Gastronomenpaar Schirmacher verabschiedet sich in den Ruhestand

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Nach zehn Jahren verlassen Roswitha und Karl Schirmacher die "Schönebecker Schweiz" und verabschieden sich in den Ruhestand. Foto: Debus-Gohl

Zehn Jahre haben sie ihre Gäste in Schönebeck bewirtet. Oder besser gesagt: kulinarisch verwöhnt. Mit einem gewagten Spagat zwischen gutbürgerlicher Küche und französischer Haute Cusine. Sie haben ihr Restaurant, die „Schönebecker Schweiz“ an der Schönebecker Straße zu einem Treffpunkt gemacht - nicht nur für Schönebecker. Aus Essen und Umgebung kamen Gäste zu Roswitha und Karl Schirmacher.

Doch jetzt ist Schluss. Der 66-jährige Koch Karl Schirmacher hängt die Schürze an den Nagel. Endgültig. Am 22. Mai kommt der Umzugswagen an die Schönebecker Straße. Dann räumt das Ehepaar seine Wohnetage über den Gasträumen. „Unseren Ruhestand werden wir im Sauerland genießen“, verrät Roswitha Schirmacher. Seit Jahren besitzen die beiden dort eine Wohnung. „Wir haben während unserer Auszeiten dort viele Menschen kennengelernt und auch Freundschaften geknüpft, da lag der Schritt nahe.“
Vorbei sein werden dann die Zwölf-Stunden-Tage im Restaurant. Für Karl Schirmacher langen Tage in der Küche, für Ehefrau Roswitha im Service. Bestellungen, Einkäufe, Bücher – alles haben die zwei neben dem Restaurantbetrieb selbst erledigt. „Doch bereut haben wir unsere Entscheidung nie“, beteuern die Vollblut-Gastronomen.

"Zusammenarbeit hat wunderbar funktioniert"

Genau zehn Jahre waren die Schirmachers in Schönebeck. Haben im Dorf gewohnt, sich mit eingebracht. Bei jedem Maibaumfest waren sie mit von der Partie, die Gastromeile „Schönebeck is(s)t gut“ gut haben sie viele Jahre lang federführend mitorganisiert. „Die Zusammenarbeit mit dem hiesigen Bürger- und Verkehrsverein hat wunderbar funktioniert“, blickt Roswitha Schirmacher auf spannende Jahre zurück.
Aus der Innenstadt hatte es das Paar 2007 nach Schönebeck verschlagen. Im Westviertel hatten die Schirmachers viele Jahre den „Stop Club vis-a-vis“ betrieben. Zunächst als Angestellte, dann als Partner und später in Eigenregie. „Usprünglich war der Stop Club ein Künstlertreff“, erzählt Roswitha Schirmacher. Eine Reihe gerahmter Schwarz-Weiß-Fotos in der „Schönebecker Schweiz“ erinnert an diese Zeit.
Beim Betrachten der Fotos stößt man auf viele bekannte Gesichter. Silvio Franceso und Gitte haben bei den Schirmachers gegessen, Film- und Theaterschauspieler. Aber nicht nur die Künstlerszene wusste zu schätzen, was Karl Schirmacher in seiner Küche fertigte. „Schon damals hatten wir viele Stammgäste, hier in Schönebeck waren es über 90 Prozent.“
Bei Karl Schirmacher war es die Leidenschaft für gutes Essen, die ihn in die Gastronomie führte, bei seiner Frau die Liebe. „Als ich meinen Mann kennengelernt habe“, erzählt die 62-Jährige, „war ich als Rechtsanwalts- und Notargehilfin tätig.“ Doch eine Beziehung leben bei so unterschiedlichen Arbeitszeiten, das wollten die Schirmachers nicht.
„Also bin ich in die Gastronomie gewechselt“, berichtet Roswitha Schirmacher lachend. Sie hat bei Jürgen Arnolds angeklopft. „Ich hab ihn einfach gefragt, ob er mir das Grundlegende beibringen kann.“ In dem Rüttenscheider Hotel-Restaurant hat die 62-Jährige alles Wichtige gelernt. „Doch hätte ich vor meiner Ausbildung geahnt, wie viel Spaß mir die Gatronomie macht, hätte ich Restaurantfach von der Pike auf erlernt.“

Ganz gemächlich

Im nun anbrechenden Ruhestand wollen es die Schirmachers gemächlich angehen lassen. Tibetterrier Racker kann sich freuen. In den nächsten Monaten haben sich Herrchen und Frauchen nicht viel anderes vorgenommen, als ausgedehnte Spaziergänge mit ihrem Vierbeiner zu unternehmen. Eines ist allerdings klar. Die Verhältnisse im Hause Schirmacher werden sich ändern. In der Küche übernimmt von nun an Ehefrau Roswitha die Führung. Doch ganz raus ist Karl Schirmacher damit nicht. „Ich brauch ihn manchmal zum Abschmecken. Wenn ich so gar keine Idee mehr habe, was noch fehlt, dann genügt ihm ein kleiner Löffel zum Probieren. Egal was es ist, er weiß sofort, was das Essen komplett macht.“

Weiter geht's

- Am 6. Mai verabschieden sich die Schirmachers in den Ruhestand. Der Nachfolger ist ein alter Bekannter: Sandro Somigli hat die "Schönebecker Schweiz" schon einmal acht Jahre lang geführt.
- Der neue Pächter will den Theken- und Kegelbahnbetrieb künftig ausbauen. Die Wiedereröffnung der "Schönebecker Schweiz" ist für Mitte/Ende Juni geplant.

Text: Christa Herlinger
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