bemalten Schaltkästen unversehrt und bunt daher kommen, sind andere dreckig-graue Kästen über und über mit den Kürzeln der Sprüher übersät.

"Wie Hunde, die überall hinpinkeln"


„Jugendliche Sprayer kommunizieren wie Hunde, die überall hinpinkeln“, weiß Experte Friedrich Lohmeier. Und der Körner Hellweg mit der Straßenbahn sei zudem besonders attraktiv für die meist 14- bis 22-jährigen Sprayer. „Aus der Bahn heraus, etwa auf dem Schulweg, gucken sie stolz auf ihr Werk und können sich vor ihren Kumpels präsentieren: ,Das war ich gestern Nacht!‘“

Lohmeier empfiehlt: „Man muss auf die Sprayer zugehen.“ Der Graffiti-Künstler und diplomierte Sozialwissenschaftler gibt selbst Graffiti-Workshops für Jugendliche beispielsweise im Körner Jugendtreff Winkelriedweg und für Erstsemester an der Fachhochschule Dortmund – allerdings mit einem ganz anders ausgerichteten, künstlerischen Anspruch.

Sachbeschädigungen


Doch worin TuS-Chef Jürgen Kruschka schlichtweg nur Sachbeschädigungen sieht, erkennt Lohmeier auch „ein buntes Bild der Kommunikation“ beim Betrachten der ihm vom Ost-Anzeiger vorgelegten Fotos diverser verunzierter Körner Hausfassaden und Schaltkästen.

„Alles dabei, von politischen Schmierereien – das sind keine Graffiti – bis hin zum überregional tätigen Sprayer“, sprudelt es geradezu aus dem Fachmann heraus: „Die zwei Buchstaben ,EK‘, das waren ganz junge, die vielleicht gerade mal das zweite Mal eine Spraydose in der Hand hatten.“ Und er ergänzt angesichts dieses noch einzelnen Tags am Haus Ecke Stuttgartstraße: „Der Vermieter muss sofort etwas dagegen tun, sonst kommt das nächste bald hinzu. Ein Schneeball-Effekt.“

So genannte „Lost spaces“ – siehe Turm der ehemaligen Kronen-Brauerei – und eben auch vernachlässigte Fassaden seien dagegen immer besonders betroffen, da könnten sich die Sprayer darüber freuen, dass die eigenen Graffiti länger erhalten bleiben, ergänzt Lohmeier.

Malerinnung: "Gammelfassaden reizen regelrecht zum sprühen"


„Gammelfassaden reizen regelrecht dazu zu sprühen“, meint auch Joachim Susewind, der als Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung nicht weit entfernt an der Langen Reihe ansässig ist. Auch das hier noch in den 90er-Jahren bei der Kreishandwerkerschaft selbst beklagte Graffiti-Problem habe man in den Griff bekommen.

„Wer seine Fassade in Schuss hält, wird seltener betroffen sein“, rät so auch der Handwerks-Lobbyist zur schnellen Beseitigung von Schmierereien durch einen Maler. Mittlerweile gibt es laut Susewind auch wesentlich bessere technische Möglichkeiten gegen Sprayer sowohl vorbeugend durch eine Schutzbeschichtung auf dem Anstrich, wie auch beim Graffiti-Entfernen per Hochdruckstrahler und beim Übermalen: „Messgeräte ermöglichen längst eine so exakte Farbmischung, dass man den Farbton sogar bei verwitterten Farben trifft.“

Experte Lohmeier setzt auf Umkehrung des Schneeball-Effekts


„Da muss Gestaltung ran!“, empfiehlt indes Friedrich Lohmeier in Sachen Körner Hellweg. Die DSW 21 habe andernorts mit der Bemalung ihrer Häuschen gezeigt, wie‘s gehen kann. Gelte doch der Ehrenkodex bei den Jugendlichen, dass „wo etwas Gutes dran ist, nichts übersprüht wird“. Der Experte setzt so auf die Umkehrung des Schneeball-Effekts, rät dazu, Hausbesitzer wie Gewerbetreibende zu aktivieren: „Bunte Vielfalt wirkt nachhaltig: statt der Tags gibt's mehr bunt gestaltete Hausfassaden.“
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.