Eine Podiumsdiskussion im Zeichensaal: Schüler des Gymnasiums Borbeck stellen kritische Fragen

Anzeige
Auch Julian hat eine klare Position zum Thema G8: "Wir ertrinken in Hausaufgaben nach der Schule, wo verschafft uns das bitte mehr Lebenszeit?" (Foto: Neuhaus)
 
V.l.n.r.: AfD Landtagskanditat Guido Reil, die schulpoltitische Sprecherin der CDU Petra Vogt, Jules El-Khatip, Mitglied des Landesvorstands der Linken, Ralf Witzel , stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP NRW und der stellvertretende Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN Mehrdad Mostofizadeh saßen mit NRW Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) auf dem Podium. (Foto: Neuhaus)

Wieso sollte ich Sie wählen? Diese und andere Fragen stellten Schüler der Q1 und Q2 des Gymnasiums Borbeck ihren politischen Gästen. Anlässlich der anstehenden Landtagswahlen in NRW hatte das Gymbo sechs Vertreter der großen Parteien zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Neben sozialer Ungleichheit an Schulen und Migrationschancen im Ruhrgebiet sorgte vor allem das Thema "G8 oder G9?" bei den Schülern für echten Gesprächsbedarf.

Eine Autobahn trennt arm und reich

Als Aufhänger der Veranstaltung diente der Film "A40 - Eine Autobahn trennt arm und reich" von Marko Rösseler. Der Film thematisiert die soziale Ungleichheit an Schulen und die Ungerechtigkeit im Hinblick auf Bildungschancen im Essener Norden und Süden. Das Thema traf den Nerv der Schüler, löste Interesse und auch persönliche Betroffenheit aus. Gleichzeitig stellte sich natürlich die Frage: Was tut die Politik, um dieses Gefälle aus der Welt zu schaffen? Antworten bekamen die Schüler mal mehr, mal weniger konkret von den Podiumsmitgliedern.

Wieso sollte ich Sie wählen?

Nach einer allgemeinen Vorstellungsrunde geht es los mit den Fragen. Zunächst interessiert die größtenteils wahlberechtigten Schüler natürlich eines: Wieso sollte ich Sie und ihre Partei wählen? Darauf haben die Vertreter von SPD, CDU, GRÜNE, FDP,LINKE und AfD gleich eine ganze Menge Antworten. Es geht um Themen wie Inklusion, Verbesserung von Schulen, Mindestlohn, Studiengebühren, Gleichberechtigung, innere Sicherheit und auch Wirtschaft. Auf den ersten Blick klingt das bei jedem Einzelnen durchaus vielversprechend. Doch die Schüler möchten es genau wissen. Wie soll das Ganze funktionieren? Wie genau möchte man die Ungleichverteilung von schulischer Ausbildung und Austattung zwischen Nord und Süd aufheben? Aufmerksam verfolgen die Gymnasiasten den verbalen Schlagabtausch auf dem Podium. Sind die Antworten nicht zufriedenstellend, wird noch mal kritisch nachgefragt. "Das hat meine Frage jetzt aber noch nicht beantwortet", müssen die Politiker das ein oder andere Mal an Kritik einstecken.
"Ruhig mutig sein und kritisch Fragen stellen", dazu ermutigt Sowi-Lehrer Soestwöhner als Organisator der Veranstaltung seine Schüler im Vorfeld. Auch während der Diskussion steht er seinen Schützlingen unterstützend zur Seite und fragt ebenfalls kritisch nach.

G8 oder G9?

Ein großer Themenblock bildet die Frage nach G8 oder G9. Mit dem Publikum am Gymnasium Borbeck sehen sich die Parteivertreter vielen Verfechtern von G9 gegenüber. Die Schule ist eines der wenigen Gymnasien in Nordrhein-Westfalen, das sich bewusst dazu entschieden hat, den Schülern wieder die Möglichkeit zu bieten, nach neun Jahren das Abitur zu machen. Aussagen über gewonnene Lebenszeit durch G8 stoßen den Schülern sauer auf. Mehr Lebenszeit? Von wegen! Man habe zwei- bis dreimal die Woche zehn Stunden Schule und ertrinke dann auch noch in einem Berg von Hausaufgaben, heißt es bei den Oberstuflern. Die allgemeine Ablehnung von G8 wird deutlich. Eine Wortmeldung bringt die Haltung der Schüler auf den Punkt: "G8 ist Schwachsinn!".

"Wir sind eine Schule ohne Rassismus"

Ein weiterer Aufhänger ist das Thema Migration. Auch hier hat sich das Publikum gut vorbereitet. Ein Großteil der Fragen richtet sich in diesem Zusammenhang an AfD-Vertreter Guido Reil. Teils widersprüchliche und polemische Aussprüche sorgen bei den Zuhörern für Verwirrung und Unzufriedenheit. Die Schüler positionieren sich auch hier deutlich. Seit Anfang letzten Jahres gehört das Gymnasium Borbeck offiziell zum Netzwerk "Schule ohne Rassismus Schule mit Courage", einem Förderprojekt für Zivilcourage. Mit diesem verpflichten sich Schüler und Lehrer freiwillig jeglicher Form der Diskriminierung mit Courage zu begegnen. "Wir sind eine Schule ohne Rassismus, eine Schule mit Courage. Eine Partei wie die AfD hat hier nichts zu suchen", erklären die Schüler vehement. Ein klares Statement.
Zum Abschluss bedankt sich Schulleiter Lars Schnoor im Namen der Schule bei allen Beteiligten und den beiden Lehrern für Sozialwissenschaften für die Organisation.

von Vanessa Neuhaus
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.